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Berufsimkerbund besorgt über hochtoxische Pestizide im Raps

Gelb leuchtende Rapsfelder bestimmen im April-Mai die Landschaft Brandenburgs und Norddeutschlands. Doch lockt die Farbenpracht nicht nur viele Menschen in die Natur, sondern vor allem Tiere, die dort ihre Nahrung finden. Die Wichtigsten sind arge Feinde: Der Rapsglanzkäfer und die Biene.

Der Raps ist eine für Bienen und Menschen hochattraktive Tracht. Er spendet reichlich Nektar für den beliebten zartschmelzenden Rapshonig. Bienen fliegen zur Not auch weitere Strecken von 3- 5 km, um die gelben Rapsfelder zu erreichen, falls in der Nähe der Bienenkolonien keine Rapsfelder zu finden sind. Oft machen ihnen die Imker das Leben jedoch leicht, indem sie die Bienen zu Blühbeginn direkt an die leuchtendgelben Blütenmeere stellen. Auch die Landwirte profitieren vom Bienenbesuch: durch die Bestäubung der Bienen steigt der Ertrag aus dem Raps um bis zu 50 %! In den letzten Jahre wurde diese profitable Zusammenarbeit jedoch erheblich gestört.

In Deutschland hat der Rapsglanzkäfer in 2006 insgesamt auf einer Anbaufläche von 230.000 Hektar die Rapsernte zunichte gemacht. Seit 2003 wird der Rapsglanzkäfer gegen Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Pyrethroide resistent. Um das Problem in den Griff zu bekommen, ist es notwendig, Wirkstoffe aus anderen chemischen Gruppen einzusetzen. Das für Pflanzenschutzmittel zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat daher für das Frühjahr 2007 zwei hochgiftige Pflanzenschutzmittel mit einer Ausnahmegenehmigung für die Rapssaison 2007 zum Einsatz gegen den Rapsglanzkäfer freigegeben: Reldan 22 und Ultracid 40.

Diese Insektizide wirken leider nicht nur gegen Rapsglanzkäfer, für Bienen sind sie genauso hochgiftig wie für andere Nutzinsekten, die das Nahrungsangebot im Raps nutzen. Die Mittel sind biologisch nicht leicht abbaubar, werden im Boden gespeichert und sind auch für Fische und Wasserpflanzen hochgiftig. Menschen können beim Einatmen Schaden am Zentralnervensystem erfahren, außerdem können bei direktem Kontakt Schäden an Haut, Nebenniere und Leber verursacht werden.

Wird hier der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben?

Reldan 22 und Ultracid 40 sind extrem bienengefährlich und dürfen daher nicht in der Rapsblüte angewandt werden. Eine Kontrollmöglichkeit für die Imker besteht nicht, ihnen bleibt nur an die Landwirte zu appellieren, die Spritzauflagen einzuhalten, denn ein Fernhalten der Bienen von den nektarreichen Rapsfeldern ist nicht möglich!

Falls noch eine Rapsglanzkäfer-Bekämpfung während der Blüte erforderlich ist, bietet die Industrie mehrere "bienenungefährliche" Mittel an, die jedoch alle nicht den Wirkungsgrad der Giftkeulen erreichen. Wen wundert es, dass die Imker der Rapsblüte 2007 mit riesiger Sorge entgegensehen?

"Bienenungefährliche" Spritzmittel dürfen am helllichten Tag auf die offenen Rapsblüten ausgebracht werden. Diese Arbeitserleichterung für den Landwirt führt für die emsigen Bestäuber zu einer Chemo-Dusche mit unter Umständen extrem unangenehmen Nebenwirkungen, auch wenn die Mittel die Bienen nicht umbringen:

  • die Orientierungs- und Bewegungsfähigkeit der Bienen wird negativ beeinflusst bis hin zu tagelangen Lähmungserscheinungen

  • Die Riech-, Lern- und Kommunikationsfähigkeit der Bienen wird gestört

  • Die Futteraufnahme der Bienen wird beeinträchtigt, unter Umständen darbt das gesamte Volk einschließlich der Brut

  • Bienen meiden gespritzte Kulturen aufgrund des chemischen Geruchs - es findet keine Bestäubung der Blüten mehr statt

Hinzu kommt die Gefahr der Rückstandsbildung im Honig durch die tagsüber in die offenen Blüten ausgebrachten Spritzmittel. Dies sind nur die Probleme für Honigbienen. Welche Lobby haben Marienkäfer, Wildbienen, Hummeln und andere Insekten, die dem Landwirt als Nutzinsekten im Rahmen biologischer Schadensabwehr im Raps zur Hand gehen und hier dem Chemo-Krieg auf dem Acker als Kollateralschaden zum Opfer fallen? In riesigen Rapsfeldern breiten sich Schädlinge und Krankheiten schnell aus, daher wird mit der chemischen Keule gearbeitet. Die subletalen Effekte auch der B4-Spritzmittel führen bei den Nutzinsekten zu vergleichbaren Problemen wie bei den Honigbienen, hinzu kommen Beeinflussung der Fortpflanzungsfähigkeit und Eiablage sowie Freßstörungen. Der Rückgang der natürlichen Schädlingsbekämpfer macht dann den nächsten Spritzmitteleinsatz erforderlich, und die Spirale dreht sich weiter ...


Bienen-AIDS/Massivstes Bienensterben seit Menschengedenken in den USA

Sehr große Sorgen bereiten den Imkern hierzulande hingegen das Massensterben der Bienen in den USA. Seit dem Herbst 2006 berichten die Imker dort vom Sterben zehntausender Bienenkolonien. Anders als in Deutschland, wo der Schwerpunkt der Imkerei in der Honigerzeugung liegt, gibt es in den USA Imkereien, die sich auf die Bestäubung der großen Mandel- und Blaubeerplantagen sowie weiterer Kulturen konzentrieren.

Diese Großimkereien bewirtschaften teilweise zehntausende von Völkern und überwintern in den warmen Südregionen der USA. Von den Überwinterungsquartieren aus brechen die Imker mit ihren Völkern dann auf und fahren die entsprechenden Plantagen zur Bestäubung an. Seit Herbst 2006 sterben jedoch die Bienenvölker in bisher 24 US-Bundesstaaten und die Bienenwissenschaftler stehen vor einem Rätsel. Die beobachteten Symptome lassen sich bisher keiner bestimmten Ursache wie einem Krankheitserreger zuordnen.

Zusammenbrechende Bienenkolonien verlieren innerhalb kurzer Zeit die Bienen, die zum Sterben ihren Kästen verlassen. Zurückbleibende Bienen zeigen Verhaltensauffälligkeiten und weisen alle möglichen bakteriellen und viruellen Infektionen bis hin zu Pilzerkrankungen auf. Für dieses Erscheinungsbild haben die US-Bienenforscher den Begriff Colony Collapse Disorder geprägt, was man auch genausogut mit Bienen-AIDS bezeichnen kann. Es scheint, dass das Immunsystem der Bienen zusammenbricht - ohne daß die Ursache bekannt ist. Noch bemerkenswerter ist jedoch, dass die leeren Bienenkolonien samt Wabenbau und Honigvorrat nicht von anderen Schadinsekten wie Wachsmotten und Beutenkäfer aufgesucht werden, die sonst sofort zur Stelle sind, wenn eine Kolonie zu schwach ist, um sich zu verteidigen. Bislang wurden bei untersuchten Bienen keine neuen bakteriellen oder viruellen Erreger gefunden. Am Rande der Tagung des Europäischen Berufsimkerbundes in Graz wurde bekannt, dass ähnliche Beobachtungen auch aus Indien gemeldet worden sind.

Ursache Gentechnik oder Pestizide?

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß Bienen-AIDS in Staaten auftritt, die sich dem Druck der Gentechnik-Industrie gebeugt haben und den Anbau von genmanipulierten Pflanzen zulassen. So hat der Anbau von genmanipuliertem Bt-Mais in den USA in den letzten beiden Jahren sehr stark zugenommen und Bt-Maispollen wird eben auch als Eiweissquelle von Bienen genutzt. Verändert wurden auch die Bt-Maissorten. Die Imker fragen sich nun, ob die genveränderten Bestandteile des Bt-Mais sowie die Nervengifte, die durch das Beizen des Saatgutes in die Pflanze eingebracht werden, das Immunsystem der Bienen zusammenbrechen lassen. Auch die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide werden im Hinblick auf Bienen-AIDS neu untersucht werden müssen.

Fest steht, dass man sich ein Aussterben des bedeutendsten Bestäubers der von Menschen genutzten Kulturpflanzen nicht leisten kann. Der Gegenwert der für die Bestäubungsleistung angesetzt wird, wird allein in den USA bei etwa 40 Mrd. $ angesetzt, wobei der Wert der Bestäubungsleistung für die Natur nicht zu ermessen ist. Auf dieser Leistung der Honigbienen beruht das Nahrungsangebot und damit der Erhalt vieler weiterer Tier- und Pflanzenarten. Um es kurz zu formulieren: Bienen werden gebraucht- Monsanto & Co. nicht!

Imkerei und Schaubienenstand Honighäuschen
Klaus Maresch
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