Mehr Aussteller und mehr Besucher
Slow Food-Messe fragt künftig Bio ab
Vom 11. bis zum 14. April öffneten die Stuttgarter Messehallen ihre Türen für den Markt des Guten Geschmacks. Slow Food Deutschland als ideeller Träger der Veranstaltung will auf seiner Leitmesse die Vielfalt an traditionellen, handwerklich her-gestellten Spezialitäten be-wusst und erlebbar machen. Die Messe fand bereits zum siebten Mal stattfand und erfreut sich wachsender Beliebtheit. So stieg die Ausstellerzahl von 394 Ausstellern im vergangenen Jahr auf 433. Die Besucherzahl stieg ebenfalls und zwar auf rund 80.000. Allerdings zählten dazu auch die Besucher der parallel stattfindenden Frühjahrsmessen, unter anderem Fair Handeln.
Obwohl als Publikumsmesse konzipiert, lohnte sich der Besuch auch für Händler. Schließlich präsentierte sich ihnen hier ein geballtes Angebot an Delikatessen. Durch die Möglichkeit, die Produkte zu verkosten, und das direkte Gespräch mit den Herstellern, konnte man sich einen eigenen Eindruck verschaffen. Das Warenspektrum war dabei äußerst vielseitig. Zu den starken Warengruppen gehörten Backwaren, Wurst und Fleisch, Käse, Olivenöle und Getränke. Alle Produkte mussten die Slow Food-Kriterien erfüllen mussten. Das Kriterium Bio wurde bei der Anmeldung bisher dagegen nicht abgefragt. Da das Interesse hieran aber zunehmend wächst, soll dies in Zukunft der Fall sein.
Vertreten waren in Stuttgart viele kleine, vor allem regio-nal bekannte Manufakturen. Für die Backwarenbranche lässt sich exemplarisch BeckaBeck aus Bad Urach nennen. „Unsere Backwaren müssen schmecken, die Rohstoffe sollen aus der Region kommen und wenn sie dann noch Bio sind, umso besser“, so Heinrich Beck. Das Bio-Sortiment der Bäckerei macht mittlerweile rund 80 Prozent aus, wobei die Aus-wahl von Roggensaftkornbrot bis zu typischen Kleingebäcken wie Seelen und Albweiznweckle reicht. Beck, der bereits 15 eigene Filialen führt, enga-giert sich stark für den Anbau alter Getreidesorten. Vier regionale Qualitätslogos, für Schwäbischen Dinkel, Roggen, Weizen sowie Kräuter, machen das auch nach außen hin deut-lich.
Den Erhalt einer alten Nutzpflanze hat sich auch die Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa auf die Fahne geschrieben. Die hocharomatischen Linsen von der Schwäbischen Alb sind wie viele der in Stuttgart gezeigten Produkte überwiegend in Feinkostgeschäften, Bioläden und Re-formhäusern zu finden. Dazu kommen regionale Edeka-Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Die Biomanufaktur Rose zählt ebenfalls zu den festen Abnehmern.
Der Unterschied zu industrieller Massenware ließ sich auch bei den feilgebotenen Senf-, Essig- und Ölspezialitäten nachvollziehen. Bei der Bio-Senfmanufaktur Weber aus Niederbayern war zu erfahren, wie im Kaltmahlungsverfahren mit Granitsteinen feine Senf-Kreationen entstehen. „Ingwer-, Dijon- und im Frühjahr der Bär-auchsenf sind die Renner im Sortiment“, sagte Biokreis-Mitglied Thomas Weber.
Feinkost in flüssiger Form gab es bei essigart Lincke & Schick, Wustermark zu degustieren. Sechs verschiedene Fruchtessige in modernen Glasfläschchen hatte das junge Unternehmen mitgebracht, hergestellt aus Bio-Früchten wie Heidelbeeren oder Sauerkirschen und ausgebaut im Barrique. Sobald Bio-Wein in ausreichender Menge und der benötigten Qualität zu Verfügung stünde, würden die Weinessige ebenfalls umgestellt, kündigte Firmenchefin Lincke an.
Holger Blank von der Kaffee-Manufaktur BlankRoast betreibt in Neustadt an der Weinstraße eine gläserne Rösterei und beliefert mit seinen hochpreisigen Kaffees bereits zahlreiche Spezialitätenläden, Restaurants und Endverbraucher. Der besondere Clou ist, dass Blank beim Rösten Bio-Rebenholz mitverwendet.
Die Familienkelterei Boller aus Bad Boll legt den Schwerpunkt auf Säfte aus Äpfeln und Birnen von Streuobstwiesen im nächsten Umkreis. Sortenreiner Bio-Topaz, Birnen-Brombeer-Saft, alkoholischer Cidrel aus Äpfeln und Birnen und vieles mehr standen auf der Slow Food zur Wahl. Man habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Bio-Produkte im konventionellen Handel leichter tun als im Bio-Fachhandel, hieß es hier. Dass auch bekannte Namen mit der Slow Food Messe die Chance zum direkten Gespräch mit den Verbrauchern nutzten, zeigten unter anderem Perger, Bionade, Neumarkter Lammsbräu und Härle.
Hat das Vertrauen in Fleischwa-ren generell durch die vielen Lebensmittelskandale stark ge-litten, so fanden diese auf dem Markt des Guten Geschmacks regen Zuspruch. Bio-Albbüffel-Jagdwurst, -schinken und mehr dürften sicher nicht nur in Stuttgart Neugier wecken. Der Züchter der 300 Tiere stand gleich neben der Metzgerei Fai-lenschmid, die das Fleisch veredelt und über die vier Filia-len sowie den Online-Vrsandverkauft. Der wenige Schritte entfernte, großzügige Stand der Erzeugergemeinschaft der BESH war sogar regelrecht umringt. Fleisch und Wurst vom Boeuf de Hohenlohe, Schwäbisch-Hällischen Landschwein und Ho-henloher Lamm kommen dem An-spruch von Slow Food genau ent-gegen. Schließlich handelt es sich um artgerecht gehaltene alte Rassen, die nach traditio-neller Metzgerkunst ohne die diversen Zusatzstoffe verarbeitet wurden. Die gefragten Edelteile fänden im Dosensorti-ment die ideale Ergänzung, erläuterte Vertriebsleiter Werner Vogelmann und fügte hinzu: „Hier treffen wir genau das Klientel, das unsere Produkte kauft.“







