Start / Pläne zur Neuordnung der Ressortforschung im Verbraucherschutzministerium: Konzepte von gestern!

Pläne zur Neuordnung der Ressortforschung im Verbraucherschutzministerium: Konzepte von gestern!

BÖLW fordert ein Institut für landwirtschaftliche Systemforschung und Ökologischen Landbau

Berlin, 31.10.2006. Mit scharfer Kritik reagierte die ökologische Lebensmittelwirtschaft auf die bekannt gewordenen Entwürfe für eine Neugestaltung der Ressortforschung im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Dort wird u.a. die Gliederung in vier Bundesforschungsinstitute "Pflanze", "Tier", "Ernährung und Lebensmittel" und "Ländlicher Raum" sowie die Schließung des Institutes für Ökologischen Landbau in Trenthorst (Ost-Holstein) vorgeschlagen.

"Der landwirtschaftliche Betrieb ist ein Organismus, in dem vom Boden über Pflanze und Tier bis zum erzeugten Lebensmittel alles zusammenhängt. Auch die Stufen der Produktionskette bis hin zum Verbraucher existieren nicht isoliert. Deshalb braucht es eine ganzheitliche Forschung, die alle ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen im Blick hat. Nur so kommt man zu zukunftsfähigen und nachhaltigen Innovationen", so Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW. Um dieser Anforderung zu entsprechen sei ein Institut einzurichten, das landwirtschaftliche Systemforschung und Ökologischen Landbau zum Inhalt hätte und dem alle ganzheitlich orientierten Forschungseinrichtungen zuzuordnen wären. "Hierzu gehört der Standort Trenthorst. Für seinen Aufbau wurden Millionen investiert, und jetzt wird dort erstklassige Arbeit geleistet", sagte Löwenstein. "Trenthorst jetzt zur Investitionsruine zu machen wäre wahrhaftig ein Schildbürgerstreich!"

Der Geschäftsführer des BÖLW, Dr. Alexander Gerber, verwies auf die Unsinnigkeit der Schließungspläne: Gerade der Ökologische Landbau zeige durch seinen ganzheitlichen Ansatz Lösungen für die gesamte Landwirtschaft auf. Hohe Wachstumsraten und eine breite gesellschaftliche Zustimmung unterstreichen dieses Potenzial. "Eine existenzfähige, umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft, die Ressourcen schont, einen Beitrag zur ländlichen Entwicklung leistet und gesunde und sichere Lebensmittel erzeugt, muss Richtschnur der Ressortforschung sein", führte Gerber aus. Denn dies entspreche den Anforderungen der Gesellschaft an eine zukunftsfähige Landwirtschaft. "Lösungen für solch komplexe Fragestellungen bedürfen jedoch einer systemorientierten Agrar- und Ernährungsforschung", weiß sich Gerber mit führenden Wissenschaftlern einig.

"Wir fordern Minister Seehofer auf, die vorgelegten Entwürfe zurückzuweisen", so Gerber. "Zunächst muss ein Dialog mit den gesellschaftlichen Akteuren und der Wirtschaft geführt werden, welche Forschung in Zukunft gebraucht wird und wie diese zu organisieren ist."

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