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Die BioFach stagniert

Mit 41.500 Besucher und 2.396 Ausstellern blieb die Messe auf Vorjahresniveau

Mit 41.500 Fachbesucher (2012: 40.315) aus 129 Ländern (Internationalität 43 Prozent) war die Resonanz auf die BioFach und Vivaness in Nürnberg etwas höher als  2012 mit 40.315 Besuchern. Die Zahl der Aussteller ging mit 2.396 gegenüber 2.420 im Vorjahr minimal zurück. Die Bio-Weltleitmesse stagniert auf hohem Niveau.

„Jedes Jahr wieder beeindruckt die internationale Bio-Branche bei uns in Nürnberg mit geballter Kompetenz und Wissen sowie einer unerschöpflichen Lebensmittel- und Naturkosmetik-Vielfalt. Alleine an den beiden Neuheitenständen des Messe-Duos präsentierten die Aussteller dem Fachpublikum über 570 Produkte. Wir sind glücklich, 2013 wieder mehr Besucher aus dem In- und Ausland für ihre Weltleitmesse begeistert zu haben. Wir freuen uns schon sehr auf das Wiedersehen im nächsten Jahr“,  bilanzierte Claus Rättich, Mitglied der Geschäftsleitung der NürnbergMesse.

93 Prozent der Facheinkäufer von BioFach und Vivaness waren mit dem Besuch zufrieden, so das Ergebnis der Befragung eines unabhängigen Instituts. Mehr als 80 Prozent wissen schon jetzt, dass sie auch 2014 wieder zum jährlichen Jahresauftakt der internationalen Bio-Branche reisen werden.

Die BioFach hat aber auch Verluste zu verzeichnen. Die Weinhalle gab es dieses Jahr nicht mehr. Die Bio-Wein-Branche ist zur  ProWein nach Düsseldorf abgewandert. Dort wird sie zumindest mittelfristig bleiben. Die Halle mit Natutextilien gibt es nicht mehr. Vom NonFood war der verbliebene Rest in Halle 9 versammelt, was die Halle mit gleich vier Sonderbereichen – BÖLW-Cafe, Innovationen, Käseverkostung, und Fachhandelszentrum - nicht gerade aufwertete.

Neue Impulse müssten international kommen, nachdem sich der Fachhandel mit den Regionalmessen ein neues Forum geschaffen hat. Aufstrebende Länder aus Ost- und Südeuropa, die Wirtschaftsmächte aus Asien wie China, Japan und Indien oder südamerikanische Länder wie Brasilien und Argentinien müssten die Messe beleben. Das ist bisher erst spärlich zu spüren.

Die Hersteller zeigen jedes Jahr in der Neuheitenschau ihre Kreativität. Da ist aber nur ein Teil der Innovationen zu sehen. Michael Radau, Vorstand des Filialisten SuperBioMarkt, sieht bei den Sortimenten einen anhaltenden Trend zu vegan. Regional wird verstärkt ausgelobt wie bei Saft aus heimischen Früchten. Der Bio-Supermarkt-Betreiber konstatiert auch eine steigende Flop-Rate. Er führt das auf  die größeren Sortimente zurück: „Vor ein paar Jahren standen 3.000 Artikel in einem Bio-Supermarkt. Die fanden alle einen Käufer. Heute hat ein Bio-Supermarkt 8.000 Produkte. Da gibt es dann Ladenhüter.“

Bionade präsentierte eine Cola, wie bereits im Vorfeld erwartet wurde. Sie unterscheidet sich durch wenig Zucker positiv von den konventionellen Vorbildern. Cola ist inzwischen zu einem Muss bei Herstellern von Bio-Erfrischungsgetränken geworden. Bei den Getränken werden verstärkt Portionspackungen für die Pause und für unterwegs sichtbar. Höllinger aus Österreich und Jakoby aus Baden-Württemberg bieten hier Kleinverpackungen mit Alternativen zum Glas an.

In der Bio-Fleischbranche wird das Tierwohl diskutiert. So steigt Naturland in die Ebermast ein. Bahnbrechende Produkt-Neuheiten gibt es keine. Die Auslobungen lactose- und glutenfrei werden verstärkt genutzt. Die Bio-Metzgerei Bühler kooperiert mit VoodooFood und bietet als Neuheit Wurst und marinierte Steaks mit afrikanischen Gewürzen an. 

VoodooFood, in Deutschland ansässig, hat eine Bio-Schokosoße für Bio-Großverbraucher entwickelt und bringst sie nun auch im Endverbraucher-Gebinde.

Die Bio-Molkereien entwickeln sich mehr und mehr zu Markenartiklern. Söbbeke hat sich zum 25jährigen Bestehen als Söbbeke Pauls Biomolkerei präsentiert. Der neue Auftritt ist plakativer und zeitgemäßer. So gewinnt die Marke auch im Supermarkt-Regal an Wiedererkennbarkeit, wie Vertriebsleiter Klaus Frericks mitteilt. Scheitz tritt jetzt nur noch mit der Marke Andechser Natur auf. Andechser Bio wird nicht mehr genutzt. Der Wechsel zur Ein-Marken-Strategie ist vollzogen.

Die Milchwerke Berchtesgadener Land verstärken ihr soziales Engagement und setzen fairen Roh-Rohrzucker ein, der von dwp aus Ravensburg geliefert wird. Erzeugt und hergestellt wird er in Paraguay. Der Zucker wird zum Beispiel in der neuen Bio-Schokomilch verwendet. 

Sarah Wiener stellte ihre kulinarische Lebensmittelmarke mit Aufstrichen, Würzpasten, Krachflocken-Müsli, Kaffe und Tee vor. Traditionelle und regionale, biologische Rohstoffe werden verarbeitet. Regional heißt dabei nicht aus Berlin-Brandenburg, wo die Köchin lebt und arbeitet. Die Kichererbsen kommen von Sekem aus Ägypten. Die Kea-Pflaumen für den Fruchtaufstrich Cornitüre wachsen nur in Cornwall in England.

Am Donnerstag und Freitag herrscht die höchste Besucherdichte. „Einige unserer Kunden haben wir zu Gesprächen getroffen. Mögliche neue Kunden kamen nur wenige. Wir können uns hier präsentieren und haben die Messe genutzt, um die Clubsorte Evelina vorzustellen“, erklärte Werner Castiglioni von Apfellieferant Bio-Südtirol. Der Bio-Spezialist ist exportorientiert und europaweit auf dem Markt.

Am tunesischen Gemeinschaftsstand war die Resonanz unterschiedlich. „Einige hatten gute Kontakte, die zu neuen Geschäften führen können“, erklärte Souad Mami von der Deutsch-Tunesischen Handelskammer.

Dieses Jahr war Rumänien Land des Jahres. Agrar-Staatssekretär Robert Kloos hob das bei der Eröffnung hervor. Ministerin Ilse Aigner war, wie jedes Jahr, verhindert. 24.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in dem  EU-Land. 2009 gingen 20 Prozent der rumänischen Bio-Weizen-, 94 Prozent der Bio-Körnermais- und 69 Prozent der Bio-Soja-Exporte nach Deutschland. Rumänien ist bereits wichtiger Bio-Futtermittel und Bio-Getreidelieferant für den deutschen Markt.

Auch die Politik nutzt die Bühne BioFach. Agrarministerin Ilse Aigner unternahm einen Rundgang über die Messe. Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast weilte in Nürnberg. Sie war unter anderem zu Gast auf dem Bioland-Stand, traf sich auf dem Mestemacher-Stand zu einem Fachgespräch (Livestream: http://www.mestemacher.de/medien-center/podcasts/2013/biofach) mit Ulrike Detmers, Mitglied der Geschäftsführung. Beim Abend-Dinner, zu dem traditionell die Triodis-Bank und Volkert Engelsman von Eosta aus Rotterdam einen kleinen Kreis von Biofachhleuten einladen, erntete die ehemalige Landbauministerin viel Beifall für ihre Ausführungen zur Ernährungswende. Der bioPress-Stand empfing die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken und ihren Staatssekretär Thomas Griese, der sich zusammen mit Herausgeber Erich Margrander und Dr. Franz Ehrnsperger von Neumarkter Lammsbräu in der Jury des alternativen Gesundheitspreises der BKK advita engagiert. Ministerialdirektor Wolfgang Reimer vom baden-württembergischen Agrarministerium kam zu informellen Gesprächen auf den bioPress-Stand.

Die BioFach ist auch eine große Informationsdrehscheibe. 7.500 Teilnehmer in mehr als 180 Einzelveranstaltungen zählte der BioFach und Vivaness Kongress 2013. Das sind rund 40 Zuhörer pro Vortrag. Bereits zum dritten Mal rücken BÖLW und IFOAM gemeinsam mit der BioFach ein aktuelles Thema in den Fokus: Gemeinsame Werte. Handeln für die Zukunft. Der Kongressschwerpunkt überzeugte mit insgesamt 20 Vorträgen 1.088 interessierte Zuhörer und Mitdiskutanten. Am besten besucht war die Diskussion Gemeinwohl-Ökonomie: Kooperation statt Konkurrenz mit 141 Teilnehmern.

Fairtrade und Regionalität wurden in zahlreichen Veranstaltungen diskutiert. Bei Regionalität ringt die Bio-Lebensmittelwirtschaft noch um Definitionen. Das Thema ist noch unklar. Das nächste Mal trifft sich die internationale Bio-Branche vom 12. bis 15. Februar 2014 in Nürnberg.

AG

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