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Kommentar zur Stellungnahme von Alnatura zum „fairen Milchpreis“

Presseinformation BNN-EH Milchpreis Alnatura

Fairness gegen die eigenen Erzeuger ist ein guter Slogan. Wo beginnt diese Fairness, wo hört sie auf? Haben die Milch-Bauern der Mitbewerber nicht auch Fairness verdient, oder sogar die Mitbewerber selbst?

Alnatura hat genügend Kapital, um Kampfpreise anzusagen. Dies hat die eigenen Erzeuger und die Erzeuger der Mitbewerber an den Rand der Existenz getrieben. Alnatura nennt sich da zu Recht Branchenführer, allerdings auf dem Weg nach unten. Es kann nicht durchgehen, dass jetzt der erste Schritt in die richtige Richtung vom Verbraucher gefeiert werden soll, und das stetige Engagement des Fachhandels, der den Milchpreis in seinem Verantwortungsbereich vor dem Absturz bewahrt hat, ist keiner Erwähnung wert.

Alnatura begründet die Vereinnahmung der Hälfte der Preiserhöhung damit, die eigenen Kosten seien nicht gedeckt gewesen. Also wurde die Milch zum Schaden aller mit einem falschen Preis verkauft.

Damit sagt Alnatura selbst, wie wichtig Ihnen bisher Fairness war, denn übersetzt heißt das: Der Preisdumping bewirkt, dass pro Jahr in Deutschland Millionen Liter Milch zu billig angeboten werden. Ein Beispiel: Werden 40 Millionen Liter 4 Jahre lang 20 Ct zu billig angeboten, kommt ein Schaden von 32 Millionen Euro zusammen. Da nehmen sich 160 Tsd. Euro pro Jahr sehr bescheiden aus.

Alnatura und alle anderen, die einen Preisführeranspruch in der Branche haben, sollten den Preis von Quark, Sahne, Joghurt und Milch dort ansetzen, wo alle Glieder der Wertschöpfungskette eine Kostendeckung haben. Der Fachhandel würde sofort nachziehen.

„Fairer Handel“ ist ein Begriff, der schnell mal für einen Werbegag eingespannt werden kann, falls keiner genau hinsieht. Verena J. schreibt dazu in einem Leserbrief an das Bio-Markt-Info, sie sei zunächst begeistert gewesen, aber bei näherem Hinsehen sei ihr die Lust vergangen. Verbraucher wenden sich auf Dauer ab, wenn die Informationen nicht aufrichtig sind.

Auch in der Antwort auf die Kritik an der Aktion rechnet Alnatura ungenau zu ihren Gunsten: der Mehrwertsteuerbetrag wird mit 7,5 Ct angegeben, es sind aber nur 6,9 Ct, also noch einmal 0,6 Ct mehr für Alnatura. Die selbsternannten Branchenführer sollten ihre Verantwortung etwas ernster nehmen, die Lage ist zu kritisch. Wenn es nicht gelingt, die Erzeuger kostendeckend zu bezahlen, dann werden wir in Kürze nicht nur Sonnenblumenkerne, sondern auch Quark und Joghurt aus China beziehen.

Kommentar von Jürgen Blaas und Harald Wurm

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