Bayrische Biobauern auf dem Abstellgleis
Stoiber führt zwar regionale Produktion und Bioanbau im Mund, politisch macht aber er das Gegenteil
Bio ist in aller Munde, nicht nur verbal, auch im Einkaufskorb finden sich zunehmend Lebensmittel aus ökologischem Landbau. Immer mehr Politiker empfehlen biologische Lebensmittel aus der Region. Der Biomarkt boomt mit zweistelligen Zuwachsraten. Damit scheinen die Weichen für eine natürliche Ernährung auf Grün gestellt. Ideale Voraussetzungen also für ein gesundes Wachstum und eine positive Entwicklung des ökologischen Landbaus in Bayern. Wäre da nicht die bayrische Politik, die den ökologischen Landbau und damit die bayrischen Biobauern vom europäischen "Biozug" abgehängt hat.
Im Durchschnitt erhalten die bayrischen Bauern etwa 20% weniger Unterstützung für die kommenden fünf Jahre aus dem bayrischen Kulturlandschaftsprogramm (KuLaP). Unterstützung für zusätzliche Aufwendungen und Erschwernisse wie der Verzicht auf Düngemittel oder die Bewirtschaftung schwer zu bearbeitender Flächen. Arbeiten die der Kulturlandschaft, der Umwelt und nicht zuletzt regionalen Wirtschaftskreisläufen zu gute kommen. Besonders schwer trifft es die bayrischen Biobauern, die ab 2007 mit bis zu 40 % weniger Geld pro Hektar zu rechnen haben. "Sollten diese Kürzungen nicht zurückgenommen werden, stehen viele kleine, bäuerliche Familienbetriebe und besonders die Biobauern vor dem Aus. Außerdem wird die Umstellung auf ökologischen Landbau gerade in Bayern damit erheblich erschwert", so Sepp Brunnbauer, Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbandes Biokreis e.V.
Einen finanziellen Anreiz bzw. einen Ausgleich für die ökologischen Leistungen wird es nicht geben. Die Politik ist der Ansicht, der ökologische Landbau in Bayern müsse sich vom Markt her entwickeln. Ein Trugschluss, wie wir an den aktuellen Entwicklungen erkennen können. In einem globalisierten Markt entwickeln sich Strukturen eben dort, wo die politischen Rahmenbedingungen eine Entwicklung zulassen.
Ein Blick in unser Nachbarland Österreich zeigt, es geht auch anders. So hat die Alpenrepublik die von Stoiber nach der BSE-Krise in 2001 geforderten 10% Öko-Bauern bereits und ist mit 13,5% ökologisch bearbeiteter Fläche in einer europäischen Spitzenposition. Darüber hinaus haben sich die österreichischen Politiker durch Verhandlungsgeschick beim EU-Gipfel die Mittel gesichert, die für eine Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus nötig sind. Nicht zuletzt deswegen kommen viele Biolebensmittel, die in Bayern gegessen werden vom österreichischen Nachbarn. Denn 5 Jahre nach Stoibers vollmundiger Ankündigung wirtschaften in Bayern gerade mal 3,7% der Betriebe auf 4,4% der Fläche nach ökologischen Kriterien.
"Auch in Bayern wäre es möglich gewesen den ökologischen Landbau auf die vom bayrischen Ministerpräsidenten geforderten 10 % zu steigern, vorausgesetzt die politischen Rahmenbedingungen passen. Das Gegenteil ist leider passiert - diejenigen Programmteile im KuLaP mit den wenigsten Mitnahmeeffekten wurden am stärksten eingekürzt. Das politische Signal ist bei allen bayrischen Biobauern und Bäuerinnen angekommen" so Sepp Brunnbauer vom Biokreis







