Messe für Fairen Handel in Dortmund
Fairtrade Organisationen und Aussteller waren zufrieden
Im September zeigte die Branche auf der dritten FA!R2012 Verbrauchern, Einkäufern und Gastronomen die Vielfalt des Fairen Handels. Zwar wirkte die Halle recht leer, doch zeigten sich das Eine Welt Netz NRW und die Messe Westfalenhallen Dortmund als Veranstalter bei rund 3.200 Besuchern (plus 28 Prozent gegenüber 2011) durchaus zufrieden mit dem Erfolg.
Zu den 121 Ausstellern aus 16 Ländern gehörten Organisationen wie Trans Fair, Fair Wear und diesmal auch Naturland, sowie Faire Geldanlagen oder Reiseveranstalter. Daneben gab es vor allem Textilien, Accessoires und Kunsthandwerk zu sehen.
Über Neuheiten im Bereich Lebensmittel konnten sich die Besucher unter anderem bei den bekannten Handelsorganisationen sowie bei Ethiquable Deutschland informieren. Beispielsweise stellte die Gepa neben den erfolgreichen Ursprungskaffees erstmalig ihre Naturland-fair gesiegelten Schokoriegel und die aktuelle Honig-Linie vor.
Viel Aufmerksamkeit weckte dabei das neue Design der Verpackungen, die anstelle des Fairtrade-Siegels das eigene fair+ Markenzeichen tragen. Trotzdem seien die Produkte weiterhin nach den Kriterien von Fairtrade International zertifiziert, hieß es dazu bei der Gepa. Und auf Fruchtgummis, den preiswerten Großpackungen und einigen anderen Einsteigerprodukten werde das Siegel auch erhalten bleiben.
Ebenfalls gut besucht waren die Stände von dwp und El Puente, deren Angebote allerdings den Weltläden vorbehalten sind. Bei Ethiquable Deutschland konnten unter anderem Schokolade, Tee und Kaffee bestellt werden.
Diese bilden den Hauptteil eines rund 45 Produkte umfassenden Sortiments, mit dem das junge Unternehmen bislang primär an den SEH und Reformhäuser beliefert. Snackprodukte, Olivenöl oder Aufstriche ergänzen das Angebot, das komplett bio & fair ist und von kleinbäuerlichen Erzeugern stammt.
Das breitgefächerte Programm wurde mit Modenshows, Produktpräsentationen und der Verleihung des FA!R-Handelspreises abgerundet. Ausgezeichnet wurden hier in der Kategorie Weltläden das Laden-Café aha aus Dresden, in der Kategorie Lebensmitteleinzelhandel Organix Biomarkt aus Stuttgart, in der Kategorie Textileinzelhandel Native Souls aus Bochum und mit dem Sonderpreis der Jury REWE Aupperle aus Fellbach.
Fachforen mit hochkarätigen Rednern
Bei den Vorträgen, die einen breiten Raum einnahmen, ging es zum Beispiel um die Frage, ob die Agrarpreise den Hunger antreiben. Außerdem waren die Unterschiede zwischen den vielen fair-Siegeln Thema, oder es wurde eine aktuelle Studie zur Armutsminderung im ländlichen Raum durch fairen Handel vorgestellt.
Unter dem Titel 20 Jahre Fairtrade Deutschland – zwischen Markt und politischem Auftrag, zogen Norbert Dreßen, Misereor, Dieter Overath, Fairtrade Deutschland, Georg Abel, Verbraucherzentrale und Heinz-Bert Zander, Aufsichtsratsvorsitzender der REWE-Group Bilanz und diskutierten zugleich über die Zukunft:
Die Erhebungen zum ersten Halbjahr 2012 mit einem erneuten Plus von 35 Prozent sprächen klar für eine Fortsetzung des geschäftlichen Erfolgs, sagte Overath. Jetzt gelte es, die Nord-Süd-Einbahnstraße konsequent in eine bilaterale Beziehung umzugestalten. Zugleich verwies er auf die Aufgabe, weitere Big Player als Abnehmer zu gewinnen.
Ähnlich auch der Tenor der anderen Redner: Man sei auf dem richtigen Weg, aber noch längst nicht am Ziel. So nannte Zander die Nachhaltigkeitsinitiative der REWE als eine gute, aber durchaus verbesserungsfähige Möglichkeit, um den Fairtrade-Ansatz der direkten Hilfe zu unterstützen. Daher würden sie derzeit prüfen, ob sie nicht weitere Bio-Marken zusätzlich aus fairem Handel beziehen könnten.
Abel verwies hier auf die gestiegene Kaufbereitschaft der Verbraucher für nachhaltige und sozial gerechte Produkte. Dabei leisteten die vielen Gelegenheitskäufer einen nicht zu unterschätzenden Beitrag. Es sei „noch Luft nach oben“. Wie in diesem Punkt sahen die Redner immer wieder Parallelen zur Entwicklung des Biomarktes: Nach Meinung von Abel etwa, brauche es sowohl gute Nischenanbieter, sprich Weltläden, als auch Marken-Anbieter.
Um in Zukunft zu bestehen, müssten sich erstere jedoch von Ehrenamtlichenstuben zu modernen Geschäftsunternehmen entwickeln und Displays, Newsletter und ähnliche Kommunikationskanäle nutzen. Zander ergänzte, das Angebot durch den konventionellen Handel sei wichtig, weil dort viele Verbraucher erreicht würden und diese sich im gesamten Angebot frei entscheiden könnten.
Um die Bekanntheit des Fairen Handels zu steigern, müsste sich der Handel aber auch intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und damit seine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen. Das gelte genauso für den Einsatz fairer Produkte in staatlichen, kommunalen und kirchlichen Einrichtungen, warf Dreßen ein.
Entscheidung und Umsetzung lägen oft auseinander, weil die fachliche Umsetzung nicht organisiert sei. Laut Overath schließlich, würde eine verbesserte Logistik in den Ursprungsländern automatisch die Angebotsmenge erhöhen. Hier könnte der Handel schon an der Basis aktiv werden.
Bettina Pabel







