Sapnien
Originale aus Spanien
Kleine aber feine Export-Messe lockt mit biologischen Delikatessen
Die vierte España Original, die spanischen Messe für Qualitätslebensmittel, hatte erstmals eine eigene Bio-Halle. Die Fachmesse für den Export in Ciudad Real 200 Kilometer südlich vom Madrid, ist auf den Export ausgerichtet. Auch in Bio gab es dort für die Einkäufer einiges zu entdecken. Neue Bio-Hersteller wagen hier den Sprung auf den Markt. Die spanischen Hersteller sind gerade dabei, Bio zu entdecken.
Servicepersonal beim Herrichten der Häppchen für das Verkostungsareal.
„Die España Original ist ein Motor für das Generieren von Handel“, kommentierte Messe-Präsident Nemesio de Lara. Die dreitägige Messe in der zweiten Maiwoche beherbergte in fünf Hallen 563 Aussteller. Ciudad Real liegt in der Region Mancha, der Heimat Don Quijote, der Roman-Figur des Dichters Servantes. Sein Pferd Rosinante gibt einem Manchego den Namen. Neben Manchego, Schafskäse mit geschütztem Ursprung aus der Provinz Mancha, entsteht in Spanien reichlich Bio-Olivenöl, -Käse, -Schinken, -Wurst, -Algen-, -Honig, Kartoffelchips, Pistazien und mehr.
Dominierendes Bio-Produkt auf der Messe in Ciudad Real war nach der Zahl der Aussteller Olivenöl. Spanien, ein weites Land bepflanzt mit Oliven-Bäumen, produziert preiswerte Massenware im PET für den breiten Markt. Auf der España Original werden Bio-Olivenöle von Mühlen oder Erzeugergemeinschaften mit eigener Verarbeitung präsentiert. Der Markt für feine Olivenöle, dazu noch in Bio-Qualität, ist begrenzt im eigenen Land. Deshalb streben die Bio-Olivenöl-Vermarkter ins Ausland.

(v. li. n. re.) Bio-Großhändler Astrid Groß und Gerald Barkte mit Maria Moya, die für die spanische Handelskammer die Gäste aus Deutschland betreute. Bio-Feinkost-Großhändler Gerald Bartke aus Regelsbach in Bayern hielt auf der Messe Ausschau nach neuen Produkten und wurde auch fündig. Hier trifft der Bio-Großhändler seine Manchego-Produzentin, Concha Garcia von der Finca Fuentillezjos.
Spezialität Bio-Manchego
Die Finca Fuentillezjos ist die einzige Käserei, die Bio-Manchego herstellt. Die Familie Garcia widmet sich seit zehn Jahren auf 330 Hektar der Bio-Landwirtschaft und hält 1.800 Manchego-Schafe. Nur einen Liter Milch geben sie pro Tag. Die heutigen Milchschafe bringen täglich fünf Liter. Für Manchego ist Milch der heimischen Schafrasse vorgeschrieben, sonst würde sie aussterben.
Der Bio-Manchego wird in Zwei-Kilo und Ein-Kilo-Formen gefüllt und mindestens drei Monate gereift.

Die Finca La Nava von Jose Carmona erstreckt sich über 150 Hektar auf der Gemarkung der Stadt Daimel in der Mancha. Kartoffeln, Zwiebeln und Getreide baut Agraringenieur Carmona nach den Bio-Vorschriften an. 50 Tonnen der Kartoffeln lässt er zu Chips verarbeiten. Das ergibt rund zwölf Tonnen Kartoffelchips. Das besondere an den Chips: Sie werden in Bio-Olivenöl extra nativ frittiert statt dem üblichen preiswerteren Sonnenblumenöl. Ein Labortest ergab, dass die Chips die identischen Ölsäure-Gehalte aufweisen wie das verwendete Bio-Olivenöl. „Mit meinen Chips isst der Kunde Olivenöl“, bringt er es auf den Punkt.

Kartoffelproduzent Jose Carmona will noch weitere Qualitätsverbesserungen seiner Chips. Er stellt um auf Demeter. Die Chips gibt es in den Sorten gesalzen und Manchego. Zudem geht Carmona sparsam mit Salz um. 15 Prozent der üblichen Menge gibt er zu. Carmona ist Landwirt, nicht Marketing-Manager, der eine Zielgruppe definiert und das passende Produkt entwickelt. Carmona macht ein Produkt, das ihn selbst überzeugt, und sucht seine Fans. Der Supermarkt Bio-Lüske in Berlin zählt dazu. Der Händler bestellt regelmäßig eine Palette, wollte auch schon zwei. Das ging nicht, weil die Kartoffel-Menge der Finca La Nava nicht gereicht hat.
1.600jährige Oliven-Tradition
La Flor de La Alpujarra aus dem Sierra Nevada Nationalpark hat sich dem Olivenöl verschrieben. Auf der Messe präsentierte sich die Genossenschaft den internationalen Einkäufern. Die kleinen Bauernhöfe werden durch ein Kanalsystem aus maurischer Zeit aus der Sierra Nevada bewässert. Die Olivenbäume haben teils eine 1.600jährige Geschichte. Die Genossenschaft dagegen ist erst sechs Jahre alt. Der Frauenanteil in der Genossenschaft beträgt 43 Prozent ohne Frauenquote. Seit drei Jahren betreiben die Bäuerinnen eine eigene Ölmühle. Die heimische Sorte Picual wird hier in der Hauptsache bei 27 Grad gepresst, Gefiltert wird das Öl nicht, sondern dekantiert. Das Öl bleibt im Edelstahl-Tank bis sich die Trübstoffe abgesetzt haben. Der Ladenverkaufspeis für 0,5 Liter der Mark Benizalte liegt bei acht bis neun Euro. Abgefüllt wird in 0,5- und Ein-Liter-Glasflaschen und in Blechkanister von 0,25- bis fünf Liter.

Antonio Benitez Mendoza und Marco Caballero Prado Ol extra vergin aus Cordoba widmet sich dem Kulturgut Olivenöl. Edle Lichtschutz-Flaschen mit extralangem Hals gefallen durch eine minimalistische edle Etiketten-Gestaltung. Bei der Espana orignal fällt der Blick unweigerlich auf den Stand von Antonio Benitez und Marco Caballero Prado. Ein Bio-Olivenöl namens Ol Premium enthält ihr Sortiment. Die Oliven stammen aus dem andalusischen Nationalpark. Das Unternehmen ist seit Anfang 2012 biozertifiziert.
„Wir haben den Fokus auf den internationalen Markt gerichtet. Mit 15.000 Flaschen zu 0,5 Liter ist die Menge begrenzt“, verdeutlicht Antonio Benitez Mendoza. Die spätreifende Sorte Hojiblanca mit geringem Ertrag wird für das Ol Premium gepresst. Der Endverbraucherpreis beträgt 18 bis 20 Euro. Spitzen-Restaurants und Feinkost-Geschäfte sind die Zielgruppe.
Bio-Pistazien in vielen Varianten
„Ich liebe die BioFach und Nürnberg“, verrät Rafael Fernandez-Flores von Pistachos de la Mancha. Seine zweite Liebe sind die Pistazien oder besser Bio-Pistazien. Dieses Jahr nach der Ernte stellt er auf Demeter um. „Es wird nicht einfach sein. Aber es ist keine unmögliche Mission“, strahlt er. Er ist mit den Bio-Pistazien auf den internationalen Markt ausgerichtet und hat einen deutschen Importeur. „Pistazien mit Salz kennt jeder. Das ist das Hauptprodukt“, bemerkt Fernandez-Flores. Die gerösteten Pistazien gibt es auch ohne Salz. Geschälte, gebrannte, schokolierte Pistazien und Pistazien-Mehl führt Pistachos de la Mancha im breiten Spezial-Sortiment. Das Mehl dient als Zutat für Eis, Aufstriche und Backwaren. Kaltgepresstes Pistazien-Öl ist eine weitere Spezialität des Unternehmens. „In Spanien ist der Markt klein für Bio-Pistazien. Zu 95 Prozent arbeiten wir für den Export“, gibt er zu erkennen. Fernandez-Flores hat die Größe, um Supermärkte bedienen zu können.
Leonardo Nazareno vermarktet Bio-Honig nicht: Er zelebriert ihn. „Ich bin kein Imker. Meine Profession ist das Marketing“, positioniert sich der Mitinhaber des Unternehmens 
Spitzenhonig für Spitzenadressen wie Harrods. Die Farben entsprechen den Jahreszeiten. Im Frühjahr beginnt es mit hellem Gelb. Puremiel aus Cadiz. Mit hohen zylindrischen Gläsern unterscheidet sich das Produkt optisch von den traditionellen Honiggläsern. In den klaren Gläsern nur mit dem Schriftzug Puremiel kommen die Farbtöne des Honigs von hell bis dunkel prächtig zur Geltung. Eine Million Flaschen zu 350 Gramm hat das Unternehmen pro Jahr in Bio-Qualität zur Verfügung. Rund zehn Euro muss der Kunde dafür an der Kasse berappen.
„Unser Geschäft ist der Export. In England, Schweiz und USA sind wir vertreten“, teilt Nazareno mit. Auf den deutschen Markt und in Bio-Supermärkte zieht es Nazareno nicht. „Da möchte ich nicht stehen. Die Präsentation ist nicht prächtig genug für unser Produkt und der Großhandel interessiert sich mehr für den Preis als die Qualität“, gibt er zu erkennen. Das Harrods ist eine Adresse für Puremiel.
Handwerkliche Produkte in Bio-Qualität
Yuntas, Anadalus Organic, ist ein Zusammenschluss kleiner Hersteller. Traditionelle Produkte werden handwerklich auf Delikatessen-Niveau hergestellt. Miguel Gil Alonso, ehemaliger Unternehmensberater, vertritt die Gruppe. Schafs- und Ziegenkäse aus Grazalema in Olivenöl eingelegt oder Schafskäse mit Schweineschmalz eingerieben zählen zu den Spezialitäten von Yuntas. Das Fett konserviert den Käse.
Schinken von Schweinen aus Eichelmast mit zwei Jahre Weidegang sind im Sortiment. Eine Art Sobrasada, ursprünglich von den Balearen, wird ebenfalls gemacht. Die streichfähige Rohwurst wird mit Wein verfeinert. Selbstverständlich bietet die junge Marke Olivenöl und Speiseoliven. Direktor Alonso hat Yuntas auf der BioFach erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. „Die Marke Yuntas haben wir für den ausländischen Markt konzipiert“, macht Alonso deutlich.
Puerto Muinos aus Galizien im Nordwesten Spaniens ist ein Pionier für Algen. „Unsere Algen sind die einzigen, die aktuell in Europa biozertifiziert sind“, nennt Mitbegründerin Rosa Antel ein Alleinstellungsmerkmal. Noch werden die Meeresalgen von Tauchern geerntet. „Wir gehen aber daran, die Algen zu züchten. Wir möchten auf Dauer der Umwelt nicht schaden“, erklärt Rosa Antel.
Seit 1998 verarbeitet das Unternehmen Algen. „Wir machen Algen essbar. Dazu fügen wir Algen in verschiedene Produkte als Zutat hinzu. Reine Algen mögen die Leute nicht“, erläutert sie. Roibos-Tee, Pesto, Teigwaren, Backmischungen werden mit Algen angereichert. Auf dem spanischen Markt ist das Unternehmen etabliert. „Wir möchten in Zukunft verstärkt ins Ausland“, nennt Antel die Marschrichtung.
Wohl dekorierte Stände, freundliches Standmaterial, informative Produktmappen, gefällige Verpackungen sind gut und schön auf einer Lebensmittel. Auf der España Original präsentierten die Aussteller die Proben außerdem auf langen Tafeln. Viele Servicekräfte richteten permanent neue Proben her und fleißige Hände trugen sie zur Verkostung. Der direkte Vergleich zeigt die Unterschiede zwischen Schinken und Schinken oder Chorizo und Chorizo. Das Angebot kam an: Die Besucher drängten sich in dem Areal, das von elf bis ein Uhr für die Fachleute geöffnet war.
Anton Großkinsky







