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EED fordert Ausweitung des Dumpingverbots auf die Exporteure

Presseinformation des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED)

Der Evangelische-Entwicklungsdienst (EED) begrüßt die politische Initiative von Agrarminister Horst Seehofer und Wirtschaftsminister Michael Glos zur Verschärfung des Verbots von Dumping (und Doping? d. Sätzer) bei Lebensmitteln. Danach sollen Waren von Unternehmen mit großer Marktmacht auf Dauer nicht unter dem Einstandspreis angeboten werden dürfen. Diese Maßnahme soll dazu dienen, den Handel mit verdorbenem Fleisch zu unterbinden.

Der EED verweist darauf, dass es Rabattaktionen, Dumping um Märkte zu erobern und Resteverkauf nicht nur bei den Discountern im europäischen Lebensmittelhandel gibt. Derartige Preiskämpfe führen europäische Exporthändler auch bei der Ausfuhr von Agrarerzeugnissen in Entwicklungsländer. "Das Dumping von Fleisch ungesicherter Qualität auf den Märkten Afrikas ist Normalzustand", so Francisco Mari, Fleischexperte des EED. Deshalb fordert der EED, Fleischexporteure in die geplante Regelung einzubeziehen.

(Bonn, 21.09-06) Seit einiger Zeit beobachtet der EED, wie europäische Händler überschüssige Geflügelfleischteile in Westafrika weit unter den Gestehungskosten in Europa anbieten und dort die Märkte zerstören. In Kamerun zum Beispiel wird das Kilo Hähnchenfleisch aus Europa für 0,62 € angeboten. Dieser Preis liegt noch unterhalb des Preises, zu dem die Schlachtereien in Europa das Lebendhähnchen vom Landwirt einkaufen.

Hinzu kommt das Problem, dass die gefrorene Ware oft nicht sicher ist. Bis die Ware die Verbraucherin erreicht, ist sie oft bereits verdorben.

Neben Fleisch bedrohen auch billige Pflanzenöle, Zwiebeln und Tomatenmark aus Europa die Existenz der afrikanischen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Dies belegt eine vor kurzem veröffentlichte Studie des EED-Partners ACDIC aus Kamerun.

"Die WTO-Regeln gegen Dumping haben sich als stumpfe Waffe für arme Länder erwiesen", so Rudolf Buntzel, Beauftragter des EED für Welternährungsfragen. "Deshalb müssen wir als Exporteure die Verantwortung für einen fairen Handel und sichere Fleischausfuhren übernehmen".

Der EED sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Preisdumping bei Fleisch im Exportgeschäft und der Qualitätsfrage. "Schwer verkäufliche Fleischteile - wozu auch Ware kurz vor oder nach dem Auslaufen des Haltbarkeitsdatums gehört - Schlachtabfälle und Fleischnebenprodukte, werden auf den Märkten der Armen entsorgt", so Mari. "Kein noch so effektiv arbeitender Hühnerproduzent in Afrika, kann gegen diese Art der Importe konkurrieren."

Weitere Informationen:
Pressestelle EED, Birte Detjen, Tel.:0228-8101 2503
Francisco Mari, 0179-4621783

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