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Studenten kooperieren auf europäischer Ebene

2. Internationale Pillnitzer Sommerakademie zur Ökologischen Tierhaltung

Studenten kooperieren auf europäischer Ebene – 2. Internationale Pillnitzer Sommerakademie zur Ökologischen Tierhaltung
Landwirtschaftsstudenten aus Mittel- und Osteuropa bildeten sich vom 03. bis 08. September gemeinsam in Dresden zu Theorie und Praxis des Ökolandbaus fort.
Von Stefan Simon und Dagmar Diener

In Deutschland, wie auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas ist der Biolandbau einer der größten Wachstumszweige im Bereich der Land- und Lebensmittel-wirtschaft. In Polen wuchs beispielsweise die ökologisch bewirtschaftete Fläche letztes Jahr um rund 100 %, und es wurden Ende 2005 knapp 170.000 ha von 7.183 Öko-Landwirten bewirtschaftet. Um diese rasante Entwicklung nachhaltig zu gestalten, braucht es gut ausgebildete junge Landwirte und Agraringenieure. Bisher wird der Ökolandbau in den mittel- und osteuropäischen Ländern an Fach- und Hochschulen jedoch in geringem Umfang gelehrt und auch die praktische Ausbildung in diesem Bereich ist schwach entwickelt. Besonders die ökologische Tierhaltung ist vielerorts gering vertreten.

Aus diesem Grund wurde von EkoConnect e.V. und der Professur für ökologischen Landbau an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden-Pillnitz, die „Internationale Pillnitzer Sommerakademie Ökologische Tierhaltung“ ins Leben gerufen. Dieses Jahr fand sie zum zweiten Mal mit 29 Studierenden aus neun Ländern statt. Die ausländischen Teilnehmer erhielten für ihren Studienaufenthalt Stipendien, die von der Schweisfurth-Stiftung (München) und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit (Warschau) ermöglicht wurden.

Das Programm der Tagung umfasste Vorlesungen von Hochschuldozenten und landwirtschaftlichen Beratern, die sich in Deutschland seit vielen Jahren mit Ökolandbau und Öko-Tierhaltung beschäftigen. Der Hauptfokus lag auf der Milchvieh-, Schweine- und Geflügelproduktionstechnik. Auch Nutztierverhalten, alternative Züchtungsmethoden und Ökolandbaurichtlinien wurden gelehrt. Darüber hinaus besichtigten die Teilnehmer zwei sächsische Bio-Betriebe mit eigener Fleisch- und Milchverarbeitung sowie gut ausgebauter Direktvermarktung. Dort konnten an praktischen Beispielen erlernte Kenntnisse mit den Landwirten diskutiert werden. „Schnell wurde den Studierenden klar, dass das theoretische Wissen im Bereich der Tierproduktion nicht ausreichend ist, um einen Betrieb zu führen oder den Ökolandbau im eigenen Land zu fördern.“ sagt der Agrarwissenschaftler Stefan Simon von EkoConnect e.V., der die Sommerakademie zusammen mit Prof. Dr. Knut Schmidtke, Stiftungsprofessor für Ökologischen Landbau an der HTW Dresden, organisierte. „Es war uns wichtig, dass die Studierenden ihr erlerntes Wissen reflektieren, miteinander weiterentwickeln und verknüpfen.“ Daher nutzten die Teilnehmer in Gruppenarbeiten und Diskussionen die Möglichkeit, beispielhaft Projekte im Ökolandbau umzusetzen, wie die Umstellung eines Betriebes von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft oder gesellschaftliche Einflussnahmemöglichkeiten und Ansätze für die Förderung des Ökolandbaus.

„Die Resonanz auf diese Gruppenarbeiten war größer als erwartet“ resümiert Simon, „wir hätten nicht gedacht, dass so viel Interesse und Eigeninitiative von den Studenten ausgeht. Alle haben den Wunsch, in ihren Ländern eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft zu entwickeln.“ Projektarbeit soll daher im nächsten Jahr noch stärker im Programm berücksichtigt werden.

Die Zukunftspläne der teilnehmenden Studenten sind sehr verschieden. So planen einige nach ihrem Studium in der Praxis zu arbeiten, die eigenen Familienbetriebe umzustellen und Direktvermarktung mit ländlichem Tourismus zu verbinden: „Dieser Kurs konnte mir viel neues Wissen vermitteln, um meinen eigenen Betrieb in Polen aufzubauen“ sagte eine Teilnehmerin. Andere möchten in der Agrarverwaltung oder in Verbänden arbeiten. „Beides ist für die Entwicklung des Öko-Landbaus gleichermaßen notwenig“ stellten die Studierenden in den Arbeitsgruppen „Lobbyarbeit“ fest. Themen von Verbraucheraufklärung auf dem Wochenmarkt, in Kindergärten und Schulen, bis hin zur politischen Lobbyarbeit bei Ministerien und Behörden wurden dort diskutiert.

„Die Studierenden haben gesehen, dass der Ökolandbau ein sehr komplexes System ist und sie haben erkannt, dass sie selbst auf verschiedenen Ebenen einen wichtigen Unterschied bewirken können“, beschreibt Stefan Simon die Effekte der Sommerakademie.

Die zu Beginn der Tagung von einigen wenigen Teilnehmern geäußerte kritische Haltung dem ökologischen Landbau gegenüber konnte mit dem Kurs relativiert werden. Ein 24-jähriger, anfangs kritischer Student aus Polen fasste dies in der Schlussrunde für sich so zusammen: „Nun weiß ich, dass es funktioniert und zukunftsträchtig ist. Jetzt bin ich ein starker Befürworter des Ökolandbaus und will das Wissen in meinem Land verbreiten! “

Die Studenten aus Deutschland, Estland, Litauen, Pakistan, Polen, Serbien, der Slowakei, Tschechien und Weißrussland waren sich einig: Bei der Entwicklung es Ökolandbaus in den eigenen Ländern, steht weniger die Wettbewerbskraft gegenüber den Nachbarstaaten als vielmehr die nachhaltige Entwicklung eines stabilen Öko-Sektors in der Landwirtschaft im eigenen Land im Vordergrund. Dabei ist eine internationale Zusammenarbeit wichtig und kann die Vernetzung von jungen und engagierten Biolandwirten, Beratern und Dozenten zu einem europäischen Netz sehr hilfreich sein. Die Sommerakademie zur Öko-Tierhaltung war dazu ein gelungenes Beispiel und ein wichtiger Mosaikstein.

Weitere Informationen über die Pillnitzer Sommerakademie finden Sie auch unter http://ekoconnect.org/projekte_pillnitzer_sommerakademie.html oder wenden Sie sich gerne persönlich an die Organisatoren:
Herrn Prof. Dr. Knut Schmidtke, Stiftungsprofessur Ökologischer Landbau der HTW Dresden, Tel. 0351/ 462 3017, E-Mail: schmidtk@pillnitz.htw-dresden.de oder
Herrn Stefan Simon, EkoConnect, Tel. 0351/ 456 8038, Mobil: 0175/ 27 23 494, E-Mail: stefan.simon@ekoconnect.org

Informationen zu EkoConnect e.V.:
EkoConnect – Internationales Zentrum für den ökologischen Landbau Mittel- und Osteuropas e. V. ist eine gemeinnützige Nonprofit-Organisation, gegründet Mitte 2003 mit Sitz in Dresden. EkoConnect engagiert sich für den Austausch von Informationen, Wissen und Erfahrungen und die Begegnung zwischen Menschen und ihren Organisationen auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus. Die für viele Akteure in Ost und West entstehenden Fragen zum ökologischen Landbau werden gebündelt beantwortet und ein zentraler Informationspool geschaffen. Daneben hat EkoConnect seine Kernkompetenz in der Vernetzung der bestehenden Aktivitäten im ökologischen Landbau und arbeitet dazu mit privaten und öffentlichen Einrichtungen in Ost- und Westeuropa zusammen.

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