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Ausmaß des Bio-Betrugs geringer

17.000 statt 700.000 Tonnen Ware soll gefälscht worden sein

Das Ausmaß des Bio-Betrugs in Italien ist offenbar geringer als bisher angenommen. Nach Angaben des italienischen Herstellerverbands AssoBio haben die Verdächtigen in den Jahren 2007 und 2008 rund 17.000 Tonnen Bio-Ware mit gefälschten Zertifikaten gehandelt. Zuerst war von 700.000 Tonnen die Rede gewesen. Rund 500 Tonnen davon sollen als Futtermittel nach Deutschland gelangt sein. „Nach diesen Meldungen wäre derzeit davon auszugehen, dass der Betrugsfall nicht das Ausmaß hat, von dem ursprünglich ausgegangen wurde“, erklärte BÖLW-Geschäftsführer Alexander Gerber. Die italienische Polizei hat Anfang Dezember mehrere Personen wegen des Verdachts auf  Bio-Betrug festgenommen.

Die Verdächtigen bildeten eine kriminelle Vereinigung mit mehreren Unternehmen. Die gefälschte Bio-Ware ist innerhalb des Firmennetzes einige Male verkauft worden, um die Rückverfolgbarkeit zu erschweren. Ein Großteil dieser Unternehmen ist in Deutschland unbekannt. Daher liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Briefkastenfirmen gehandelt hat. Sunny Land, mit einem gewissen Bekanntheitsgrad, lieferte die Ware in der Regel aus.

Die Betrüger in Italien fälschten angeblich Zertifikate, unter anderem der rumänischen Kontrollstelle S.C. QC&I Romania, mit der sie den Käufern die Echtheit vorspiegelten. „Nachdrücklich muss darauf hingewiesen werden, dass die rumänische Kontrollstelle von QC&I damit selbst Opfer der Fälschungen geworden ist“, teilte QC&I mit Sitz in Köln mit.

In Deutschland wird von den Landesbehörden derzeit geprüft, ob falsche Bio-Ware nach Deutschland gelangt ist. Bisher liegen keine Meldungen vor, ob die Kontrolleure fündig wurden. Die Ermittlungen sind aber nach Auskunft der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung noch nicht abgeschlossen. „Wir können sagen, dass Bioland Partner im Rahmen von Bioland zugelassener Lieferungen nicht betroffen sind,“ erklärte Präsident Jan Plagge.

Die seriösen italienischen Bio-Unternehmen leiden mit. Der deutsche Handel reagiert übernervös. Zum Teil werden Bestätigungen verlangt, dass die Ware nicht aus Italien stammt. Ein deutscher Filialist hat die Ware eines seriösen italienischen Bio-Anbieters gesperrt und ihn anschließend ausgelistet, ohne dass es irgend eine Unregelmäßigkeit gab. 

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