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Bio-Kontrolle verbessern

Zertifizierungsstellen nach einheitlichen Standards überwachen

Biolebensmittel müssen besser kontrolliert werden. Das fordern Wissenschafter der Universität Hohenheim anlässlich des Skandals um fälschlich als Bioware deklarierter Produkte in Italien. Zu den Verdächtigen in dem Betrugsfall gehörten auch Verantwortliche einer Zertifizierungsstelle, wie das Agrarische Informationszentrum meldet.

„Die Überwachung dieser Stellen gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des Systems und muss dringend verbessert werden“, betont Professor Stephan Dabbert. Unter seiner Leitung hatte sich die Universität Hohenheim an dem EU-Forschungsprojekt CERTCOST beteiligt. Im Rahmen des Projektes untersuchten Wissenschafter aus fünf EU-Mitgliedstaaten sowie aus der Schweiz und der Türkei drei Jahre lang das europäische Öko-Kontrollsystem. Auf Basis der Studie haben sie einen Sechs-Punkte-Plan für notwendige Verbesserungen entwickelt.

Wichtigster Punkt ist eine einheitliche Überwachung der Kontrollstellen. Bisher gibt es in der EU keine Standards für die Ahndung von Verstößen und keinen einheitlichen Sanktionskatalog. Das Überwachungsniveau ist daher zwischen den Mitgliedstaaten nicht vergleichbar. Darüber hinaus fordern die Wissenschafter mehr risikoorientierte Kontrollen. Auch sollten die Mitgliedstaaten überprüfen, ob die Aufgabenverteilung und Zusammenarbeit der verschiedenen staatlichen und privaten Kontrollinstitutionen verbessert werden kann.

Für die Zukunft sollte die Gemeinschaft sich ein europäisches Forum zum regelmäßigen Austausch über die Durchführung der Öko-Kontrollverordnungen aufbauen. Beteiligte der Biobranche sollen besser informiert werden über die Anforderungen des Kontrollsystems. Kritisch bewerten die Forscher das neue EU-Ökosiegel, das kaum bekannt sei. Die erfolgreichen nationalen Zeichen sollten deshalb so lange weiter verwendet werden, bis es gelungen ist, für das neue EU-Siegel ein vergleichbares Verbrauchervertrauen aufzubauen.

Der Obmann der österreichischen Dachorganisation Bio Austria, Rudi Vierbauch, ist empört über die Bio-Lebensmittelfälschung: „Das betrügerische Verhalten Einzelner gefährdet die Glaubwürdigkeit des gesamten Bio-Marktes und fügt all jenen Schaden zu, die sich mit viel Engagement und Ehrlichkeit der Produktion hochwertiger und nachhaltig produzierter Bio-Lebensmittel verschrieben haben“.

Er fordert eine chargenbezogene Zertifizierung inEuropa, um keinerlei Spielraum für kriminelle Machenschaften zu lassen. Bio Austria hat diese Zertifizierung bereits in seinem Qualitätssicherungs-System integriert. „Unsere Zertifikate werden nur für 100% reine Chargen ausgestellt“, betont Vierbauch.

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