GOTS von US Regierung offiziell als Biotextilstandard anerkannt
Reutlingen, Deutschland (Juni 2011) | Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) begrüßt das Memorandum des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (U.S. Department of Agriculture) vom 20. Mai 2011 zur Anerkennung des Global Organic Textile Standards (GOTS) als Warenauszeichnung von Naturtextilien wie Biobaumwolle, Bio-Wolle oder Bioleinen.
Unter dem Titel “Auszeichnung von Textilien mit biologischen Inhaltsstoffen” wurde festgelegt, dass Textilien wie Bekleidung oder Heimtextilien, die als „biologisch“ ausgezeichnet werden, sich einer unabhängigen Prüfung zu unterziehen haben, und dass alle verarbeiteten Fasern nach den NOP Richtlinien zertifiziert sein müssen.
Das NOP ist das National Organic Programm der USA, mit dem das Landwirtschaftsministerium der USA 2002 einen nationalen Öko-Standard schuf. Soll die Ware als "organic" gekennzeichnet sein müssen alle Bio-Produzenten, -Verarbeiter und –Exporteure und deren Vorlieferanten, die Produkte in die USA exportieren möchten, nach dem NOP Standard zertifiziert sein.
Auch Bio-Textilien durften nur als „organic“ ausgezeichnet werden, wenn sie sowohl zu den NOP Produktions- als auch zu den Verarbeitungsstandards konform waren. Der enge Bezug von Methoden und Inhaltsstoffen zu den Lebensmitteln führt allerdings dazu, dass die Richtlinien auf die textile Kette praktisch nicht anwendbar sind. Das macht den Standard und damit die Biokennzeichnung für die meisten Textilien unerreichbar - selbst wenn sie unter strengsten Kriterien wie dem GOTS hergestellt werden.
Nun wurde die Biokennzeichnung für Textilien, die gemäß dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert sind in den USA offiziell anerkannt. Der GOTS beinhaltet weltweit angewendete Richtlinien für eine ökologische und sozialverantwortliche Textilproduktion über die gesamte Textile Kette (von den biologisch erzeugten Rohstoffen über Spinnen, Stricken, Weben, Färben, Nähen bis zum Verbraucher). Textilien, die das GOTS Label tragen, können damit in den USA als „organic“ ausgezeichnet werden. Und das, obwohl diese Textilien nicht nach NOP zertifiziert sind.
„Wir sind sehr erfreut, dass das US-Landwirtschaftsministerium damit den schnell wachsenden Biofasermarkt unterstützt. Textilhersteller und -verarbeiter haben durch die offizielle Anerkennung des GOTS endlich in den USA Richtlinien, die auf ihre Branche anwendbar sind“ bestätigt Elmar Sautter, Vorstandsvorsitzender des IVN.
GOTS Geschäftsführer Herbert Ladwig stimmt dem zu: „Wir begrüßen und unterstützen das Memorandum, das nun eindeutig und ausdrücklich erlaubt, GOTS zertifizierte Textilien offiziell als ‘organic’ zu labeln. Experten rund um den Globus haben viele Jahre gearbeitet, um den GOTS zu dieser weltweit anerkannten, strengen und umfassenden Richtlinie zu machen. Die Anerkennung durch die Regierung unterstreicht den zunehmenden Stellenwert des GOTS als führendem Biotextilstandard.“
Der GOTS definiert auf hohem Niveau umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und fordert gleichzeitig die Einhaltung von Sozialkriterien. Die Kernbestimmungen enthalten generelle Verbote für den Einsatz von GVO (Gentechnisch veränderte Organismen) und weiterer gefährlicher Substanzen wie Azofarbstoffen oder Formaldehyd. Die Sozialkriterien orientieren sich an den Kernnormen der ILO (International Labour Organization) die u.a. Kinderarbeit verbieten und existenzsichernde Löhne fordern. In der Nassveredlung ist ein striktes Abwassermanagement obligatorisch. Für die Labelstufe “organic” müssen mindesten 95%, für die Labelstufe „made with organic“ müssen 70% der Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen.
GOTS Zertifizierung bedeutet für die Konsumenten Produktsicherheit bei Biotextilien von Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück.
Die Erfolgsgeschichte des GOTS spricht für sich: Ende 2010 waren bereits rund 1500 Unternehmen mit insgesamt 2.754 Fertigungsanlagen in 54 Ländern nach dem GOTS Naturtextilstandard zertifiziert. Die Top 20 Länder nach Anzahl der zertifizierten Betriebe sind in absteigender Reihenfolge: Indien, Türkei, China, Pakistan, Südkorea, Japan, Deutschland, Italien, Großbritannien, Bangladesch, Frankreich, Hong Kong, Mauritius, Peru, USA, Niederlande, Sri Lanka, Portugal, Griechenland und Belgien. 2010 kamen erstmals Betriebe aus Finnland, Laos, Litauen, Mazedonien, Schweden und Uganda dazu.
Die seit 2010 öffentlich zugängliche Datenbank zählt schon mehr als 120.000 Suchanfragen. Sie enthält neben ca. 400 Färbereien mehr als 200 Spinnereien, Strickereien und Webereien und darüber hinaus 140 Textildruckereien und Konfektionsbetriebe. Mehr als 700 Unternehmen sind als Exporteure und ca. 50 als Importeure tätig. Momentan sind vierzehn unabhängige Zertifizierungsorganisationen für den GOTS zugelassen.
Neben der Datenbank wurde 2010 der GOTS-Informationsfilm gedreht. Dieser dokumentiert die negativen Umwelteinflüsse der konventionellen Textilproduktion und zeigt, wie Unternehmen mit Hilfe einer Zertifizierung nach GOTS diese reduzieren und zudem sozialverträglich produzieren können. Einen Fimclip findet man unter http://global-standard.org/information-centre/gotsfilm.html. Unternehmen, Bildungseinrichtungen und sonstigen Institutionen aus dem Textilsektor steht eine limitierte Auflage zur Verfügung; einzelne Exemplare können unter http://www.global-standard.org kostenlos bestellt werden.
Die erste Version des GOTS war 2006 durch die GOTS IWG (International Working Group) veröffentlicht und das GOTS-Label 2008 eingeführt worden. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus international führenden Standardorganisationen zusammen: OTA (Organic Trade Association ), USA, IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft ), Deutschland, Soil Association, Großbritannien und JOCA (Japan Organic Cotton Association), Japan.
Weitere Informationen
Policy Memorandum, NOP Handbook, Global-Standard
oder
Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. / Heike Scheuer
Haussmannstraße 1 / 70188 Stuttgart / Deutschland
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