Schweizer Bio-Markt wächst
Bio Suisse startet eine Umstellungsoffensive
Wie in den Vorjahren wuchs in der Schweiz auch 2010 das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln. Der Absatz läuft derart gut, dass neue Produzenten gesucht werden, wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst meldete. Vom Bund wird ein klares Signal für den Biolandbau gefordert.
Am 1. September 1981 wurde die Bio Suisse in Basel gegründet. Damals hiess die Knospe-Organisation noch Vereinigung Schweizerischer Biologischer Landbau-Organisationen. Die Knospe habe sich seither zu der Biomarke mit der größten Glaubwürdigkeit und dem höchsten Bekanntheitsgrad entwickelt, bilanzierte Bio Suisse-Präsidentin Regina Fuhrer an der Jahrespressekonferenz vom 30. März in Worb.
Seit den Anfängen stünden die Zeichen auf Wachstum. Heute reiche das Bio-Segment von Frischprodukten bis hin zu Fertigpizzen. Und zu kaufen gebe es diese Lebensmittel nicht nur in Bio- und Reformläden, sondern längst auch bei Coop, Migros und bei Discountern.
Dass Bio-Lebensmittel in sind, zeigen die Verkaufszahlen von 2010. So stieg der Umsatz um 6,1 Prozent auf 1,6 Milliarde Franken (1,2 Milliarden Euro) an. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise habe der Absatz zulegen können, erklärte Jürg Schenkel, Marketingleiter bei Bio Suisse. Coop wuchs um 4,7 Prozent, während die Migros aufgrund ihrer Bio-Offensive gar um 14 Prozent zulegte. Überdurchschnittlich wuchsen auch die Bio-Verkäufe bei den Discountern (+ 15 Prozent, weil Aldi und Lidl in der Schweiz viele neue Läden eröffnet haben, so Schenkel. Einzig die Reform- und Bioläden verzeichneten einen Umsatzrückgang (-13 Prozent).
Mit einem Anteil von knapp 75 Prozent dominieren Coop und Migros den Markt. 2010 gab jeder Schweizer 211 Franken für Bio-Lebensmittel aus. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt beläuft sich mittlerweile auf 5,7 Prozent. Die Beliebtheit von Bio-Produkten sei Ausdruck gewandelter Werthaltungen, erklärte Schenkel.
Das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln läuft derzeit so gut, dass die Nachfrage, zum Beispiel bei Getreide, längst nicht mehr national gedeckt werden kann. Immer mehr Bio-Produkte müssen importiert werden. Dass angesichts des wachsenden Marktes nicht noch mehr Terrain ans Ausland verloren geht, sucht Bio Suisse deshalb Landwirte, die auf Bio umstellen wollen.
Bis Anfang dieses Jahres haben sich 173 Bauernbetriebe zur Umstellung angemeldet, erklärte der neue Bio Suisse-Geschäftsführer Daniel Bärtschi. Gegenüber 2010 entspreche dies einer Verdoppelung. Insgesamt arbeiteten 5.521 Betriebe nach den Bio Suisse Richtlinien. Mit den 392 Betrieben, die gemäss der Bioverordnung des Bundes produzieren, kommt der Biolandbau auf einen Anteil von rund zehn Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe.
Bio Suisse reicht dies aber noch nicht. Denn in den letzten Jahren sind mehr Bauern aus dem Biolandbau aus- als eingestiegen. Die biologisch bewirtschaftete Fläche stagnierte denn auch in den letzten Jahren. Für Martin Bossard, Leiter Politik bei Bio Suisse, braucht es zusätzliche Maßnahmen seitens der Politik, um den Bio-Landbau attraktiver zu machen.
So fordert Bio Suisse, dass künftig die Direktzahlungen noch mehr auf die Leistung der Bauern bezogen sein müssen, als dies das Bundesamt für Landwirtschaft derzeit vorsieht. Zudem brauche es einen „Aktionsplan Bio“ wie in Österreich, wo der Staat die biologische Land- und Ernährungswirtschaft unterstützt. Vor allem aber müsse der Bund die Direktzahlungen für den Biolandbau erhöhen.







