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Nährwert-Ampel vom Tisch

Niederlage für Verbraucherschutz- und Gesundheitsverbände im EU-Parlament

Das EU-Parlament in Straßburg  hat gegen die  Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel gestimmt. Die Inhaltsstoffe wie Fette, Zucker und Salz werden dabei  durch eine Farbmarkierung gekennzeichnet.

Die Ernährungsindustrie in Deutschland begrüsst die Entscheidung des Europaeischen Parlaments, keine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel einzuführen. „Die Vernunft hat sich durchgesetzt, Ampeln haben auf Lebensmitteln nichts zu suchen. Die Verbraucher haben aber auch ein Recht auf eine aussagekräftige Nährwertinformation“, äusserte sich Jürgen Abraham, Vorsitzender des Bundesverbandes der Ernährungsindustrie (BVE).

Das Bundesverbraucherministerium hält die Entscheidung des EU-Parlaments gegen eine Lebensmittelkennzeichnung in Ampelfarben für nachvollziehbar. „Die Ampel hat sich aus wissenschaftlicher Sicht - und wie der Blick nach England zeigt, auch in der Praxis  nicht bewährt", sagte ein Ministeriumssprecher  in Berlin. Er begrüßte, dass sich das Parlament für die Nährwertkennzeichnung entschieden habe, die in Deutschland bereits freiwillig praktiziert werde.

Das Votum gegen die Ampel zeige einmal mehr, dass in Europa statt Bürgernähe Europa die Lobbymacht der Industrie herrsche, wie Foodwatch erklärte. Die Lebensmittel-Lobby hat sich ihre Kampagne gegen die Ampel eine Milliarde Euro kosten lassen. Eine Milliarde, die unter anderem aufgewendet wurde, um das von der Industrie entwickelte Kennzeichnungs-Modell Guideline Daily Amount (GDA) einzuführen und zu bewerben. Diese verwirrende GDA-Kennzeichnung solle in ganz Europa Standard werden , bedauert Foodwatch.
Dass die Ampelkennzeichnung als freiwillige und zusätzliche Darstellung möglich bleiben soll, ist für foodwatch kein Fortschritt. Das sei bisher schon möglich gewesen und bringe den Verbrauchern gar nichts. Denn wer heute schon Zucker- und Fettbomben als Fitnessprodukte verkaufe, werde diesen Schwindel sicherlich nicht freiwillig durch rote Ampeln entlarven.

In dem ursprünglichen Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission kam die Lebensmittelampel gar nicht vor. Erst durch das Engagement von foodwatch und durch die Unterstützung aus dem Gesundheitssektor durch den europäischen Adipositas-Verband, die Vereinigung der europäischen Kinderärzte, dem europäischen Spitzenverband der Krankenkassen  wurden die Politiker gezwungen, sich mit der Ampel auseinander zu setzen.

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