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Nahrungsergänzung OTC-Markt im Aufwärtstrend

Jeder dritte Deutsche greift zu Nahrungsergänzungen in Form von Pillen, Kapseln oder Pulvern – so das Ergebnis einer Forsa-Studie. Besonders bei jungen, sportlichen und gestressten Menschen mit ausgeprägtem Gesundheitsbewusstsein und höherem Bildungsstand liegen die Erzeugnisse im Trend. Die Hersteller setzen in Deutschland allein mit Vitamin- und Mineralstoffpräparaten mindestens eine Milliarde Euro um. Die Nahrungsergänzung aus natürlichen Rohstoffen könnte den Markt noch stärker puschen.

 

Link zu den OTC-Richtlinien

Nahrungsergänzungsmittel liegen voll im Trend, denn ein Motto unserer Zeit lautet: „Ich will mir etwas Gutes tun, ich will für mich sorgen“.
Die Politik trägt mit ihrer beständigen Forderungen nach der Eigenverantwortung der Bürger das Ihre bei. Zwar liegt im Durchschnitt die Vitamin- und Mineralstoffversorgung in Deutschland ganzjährig auf einem hohen Niveau, so der aid-PresseInfo, Bonn,  im Dezember 2005. Lediglich bei Vitamin D, Folat, eventuell Vitamin E und Jod könnten Versorgungslücken entstehen. Aber es gibt in jeder Altersgruppe Menschen, die vom Durchschnitt abweichen und nicht optimal versorgt sind. Bisweilen lassen es die Lebensumstände nicht zu, dass man sich abwechslungsreich, ausgewogen und den Bedürfnissen angepasst ernährt. Dann ist der Griff zu Pille, Saft & Co. verständlich und gerechtfertigt.

Dem Handel sollte klar sein, dass eine eigene Verordnung (Verordnung über Nahrungsergänzung, NemV) die Herstellung und den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln regelt. Sie wurde mit In-Kraft-Treten am 28. Mai 2004 geändert, die Übergangszeit lief am 30. November 2005 aus (siehe Kasten „So will es der Gesetzgeber“). Für den Bereich „Freiverkäufliche Arzneimittel“, zu denen zum Beispiel Arzneitees zählen, stellt der Gesetzgeber weitere Anforderungen.

Viele Stoffe wirken in Kombination

Der Unterschied zwischen den meisten konventionellen Nahrungsergänzungsartikeln und denen der Naturkosthersteller ist, dass die einen oft künstlich hergestellte isolierte Stoffe anbieten, die anderen dagegen meist die ganze Pflanze, getrocknet und pulverisiert, verwenden. So wirken alle Pflanzeninhaltsstoffe ähnlich wie im frischen Produkt, sind aber in höherer Konzentration vorhanden. Während Wissenschaftler in jüngster Zeit immer häufiger zu dem Schluss kommen, dass bei isolierten Wirkstoffen der gewünschte Effekt oft viel kleiner als erwartet ist, hat die Verwendung ganzer Bio-Pflanzen eine Reihe von Vorteilen: In dem lebendigen Organismus sowohl des Rohstoffs als auch des Menschen sind oft mehrere Faktoren ausschlaggebend für ein Ergebnis – und noch lange nicht ist dieses Zusammenspiel komplett erforscht. Anerkannt ist mittlerweile jedoch, dass viele Bio-Pflanzen mehr Inhaltsstoffe bilden können als konventionelle: Sie wachsen in ihrem natürlichen Tempo und ohne Doping der chemischen Industrie und können ihr gesamtes Spektrum ausbilden. Dies ist, neben weitest gehender Rückstandsfreiheit, ein wichtiges Argument für Nahrungsergänzungsmittel mit Naturprodukten aus kontrolliert biologischem Anbau.

Aloe Vera und Noni in Bio-Qualität

Im eigentlichen Sinn ist Aloe-Vera-Saft kein Nahrungsergänzungsmittel, wird aber – ebenso wie Noni-Saft, der zu Lebensmitteln zählt – von Verbrauchern so gesehen und steht im Handel auch im „Gesundheitsregal“. Aloe Vera hat sich in den letzten Jahren einen guten Ruf erworben: Das Gel, aus dem der Saft gewonnen wird, enthält unter anderem die Vitamine A, C, D, E, Spuren des Vitamins B12, Lipide und Proteine, die die Nahrung verdauen helfen. Saccharide unterstützen den Organismus bei seinem Immunsystem und bei der Entgiftung. Der Wirkstoff Acemannan, eine Zuckerform, soll die Widerstandskraft der Zellmembrane gegen Bakterien und Viren verbessern.

Die Rainbow Gesellschaft für Naturprodukte mbH, Hamburg, hat für den LEH drei neue Produkte entwickelt: In der Range „aloefit“ gibt es den „Aloe Vera Bio Saft“  mit 99,9 Prozent Saft in der 500-Milliliter-Flasche sowie, ebenfalls in der 500-Milliliter-Flasche,  „Aloe Vera RedOx“ mit 69 Prozent Saft, Traubensaftkonzentrat, Acerolapüree, Apfelsaftkonzentrat, Traubenkern- und Blaubeerextrakt und anderes – alle Zutaten aus kbA.  „Aloe Vera RedOx mit natürlichen Antioxidantien hat die Eigenschaft, überschüssige freie Radikale zu eliminieren und ist dadurch ein sehr guter Beitrag im Rahmen einer gesundheitsbewussten Ernährung“, erklärt Michael Wessel vom Rainbow Sales and Management.

Das dritte neue Produkt ist ein Noni-Saft aus Bio-Zutaten (90 Prozent Noni-Saft, fünf Prozent Traubensaftkonzentrat und Agavensirup) in der Range „morindafit“. Dem Saft sind keine Aromastoffe zugefügt und er schmeckt auch pur überraschend gut. Noni-Saft enthält Vitamine, Mineralstoffe, wichtige Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme. Wie alle anderen Nahrungsmittel kann das Produkt zwar keinen Arzt ersetzen, doch kann es immer dann eine Hilfe sein, wenn es gilt, die Abwehrkräfte (zum Beispiel bei Erschöpfung, Allergien oder Entzündungen) zu mobilisieren, das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen und den Darm zu stärken. Dokumentiert ist beispielsweise, dass bestimmte Inhaltsstoffe die Blutgefäße erweitern – günstig vor allem für Menschen mit hohem Blutdruck.

„Im Sommer 2005 haben wir mit der Konzeption der Marken begonnen. Es bestehen bereits gute Kontakte zu sehr vielen Handelspartnern. Derzeit arbeiten wir unter anderem mit Kaufland, Rewe und Spar-Austria zusammen. Am POS werden wir durch den Einsatz von Werbedamen die Produkte kommunizieren. Entsprechende Verkostungen werden durchgeführt. Ferner setzten wir Produktinformationen und Bio-Regalstopper ein. Durch Verlosungs- und Mailing-Aktionen werden die Zielgruppen direkt angesprochen.“

Aloe Vera kommt in Pulverform

Ein Lieferant von Aloe Vera für die Weiterverarbeitung ist Aloe Jaumave, Mexiko. Das Unternehmen bietet Saft (ohne Fruchtfleisch in Konzentrationen von 5:1, 10:1 und 20:1, ohne Konservierungsstoffe). Auch kann Aloe-Vera-Rohsaft in Fässern zur Abfüllung geliefert werden. Kunden befinden sich in Deutschland, England, Niederlanden, Japan und den USA. In Kürze wird ein Aloe Vera Pulver Freeze Dried (ohne Konservierungsstoffe) mit Bio-Zertifizierung auf den Markt kommen. Es kann ebenfalls zur Herstellung von Getränken, Kap- seln und Kosmetika eingesetzt werden. „Unser Ziel ist es, als rein mexikanisches Unternehmen zu einem der marktführenden Unternehmen im Bereich der Produktion, Verarbeitung und Verkauf von organischen Aloe-Vera-Produkten aufzusteigen“, erklärt das Unternehmen, das von der Mexikanischen Handelsdelegation, Frankfurt, bei der Vermarktung unterstützt wird.

Demnächst neue Produkte im Markt

„Nahrungsergänzung in Bio-Qualität hat gute Marktchancen“, sagt Geschäftsführer Michael Raab von Raab Vitalfood GmbH, Rohrbach. Das Unternehmen führt in Bio-Qualität Hefetabletten, Ingwertabletten, Macatabletten (Maca ist eine Pflanze, die in den Anden in Peru wächst und Proteine, Vitamine und Aminosäuren und anderes enthält), Noni-Saft, Aloesaft, Traubenzuckertabletten in diversen Geschmacksrichtungen und Zimttabletten (unterstützt die Senkung des Blutzuckerspiegels). In Vorbereitung sind Granatapfel-Tabletten, Granberry-Tabletten und -Saft. Raab beliefert derzeit den Bio- und Reformwarenfachhandel, mit kleinen Mengen auch Kaufhof und KadeWe. Als ein Problem nennt Raab, dass man für vegetarische Kapselhüllen keine Bio-Zulassung bekommt. „Aus diesem Grund dürfen wir trotz Bio-Inhalt nicht Bio draufschreiben.“

Ihle Nahrungsergänzungen, Langenfeld, führt mit Bio-Rohstoffen in der Range „Ihlevital“ zum Beispiel „Multitaleen“, das das gesamte Spektrum der Aminosäuren sowie Folsäure und andere Vitamine, Mineralien und Pre- und Probiotica enthält (Prebiotica sind Stoffe, die die natürlich vorkommenden Darmbakterien ernähren, Probiotica sind mit einem Nahrungsmittel zugeführte Darmbakterien). Das Produkt dient der ganzheitlichen Unterstützung der körpereigenen Abwehr.

Ebenfalls positiven Einfluss auf den Darm nimmt Tobinambur; es soll zudem cholesterin- und blutdrucksenkend wirken. Ihle Nahrungsergänzungen hat den Tobinambursaft „Intertropheen“ im Sortiment, der die löslichen Inhaltsstoffe von Tobinambur in fünffacher Konzentration gegenüber reinem Presssaft enthält. Die Rohware stammt aus deutschem Öko-Anbau. Weitere Tobinambur-Produkte sind -Flakes, -Granulat und -Streusüße. Das in der Knolle enthaltene Inulin wird unabhängig vom Insulin verstoffwechselt und daher von vielen Diabetikern vertragen. Außerdem soll es das Hungergefühl bremsen, weswegen Ihle sein Produkt auch zum Abnehmen empfiehlt.

Ihle beliefert Großhändler für die Naturkostfachgeschäfte und den Biofachhandel direkt und  ist am Vertrieb in den  konventionellen LEH interessiert. Zwei neue Nahrungsergänzungen sind in der Entwicklung, wobei ein Produkt als Bio-Nahrungsergänzung platziert wird – Details gibt Ihle Nahrungsergänzungen aber noch nicht bekannt.

Gegen den Stress und fürs Gehirn

Ein recht umfangreiches Sortiment an Nahrungsergänzungsmitteln auch in Bio-Qualität hat die Fitne Gesundheit und Wellness GmbH (Logocos-Gruppe), Salzhemmendorf. Zum Einnehmen (bei Blähungen, Magen-, Darm- und Gallenbeschwerden, Erkrankungen der obere Luftwege), Inhalieren und Einreiben ist das „Bio Minzöl“ geeignet. Die „Vitamin C Lutschtabletten“ werden aus Bio-Acerolakirschen mit natürlichen Blü- tenessenzen und Flavonoiden angeboten. „In der Acerolakirsche sind – neben dem hohen Vitamin-C-Gehalt – weitere wichtige sekundäre Pflanzenstoffe enthalten.




 

 

 

 

 

 

 

 

Man vermutet, dass ihre typische, in der Natur einmalige Zusammensetzung dafür verantwortlich ist, dass die antioxidative (zellschützende) Wirkung des Acerolapulvers deutlich höher ist, als die der künstlich hergestellten Ascorbin- säure“, erklärt der Hersteller. Und auch gegenüber anderen Vitamin-C-Lieferanten hat die „Kirsche der Antillen“ Vorteile. Durchschnittlich enthalten 100 Gramm reife Acerolafrüchte 17 Gramm Vitamin C, 100 Orangen  0,05 Gramm. Da mit etwa 150 Gramm Apfelsine bereits der empfohlene Tagesbedarf an Vitamin C gedeckt wird, ist die Kirsche also ein wahres Vitamin-C-Wunder.

Für Hals und Rachen gibt es von Fitne „Echinacea-Kräuter-Bonbons“ (mit Extrakten von Bio-Echinacea) und „Salbei-Kräuter-Bonbons“. Die „Immun Energie Tabletten“ enthalten einen hohen Anteil an Beta-D-Glucanen, die das menschliche Abwehrsystem anregen können. In Bio-Qualität sind zudem Anti-Stress-Tabletten (mit Waldwegwarte und Melisse), „Vitamin B Komplex plus Vitamin C Tabletten“, „Memory Gedächtnis Tabletten“ (mit pflanzlichen Vitalstoffen, v. a. Niacin und Chrom), „Basen Tabletten“ und „Basen Trinkpulver“ (spezielle Zusammensetzung von Obst- und Gemüseextrakten).

Guarana – eine Idee für Discos und Fitness

Guarana ist ein altbekannter Wirkstoff, der schon vor Jahrhunderten von Amazonas-Indianer genutzt worden sein soll. Die Guarana-Pflanze wächst fast ausschließlich im Amazonasgebiet. Die Nuss dieses Seifenbaumgewächses hat einen sehr hohen Koffeingehalt, der für die anregende Wirkung verantwortlich ist. Ein Gramm Pulver enthält zirka 40 Milligramm Koffein (zirka eine halbe Tasse Kaffee) und damit etwa doppelt bis dreifach so viel wie Kaffee. Jedoch wird das Koffein der Guarana-Nuss im Gegensatz zu dem in Kaffee wegen der Ballaststoffe langsam und schonend an den Körper abgegeben und kann länger wirken.

In Bio-Qualität bietet die Firma Sinfo, Heiligenloh, Guarana-Pulver an.
Mit Rohware werden eine ganze Reihe von Unternehmen (Galke, Golden Temple, Oasis Tee, Gepa, Heuschrecke, Allos, Green Valley etc.) beliefert, das Produkt von Sinfo ist vor allem in Bio-Fachgeschäften und den Bio-Märkten von Rewe erhältlich. Als neues Produkt werden gerade Guarana-Presslinge entwickelt, mit denen das Unternehmen auch im  konventionellen Markt Fuß fassen möchte. „Wir wünschen uns einen Platz im Regal der Reformhäuser, die meistens schon Guarana-Produkte führen, aber nur als Tee-Mischung, Tabletten und immer nur konventionell“, sagt Inhaber Burkhard Osterloh. „Außerdem haben wir viele Ideen für den konventionellen Markt, aber leider noch keinen Vertriebspartner. Unsere Ideen sind für Supermärkte, Tankstellen, Discotheken oder Fitnessstudios geeignet.“ Sinfo ist seit zwölf Jahren im Biobereich tätig. Osterloh: „Es hat lange gedauert, bis sich Guarana wirklich durchgesetzt hat. Jetzt, wo auch große Firmen Guarana einsetzen und die Akzeptanz wächst, steigen auch unsere Umsätze. 2003 bis 2005 hatten wir eine Umsatzsteigerung von fast 25 Prozent. Wir sind damit sehr zufrieden.“ In die Zukunft sieht er optimistisch, weil insbesondere die noch nicht realisierten Ideen einen sehr großen Markt hätten.

Damit im Kopf die Sonne aufgeht

Die Firma Herbaria Kräuterparadies GmbH, Fischbachau, hat als Nahrungsergänzung in Bio-Qualität „Blutquick“, ein flüssiges Diätetikum bei Eisen- und Vitaminmangel, sowie „Herbazym“ (natürliche Enzyme aus Ananas und Papaya) im Sortiment. Vertrieben werden die Produkte im Naturkosthandel, Reformhaus, in Apotheken und bei Gesundheitsberufen. Die Inhaltsstoffe sind gentechnik- und glutenfrei und wurden schonend verarbeitet, wobei auf  Farbstoffe, künstliche Konservierungs- und Aromastoffe sowie auf gehärtete Fette verzichtet wird.

Ilse Raetsch


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