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Eine alte Kulturpflanze kehrt zurück: Hanf


Foto: Hanf & Natur

Hanf ist wieder populär. Im Gegensatz zur Flower-Power Zeit aber nicht als Droge, sondern als wertvolles und appetitliches Lebensmittel. Vor allem die Bio-Branche hat sich dieses Nischenproduktes angenommen und verhilft ihm derzeit zu einer gewinnträchtigen Renaissance. Meist handelt es sich um kleinere Unternehmen – mit Know-how, Ideenreichtum und einer Menge Mut zu Neuem.

Warum sollten Lebensmittelkaufleute Bio-Hanfprodukte in ihre Sortiment aufnehmen? Viele Gründe sprechen dafür, seien es der hohe ernährungsphysiologische Wert, der feine nussige Geschmack, die Vielseitigkeit oder einfach der Reiz des Neuartigen. Dabei kann man bei Hanf selber absolut nicht von einer Neuheit reden, denn die einjährige, anspruchslose Pflanze wurde schon vor Jahrtausenden kultiviert und genutzt.

Beispielsweise setzten immer wieder Ärzte, ob im alten China oder Hildegard von Bingen, Hanfsamen als Heilmittel ein. Bis ins letzte Jahrhundert hinein dienten sie der Bevölkerung als stärkende Speise, etwa als Sup­pe, Brei oder Butter. Während Hanf als Lebensmittel immer wieder ein Auf und Ab erlebte, wurden die Fasern fast durchgängig verwendet. Aufgrund ihrer Reißfestigkeit fertigten die Menschen aus ihnen zum Beispiel Segel, Taue, Papier, Geld und Kleidung.

Hanf punktet mit verschiedenen Gesundheitsaspekten, in konzentrierter Form vor allem die Leinsamen-großen Samenkörnchen. Botanisch gesehen handelt es sich um Nüsse, die entweder mit der dünnen, grünlichen Fruchtschale oder geschält verwendet werden. Das in ihnen enthaltene Eiweiß ist leicht verdaulich, frei von Gluten und enthält alle acht essentielle Aminosäuren.

Neben Mineralien und langkettigen Kohlenhydraten liefern sie zudem über 30 Prozent grün schimmerndes Öl, das sich durch seinen hohen Gehalt an wichtigen Fettsäuren wie Linol- und Linolensäure auszeichnet. Diese wandelt der Körper zu solchen Säuren um, wie sie sonst nur in Seefisch vorkommen.

Damit nicht genug: Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren können unter anderem Entzündungsprozesse hemmen, Zellen elastisch halten, die Blutgerinnung fördern oder das Immunsystem unterstützen. Beim Hanföl liegen die Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren in einem optimalen Verhältnis von 1:3 zueinander vor.
Außerdem findet sich unter ihnen die äußerst seltene Gamma-Linolensäure (GLA), der eine symptomlindernde Wirkung bei Neurodermitis, rissiger Haut und Hautkrankheiten zugesagt wird. Daher setzen Hersteller vermehrt Hanföl in hochwertiger Kosmetik ein.

Hanföl und die ölhaltigen Hanfsamen stellen insofern die bedeutendsten Produkte dar. Bio-Hersteller wie Hanf & Natur, Hempro International oder Riegler Nurscher  wissen auch die Blätter und Fasern ebenfalls zu attraktiven Spezialitäten zu verarbeiten. 

Hanfsamen zum Knabbern und Backen

Ungeschälte Hanfsamen bieten sich als alternative Knabberei an. Wesentlich vielseitiger sind aber die weichen, geschälten Körner. Salate, Müsli, Gemüse, Kleingebäck und anderes mehr lassen sich mit den nussig schmeckenden Samen aufpeppen. Die beiden Varianten bieten alle Hersteller an.

Hanf & Natur, der führende Hersteller von Hanflebensmitteln und -Kosmetik in Deutschland, hat zusätzlich drei pikante und drei süß verfeinerte Varianten aus geröstetem Schälhanf eingeführt. Verpackt sind sie je nach Produkt entweder im sahnebraunen Karton mit weißer Banderole oder einer Frischhaltedose. Das feine Design zeichnet mittlerweile die komplette Palette aus rund 30 verschiedenen Produkten aus und dient  der Markenführung.

Alternativ kann man die beiden Basisprodukte unter anderem von Hempro Int. aus Düsseldorf, Manitoba Harvest aus Kanada, Riegler-Nurscher aus Österreich oder Canah aus Rumänien beziehen. An Verpackungsformen finden sich wiederum Dosen und Kartons, teilweise aber auch PE-Beutel (Hempro Int.) oder beschichtete Standbeutel (z.B. Canah und Manitoba). 

Mit drei Löffeln Hanföl den Tages­bedarf an Linolsäure decken

Beim Speise-Hanföl ist schonende Kaltpressung die erste Wahl, damit die wertvollen Fettsäuren keinen Schaden nehmen. Ebenso wie  die geschälte Saat durch beschichtete oder dunkle Verpackungen, wird das Öl durch dunkle Flaschen vor Oxydation geschützt. Besonders auffällig sind die schwarzen Flaschen des Hanföls von Canah.

Wie bei den Mitbewerbern tragen alle ihre Produkte eine eigene Handschrift. Ist es bei Hanf & Natur der Feinkost-Charakter, so wirkt die Range bei den Rumänen modern und sportlich. „Das Öl aus französischem Hanf füllen wir unter Stickstoff in Flaschen aus einem speziellen Violettglas ab, das vor Qualitätsverlusten durch sichtbares Sonnenlicht schützt“, erklärt Oana Suciu den damit verbundenen Service. Die Filterwirkung bleibe übrigens auch erhalten, wenn man die geleerte Flasche anschließend mit einer anderen Flüssigkeit fülle.

Um den Duft, den milden charakteristischen Geschmack und den Nährwert bis zum Schluss zu bewahren, sollte es in der Küche nicht stärker erwärmt werden. Das raten auch die Anbieter, die zugleich diverse Rezeptvorschläge in petto haben. Riegler-Nurscher empfiehlt Hanf­öl beispielsweise zum Anmachen von Blatt- oder Erdäpfel (sprich:Kartoffel)salat. Eben­so gut lassen sich Dipps anrühren oder Nudeln und gedünstetes Gemüse verfeinern.

Aus Haltbarkeitsgründen wird die Spezialität am liebsten in 250 Milliliter Flaschen gekauft. Auch der Preis dürfte eine Rolle spielen. Bei Hempro Int., die bislang vorwiegend im Online-Vertrieb aktiv waren, kosten die 250 Milliliter zum Beispiel 8,49 Euro und bei Hanf & Natur 8,99 Euro. Ein Großteil der Hersteller führt dennoch zusätzlich 500 Milliliter, Hempro Int.  als dritte Variante 100 Milliliter-Flaschen.

Um ein weiteres Basisprodukt, das ballaststoffreiche Hanfmehl, zu erhalten, wird der bei der Ölgewinnung anfallende Presskuchen vermahlen. Allein ist das dunkle, glutenfreie Mehl zwar nicht backfähig, bietet sich aber durchaus als Zutat für Brote und Teigwaren an. Von daher gehören bei Unternehmen mit B2B-Handel wie Hempro Int., Canah oder Riegler-Nurscher auch viele Bäcker zu den Abnehmern. Die geschälten Hanfsamen sind in der Branche nicht minder gefragt, zum Bestreuen oder um Brot und Kleingebäck ein nussiges Aroma zu verleihen.

Hanfmehl für Endverbraucher bieten Canah und Hanf & Natur an. Letztere ergänzen das Mehl durch Backmischung für Brot sowie eine Mischung für vegetarische Bratlinge, welche sich alternativ als Falafel oder Pfannkuchen zubereiten lässt. Als weitere conveniente Erweiterung bieten sie und auch Riegler-Nurscher Nudeln mit Hanfmehl an, die durch ihre olivartige Farbe und den aparten Geschmack für kulinarische Abwechslung sorgen.

Hanfsaat frischt den Speiseplan auf

„Als Einstieg würde ich dem Einzelhandel besonders Hanföl und die geschälten Hanfnüsse empfehlen, die leicht in die tägliche Küche zu integrieren sind“, meint Daniel Kruse, Geschäftsführer von Hempro Int. So wie sie beweisen alle Hersteller zugleich mit immer neuen Produktideen die Vielseitigkeit von Hanf.

Beispiel Cerealien: Während Riegler-Nurscher ein Hanf-Honigmüsli aus schonend gerösteten Zutaten anbietet, hat Canah aus einer Mischung von Schälfhanf und Haferflocken ein Porridge kreiert. Mit heißem Wasser angerührt, ergebe das im Standbeutel angebotene Produkt eine ideale Ready-to-eat Mahlzeit auch für Erwachsene, meint der Hersteller.

Hanf & Natur-Geschäftsführer Ralf Buck meint: „Hanf wird den Ansprüchen des modernen gesundheitsbewussten Kunden gerecht.“ Daher richteten sie sich mit ihren ungesüßten Gourmet-Müslis in den Sorten Nuss und Frucht ebenfalls eher an Erwachsene als an Kinder.

Bewusst genießen sollte man auch die bisslang wenigen Süßwaren, etwa die drei Hanfschnitten und die beiden Schokoladen von Hanf & Natur. Die Vollmilch- bzw. Zartbitterschokolade mit geröstetem Hanf zählt neben Öl und Schälhanf zu den Rennern im Angebot und hat wie sieben weitere Produkte gerade die DLG-Medaille 2010 bekommen. Zumindest die beiden deutschen Anbieter widmen sich dem Bereich Feingebäck, Hanf & Natur mit zart knusprigen Hanf-Dinkelherzen im Karton und Hempro Int. mit Keksen in der Dose.

Eine Idee, die die beiden gemeinsam haben, ist die Herstellung von Hanfmilch. Dass es geht, beweist die Hanfmilch von Manitoba Harvest, deren Milchalternative ‚Bliss’ im Ein-Liter-Tetrapack bereits seit 2007 auf dem Markt ist. Das kanadische Unternehmen gehört den Farmern selber und zählt zu den größten Global Playern in Anbau, Verarbeitung und Verpackung von Hanfprodukten, die zudem USDA- und koscher-zertifiziert sind.

In Kanada und Nord-Amerika ist ihr laktose- und glutenfreier Bliss in verschiedenen Geschmacksrichtungen sehr erfolgreich, stellt es doch zugleich eine gute pflanzliche Quelle für ungesättigte Fettsäuren dar. Jetzt hat sich Hempro Int. mit Manitoba geeinigt und wird die komplette Marke exklusiv in Deutschland, Österreich und Osteuropa vertreiben. Gerade mit den Produkten von Manitoba Harvest wollen die Düsseldorfer verstärkt auf den LEH zugehen. Für Bliss ist dabei ein Verkaufspreis von 4,99 Euro vorgesehen.

Hanf und Hopfen sind botanisch nahe verwandt, weshalb die Idee eines Hanfbieres eigentlich nahe liegt. In die Tat umgesetzt hatte sie schon vor einigen Jahren die Brauerei Hirt aus Österreich. Auch Dupetit Natural Products aus Richelbach geht mit einem Hanftrunk verstärkt an die Öffentlichkeit. Gebraut wird das süffige Szenegetränk, bei dem Blüten von bayerischem Hanf die Hälfte des Hopfens ersetzen, von Rotherbräu und unter dem wortspielerischen Namen Cannabiá in Pfandflaschen angeboten.

Riegler-Nurscher hat nicht nur Hanfbier sondern sogar einen Hanfbierbrand im Angebot. Der Familienbetrieb aus Österreich baut seit Generationen selber Bio-Hanf an, muss aufgrund der steten Sortimentserweiterung und wachsendem Kundenkreis inzwischen aber noch Rohware aus Österreich zukaufen.

Alle weiteren Verarbeitungsschritte vom Schälen bis zum Versehen mit den kürzlich modernisierten Etiketten finden jedoch wieder im eigenen Betrieb statt. Die Hälfte des Umsatzes machen sie nach eigenen Angaben mit Deutschland, wo der Vertrieb in den Händen von Monika Ramsauers Naturoase liegt.

Recht unbekannt ist daneben Tee aus Hanfblüten oder Blättern, wie ihn sowohl Riegler-Nurscher als auch Hanf & Natur und Hempro Int. führen. Mit 3,50 Euro und mehr für 40 Gramm im Verkauf kann man ihn durchaus als Luxusgetränk bezeichnen. Den Geschmack des bekömmlichen, gerbstofffreien Tees wandeln die Deutschen zusätzlich durch verschiedene Kräuter und Früchte wie Zitronenverbene, Holunder oder Rooibush ab. Hanf & Natur bietet auch bislang als einziger neben losem Tee alternativ Teebeutel an.

Hanf für Sport oder besondere Ernährungsumstände

Dank der vielen gesundheitlichen Vorteile ist Hanf prädestiniert für Nahrungsergänzungsmittel und Gesundheitsprodukte. Hier liegt ein weiterer Schwerpunkt der Sortimentspolitik von Canah, die erst 2008 gegründet wurden und sich generell auf wenig verarbeitete Lebensmittel konzentrieren.

Pro Jahr könne man 1000 Tonnen verarbeiten, sagt Oana Suciu, das habe auch die Umsatzsteigerung von 63 Prozent im ersten Geschäftsjahr ermöglicht. Während sich ihr Hanf-Eiweißpulver in der Vorratsdose beispielsweise beim Sport oder veganer Ernährung eignet, sollen sich Kapseln mit Hanföl positiv auf den Blutdruck und das faserhaltige Active Colon auf die Verdauung auswirken.

Bei Manitoba Harvest spielt das Thema ebenfalls eine größere Rolle. So findet man bei den Kanadiern zum Beispiel ein faserreiches Proteinpulver in den Sorten natur oder aromatisiert mit fair gehandelter Vanille und Schokolade. Wie bei der Milch liegt ein Vorteil gegenüber bislang üblichen Proteinpulvern darin, dass das Pulver gleichzeitig die wertvollen Omega-3-Fettsäuren liefert.

Hanf im Non-Food-Bereich

Auch die Verwendung von Hanf in kostbarer Naturkosmetik entwickelt sich vielversprechend. Dabei setzen Anbieter wie Hanf & Natur, Pharma-derm oder Canah primär auf die wirksamen Inhaltsstoffe des Öls, etwa für Produkte gegen trockene oder rissige Haut. Sogar Neurodermitis, Schuppenflechte oder Narben sollen sich mit den fett- und feuchtigkeitsspendenden Pflegemitteln mildern lassen.

Die von Bio Austria zertifizierte Bio-Kosmetik von Hanf & Natur fällt bereits durch die edle Aufmachung in lindgrün-weiß oder Honig auf und wird beständig um weitere Pflegeprodukte für Gesicht und Körper ergänzt. Etwa ebenso umfangreich, aber mit Schwerpunkt auf Zahnpflegemitteln, ist die Marke Cannaderm von Pharma-derm aus Tschechien. Allerdings sind die Produkte, anders als ihr Speiseöl, nicht als bio oder Naturkosmetik gekennzeichnet.

Die bislang genannten Unternehmen haben zum Teil zwar auch einige Accessoires und Textilien im Angebot, eine optimale Auswahl inklusive Beratung findet man jedoch eher bei Hemp Age aus Adelsdorf. Seit 1999 engagieren sie sich im Bereich Naturtextilien, wobei ihr Zulieferer aus China stammt.

Das bunte Angebot reicht von Basics wie T-Shirts, über feine Blusen und gestrickte Jacken bis zu chicen Sommerhosen und Jeans. Einer der vielen weiteren Vorteile von Hanf: Die Gewebe geben Feuchtigkeit ebenso schnell ab, wie sie sie zuvor aufgenommen haben. Schweißgerüche haben dabei keine Chance. Hemp Age verkauft die Textilien ab Lager, wobei auch Kleinmengen kein Problem darstellen.

Bettina Pabel


 

Hanfanbieter international

Das internationale Anbieterspektrum gibt zugleich einen Hinweis auf bedeutende Anbauländer. Speisehanf wird vor allem in Kanada angebaut, wo 60 Prozent der Flächen bio-zertifiziert sind. Schließlich gehören Hanfprodukte in den dortigen Supermärkten, aber auch in den USA und Großbritannien, längst zum Standard.
China und Ost-Europa gewinnen ebenfalls an Bedeutung als Anbauländer, wobei die Qualität mehr für eine Verwendung im Textilbereich zu sprechen scheint. In der EU gibt es zwar durchaus größere und sogar subventionierte Anbauflächen, doch geht der größte Teil der Ernte in die Tierfutterproduktion. Trotzdem stammt ein Teil des Hanfs für Bio-Lebensmittel von deutschen, österreichischen und französischen Feldern, wobei französischer Hanf in der Regel als besonders hochwertig gilt und entsprechend teurer ist.

 


 

Haschisch-Verbot

Das weltweite Haschisch-Verbot (um 1920) führte auch zum Verschwinden in der Küche. Tatsächlich bilden weibliche, unbefruchtete Pflanzen – aber nur diese – das halluzinogen wirkende THC (Tetrahydrocannabinol).

Das reine Harz wird als Haschisch, die getrockneten Blütenstände als Marihuana bezeichnet. Beide unterliegen in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Den sogenannten Faser- oder Nahrungshanf dürfen Landwirte in der EU auf Antrag jedoch anbauen, schließlich sind diese Züchtungen seit vielen Jahren nahezu frei von THC.


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