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CDU kritisiert Kritik der CSU an Gentechnik

"Freilandversuche sind unverzichtbar"

BERLIN - Berliner Zeitung, 18.05.2006 -  Die CSU hat mit ihrem kritischen Kurs zur Gentechnik in der Landwirtschaft in den eigenen Reihen scharfen Widerspruch ausgelöst. "Wer ja zur gentechnischen Forschung sagt, muss auch ja zu Freilandversuchen sagen", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Katherina Reiche (CDU), der Berliner Zeitung. Wenn man mehr über Chancen und Risiken der grünen Gentechnik lernen wolle, dann seien kontrollierte Freilandversuche unverzichtbar. Die Koalition werde an den geplanten Erleichterungen für die Gentechnik festhalten. "Herr Söder vertritt hier nicht die Haltung der Union im Bundestag."

CSU-Generalsekretär Markus Söder hatte sich zuvor im Interview mit dieser Zeitung kritisch zu Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen geäußert. Diese seien ein Problem, solange nicht absehbar sei, wie sie langfristig das Öko-System beeinflussten. Söder hatte auch gemahnt, den kommerziellen Nutzen bei Nahrungsmitteln nicht überzubewerten. Die CSU ging damit auf Distanz zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die Forschung und Anwendung der Gentechnik erleichtern will. Die Regierung verspricht sich in strukturschwachen Regionen neue Arbeitsplätze. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) bereitet dazu derzeit eine Liberalisierung der bislang strikten deutschen Anbauregeln vor. Doch auch Seehofer hatte zuletzt vorsichtige Skepsis erkennen lassen. So will er die Forschung zwar fördern. Doch er hatte auch darauf hingewiesen, dass die Bedenken der Verbraucher ernst genommen werden müssten. Eine Sprecherin sagte gestern, der Minister werde dem Kabinett bis Juli Eckpunkte für den Umgang mit genveränderten Pflanzen vorlegen.

Die Opposition nannte die Äußerungen Söders unglaubwürdig. Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sagte dieser Zeitung: "Wir würden uns freuen, die CSU als Mitstreiter gegen die Gentechnik gewinnen zu können. Ich bin da aber skeptisch." Die Bedenken seien nur ernst zu nehmen, wenn die Partei das geplante Gentechnik-Gesetz stoppe. "Ich fürchte, Herr Söder ist wie ein Windbeutel. Beim geringsten Luftzug fällt er in sich zusammen", sagte Künast. Bislang habe die CSU Freilandversuche unterstützt.

Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke wies darauf hin, dass die bayerische Staatsregierung den Erprobungsanbau mit gentechnisch veränderten Pflanzen zuletzt forciert habe. Der Landtag habe es mit CSU-Mehrheit zudem abgelehnt, die Landwirte bei der Einrichtung von gentechnikfreien Zonen zu unterstützen. "Weder der Schöpfung noch den Verbrauchern hilft Söders Dampfplauderei, solange die CSU Politik für die Gentechniklobby macht", so Lemke.

Ähnlich äußerte sich die Agrar-Expertin der FDP, Christel Happach-Kasan. "Die CSU will nur die Hoheit über die Stammtische erlangen", sagte die liberale Politikerin dieser Zeitung. Bayern habe selbst vier Jahre lang auf fünf Hektar einen Großversuch mit genverändertem BT-Mais unternommen. Dies dürfe die CSU jetzt nicht in Frage stellen.

Jörg Michel

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