Politik im Gespräch mit dem Biokreis
Passau, 23.2.2009 - Die Weltleitmesse BioFach in Nürnberg hat nicht nur einen steten Zuwachs an Ausstellern und Besuchern, sie wird nach Jahren des Fernbleibens der Verantwortlichen in Berlin auch wieder zunehmend als Gesprächsplattform für die Politik interessant. Positiv für den ökologischen Landbau wertete der Vorsitzende des BÖLW, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, das Erscheinen der neuen Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die anders als ihr Vorgänger Horst Seehofer, keine Berührungsängste mit dem ökologischen Landbau hat.
Außer der Bundesministerin besuchten auch dieses Jahr wieder viele Landwirtschaftsminister der Bundesländer die BioFach und zeigten Interesse an der Entwicklung des Ökolandbaus. So konnte Sepp Brunnbauer, Geschäftsführer Biokreis e.V., den bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner am Stand begrüßen und ihm die zahlreichen bayerischen Bioverarbeiter am Biokreisstand vorstellen. Brunner zeigte sich beeindruckt von den regionalen Verbindungen zwischen den Biobauern und Biokreisverarbeitern. Erfreulich für den Biokreis-Geschäftsführer war Brunners Zusage, zur Eröffnungsveranstaltung der Öko-Erlebnistage 2009 und zu den Feierlichkeiten zum 30jährigen Jubiläum des Biokreis nach Passau zu kommen.
Mit Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg diskutierte Jörn Bender, Geschäftsführer Biokreis NRW, und Dr. Martin Bohn von Freiland Puten Fahrenzhausen über das aktuelle Thema Putenzucht. Obwohl Dr. Bohn bzw. seine Landwirte die robuste Rasse Kelly Bronzer artgerecht im Freiland mästen, sieht er in der sukzessiven Reduzierung von konventionellen Eiweißprodukten in der Fütterung bei Puten ein Problem. Er plädiert für moderate Ausnahmeregelungen in der Putenaufzucht.
Eine gute Nachricht konnte Jörn Bender aus dem Messegespräch bereits mit nach NRW nehmen: Eckhard Uhlenberg sicherte ihm zu, dass es eine Anhebung der Umstellungsförderung für die zweijährige Umstellungsphase vom konventionellen auf den ökologischen Anbau geben wird. Da der Minister die Prämie an der Obergrenze der GAK-Vorgaben* festmachen möchte, bedeutet das für den umstellenden Landwirt im Bereich Ackerbau eine Förderung in Höhe von 324 Euro und im Grünland von 270 Euro pro Hektar. Darüber hinaus zeigte sich Uhlenberg diskussionsbereit, auch die KULAP-Förderung in Richtung GAK-Vorgaben nach oben zu verändern.
Sepp Brunnbauer wie auch Jörn Bender begrüßen das steigende politische Interesse am ökologischen Landbau. In Zeiten von zum Teil radikalen Mittelkürzungen durch die EU ist die punktuelle Förderung auf Bundes- und Landesebene ein wichtiger Aspekt den Ökolandbau in Deutschland zu forcieren und damit das Ungleichgewicht zwischen wachsendem Biohandel und geringer Rohstofferzeugung in Deutschland auszugleichen.
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* Das Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK-Gesetz) wurde 1969 erlassen und ist am 1. Januar 1970 in Kraft getreten. Auf dieser Grundlage wird die Gemeinschaftsaufgabe seit 1973 durchgeführt.







