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Fit für die Bio-Zukunft

Grundhöfer GmbH liefert über neues Logistikzentrum frisches Obst und Gemüse an den Handel

{mosimage}Die Grundhöfer GmbH in Frankfurt hat sich mit dem Neubau der Firmenzentrale fit gemacht für die Zukunft.  Das mittelständische Unternehmen zählt zu den Lieferanten, die den deutschen Handel mit frischem Obst und Gemüse versorgen. Auch die Bio-Produkte gehen durch die Hände des traditionellen Fruchthändlers. Logistik und Qualitätsmanagement zählen zu den Stärken des Großhändlers, der mit Erfolg auch 40 Bio-Artikel handelt.


Mit tegut fing alles an. Geschäftsführer Peter Grundhöfer kam vor sieben Jahren durch den Fuldaer Filialisten zum Handel mit Bio-Produkten. Inzwischen ist der Geschäftszweig kräftig gewachsen. Fast zehn Prozent des Jahresumsatzes von rund 40 Millionen Euro wird mit Obst und Gemüse aus kontrolliert  biologischem Anbau erzielt. Bio-Produkten gehört die Zukunft. Im 21. Jahrhundert haben sie den Nischenmarkt verlassen. 30 bis 40 Bio-Artikel, die je nach Saison wechseln, sind im Sortiment.

Grundhöfer stellt zusammen mit dem Handel Programme auf, plant mit den Erzeugern den Anbau, kontrolliert die Qualität und verteilt die Ware nach der Ernte auf Strecke an die Supermärkte. Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich sind die Herkunftsländer von Bio-O+G. Grundhöfer vermarktet zum Beispiel die Ware eines italienischen demeter-Erzeugers, der Feingemüse kultiviert: "Die Bauern arbeiten mit Überzeugung und leben das demeter-Prinzip. Mit den Preisen tun wir uns aber schwer."

Heimische Produzenten gesucht

In Deutschland arbeitet der Fruchthändler ebenfalls mit Bio-Gemüsebauern zusammen. "Wir suchen noch einheimische Bio-Produzenten", erzählt Geschäftsführer Grundhöfer. Bei Frischware steht Regionalität beim Verbraucher weit oben und rangiert nach den Erkenntnissen des Händlers noch vor Bio. Während der heimischen Saison haben dann Bio-Erdbeeren oder -Spargel aus Deutschland bessere Vermarktungschancen als Importe aus Spanien oder Italien. Aber deutsche Ware gibt es aktuell nicht oder nicht in der benötigten Menge.


Neben dem Geschäft mit den Zentralen der Handelsketten versorgt er vereinzelt selbstständige Einzelhändler mit Bio-Zusatzsortimenten. Da die Mengen klein sind, ist es für Grundhöfer mehr Service als Einnahmequelle. Ein Bedarf nach Ergänzungssortimenten ist beim qualitätsorientierten Einzelhandel gegeben. Für den selbstständigen Einzelhandel (SEH) ist es ein Mittel, um sich vom Angebot der Regiebetriebe abzuheben.

30 biologische O+G-Artikel sind in großen Supermärkten aktuell zu finden, während einige bioaffine Spitzenhändler Sortimente mit bis zu 100 Artikeln fahren. Das Volumen ist aber für die zentrale Versorgung durch die Ketten zu klein, deshalb sind zusätzliche Lieferanten gefragt. Eine Konkurrenz zur Großhandlung entsteht nicht, da es sich um Randsortimente handelt, die nicht flächendeckend vermarktet werden können.

Obst und Gemüse muss schnell reisen, sonst sind Abschriften vorprogrammiert. Dafür muss die Logistik stimmen. Das Fruchthandelsunternehmen Grundhöfer feierte im Juni 2008 die Einweihung ihres neuen Logistikcenters neben dem Frische Zentrum Frankfurt. Inhaber Peter Grundhöfer investierte zehn Millionen Euro in die Zukunft. Einen Steinwurf vom Frische-Zentrum Frankfurt entfernt hat die Grundhöfer GmbH in weniger als einem Jahr einen Neubau errichtet mit Zentrallager, Büros und Labor.

5.000 Quadratmeter Fläche geben dem Unternehmen Raum zum Wachsen. 50 Mitarbeiter halten den Betrieb rund um die Uhr am laufen. Eine 4.000 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage gehört zur Ausstattung des Neubaus. Ökologie ist ökonomisch zwingend bei hohen Preisen für Energie. Die Büros sind freundlich und großzügig gestaltet. Die Gemälde an den Wänden stammen von Ehefrau Ingeborg Grundhöfer.

Moderne Technik und Logistik


Ein repräsentatives Firmengebäude hat Peter Grundhöfer (links) in Frankfurt errichtet.
Die Türen zum Betrieb öffnen sich per Biometrie. Schlüssel und Karte sind die Türöffner  der Vergangenheit. Die Mitarbeiter müssen sich per Fingerabdruck identifizieren, damit sich das Sesam öffnet. Modernste Informationstechnik ist hier integriert. An 16 Rampen können Lastwagen andocken. Sechs eigene Sattelzüge und drei Solo-Fahrzeuge sind auf Deutschlands Straßen unterwegs. Internationale Speditionen bringen die Erzeugnisse aus Südeuropa. Von der Dachterasse ist die Frankfurter Skyline und die A5 in Sichtweite: Die Lage könnte nicht günstiger sein in der Mainmetropole.

Die Ware wird hier umgeschlagen und an den deutschen Lebensmittelhandel verteilt. Eine klassische Großhandlung betreibt Grundhöfer hier nicht. Die Kartons sind längst  verkauft vom Team in den Büroräumen, wenn sie hier ankommen. Kontrollieren, kommissionieren  und transportieren: Das empfindliche Obst und Gemüse soll nicht lange in  dem klimatisierten Lager mit Temperaturzonen von sechs bis 14 Grad verweilen, sondern schnell in den Handel kommen. "Ich bin froh, wenn ich keinen LKW und keine Ware sehe, dann hat sie sich gedreht", berichtet Grundhöfer.


Ein biometrischer Türöffner reagiert auf den Fingerabdruck.
Die Firmen-Geschichte reicht 88 Jahre zurück. 1920 wurde die Firma Rettich Weiss gegründet. Peter Grundhöfer übernahm 1990 das Unternehmen, 1998 erwarb er Fink Frucht und firmierte um in Grundhöfer GmbH. Die Zentrale war am alten Großmarkt in Frankfurt zuhause. Im Juni 2004 zog der Großmarkt ins neuerbaute Frischezentrum um. Nun folgte der Fruchthändler an den neuen Standort nach.

Verkaufsstand im Frischezentrum

Die Familie betreibt im Frischezentrum einen Verkaufsstand. Der klassische Großmarktstand trägt rund zehn Prozent zum Umsatz bei. Wochenmarkt, Großverbraucher und Fachgeschäfte versorgen sich hier mit konventioneller und biologischer Frischware. Der Familienbetrieb bedient verschiedene Vertriebskanäle,  auch wenn der LEH das Hauptgeschäft ausmacht. Auf dem Pfalzmarkt in Mutterstadt sind die Hessen ebenfalls mit einer Niederlassung vertreten.

Der Standort neben dem Frischezentrum ist für das Unternehmen ideal, da es einerseits  Großmarkthändler beliefert und andererseits bei ihnen einkauft. Im Frischezentrum führt Grundhöfer den Vorsitz im Aufsichtsrat und im Deutschen Fruchthandelsverband sitzt er im Präsidium. 

Neben dem Tagesgeschäft engagiert sich das Unternehmen auch in Aufklärung und Information bei Ernährungsfragen. "Wir haben in Frankfurt zu Beginn dieses Schuljahres 7.000 Bio-Brotboxen gepackt", erzählt Ingeborg Grundhöfer. Nicht nur ein Alibi-Apfel gehört für die Geschäftsfrau in die Brotbox, sondern eine ausgewogenes Frühstück einschließlich Wurst. "Was früher selbstverständlich war, müssen die Kinder heute lernen", berichtet Ingeborg Grundhöfer. Auch Eltern und Lehrer müssen über Ernährung unterrichtet werden: Pausenbrot statt Schokoriegel tut Not.  

Anton Großkinsky


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