Start / Ehrgeizigere Ziele bei Ökolandbau gefordert

Ehrgeizigere Ziele bei Ökolandbau gefordert

Umweltverbände bemängeln Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie durch die Bundesregierung

Nach Auffassung des Deutschen Naturschutzrings (DNR), des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Naturschutzbunds (NABU) werden die von der Bundesregierung 2002 beschlossenen Nachhaltigkeitsziele verfehlt, wenn die Strategie nicht stärker in die Regierungspolitik integriert wird. Anlässlich der Veröffentlichung des Entwurfs des Fortschrittsberichts 2008 bemängelten die Verbände vor allem das Fehlen ausreichender Maßnahmen in den Bereichen Klimaschutz, Ökolandbau und Flächenverbrauch. 

Hubert Weinzierl, DNR-Präsident, forderte die Bundesregierung auf, sich auch unabhängig von den europäischen Klimaschutzzielen darauf festzulegen, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. „Mit den aktuellen Gesetzesvorlagen kann diese Reduktion jedoch nicht erreicht werden. Hier muss die Bundesregierung nachbessern. Um unserer weltweiten Verantwortung gerecht zu werden, muss sich bis zum Jahr 2050 der Pro-Kopf-Ausstoß auf maximal zwei Tonnen verringern. Auch dieses Ziel muss in die Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen werden.“

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender, kritisierte, dass es für die Ausweitung des ökologischen Landbaus auf 20 Prozent  keine zeitliche Festlegung gebe. „Das Jahr 2015 als Stichdatum, um das 20-Prozent-Ziel zu erreichen, ist erforderlich und realistisch. Die Bundesregierung soll sich ein gutes Beispiel an Österreich nehmen, das bereits heute 13 Prozent Ökolandbaufläche erreicht hat, während Deutschland bei knapp fünf Prozent stagniert. Dabei wächst die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln rasant. Knapp 50 Prozent der Bio-Produkte müssen importiert werden. Damit wird eine große wirtschaftliche Chance vertan.“ Die Bundesregierung trage wesentlich zur Stagnation der ökologischen Anbaufläche bei, sagte Weiger. So schütze die neue Gentechnik-Gesetzgebung nicht vor Ernteschäden durch Gentechnik-Einträge. Auch müsse die staatliche Förderung während der zweijährigen Umstellungszeit deutlich erhöht werden. 

Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident, wies darauf hin, dass der Flächenverbrauch drastisch reduziert werden muss. „Bund und Länder sind hier gefordert, falsch ausgerichtete Subventionen und falsche steuerliche Anreize in Richtung Flächensparen, Flächeneffizienz und Gebäudebestandsentwicklung umzulenken. Von zentraler Bedeutung ist dabei eine ökologische Reform des Gemeindefinanzsystems, mit der auch die Entlastung der öffentlichen Haushalte einhergeht.“

DNR, BUND und NABU forderten die Bundesregierung auf, ein Zeichen zu setzen, indem sie das öffentliche Beschaffungswesen endlich konsequent Nachhaltigkeitskriterien unterzieht. Mit 250 Milliarden Euro Ausgaben jährlich haben Bund, Länder und Kommunen eine Marktmacht, die sie ökologisch und sozial verantwortlich nutzen müssten, so die Verbände.

[ Artikel drucken ]

Ticker