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Die Krankheitsfolgen des SuperGAU von Tschernobyl vor 20 Jahren

Tschernobyl - größte Industriekatastrophe der Menschheit, Kritik an IAEA/WHO

Zu den bisherigen und künftigen gesundheitlichen Folgen der Atomkraftwerks-Katastrophe von Tschernobyl/Ukraine 1986 in Europa hat jetzt der gemeinnützige Freiburger Verein ECOtrinova e.V. zusammen mit den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen für alle MitbürgerInnen Ergebnisse von Untersuchungen aus verschiedenen Ländern Europas zusammengefaßt und erläutert. Die vierseitige Information "Tschernobyl-Fakten 2006. 20 Jahre Folgen der Atomreaktor-Katastrophe von Tschernobyl" ist kostenlos erhältlich im Internet bei www.ecotrinova.de unter Aktuelles.

Die Information wendet sich im Detail gegen die extremen Verharmlosungen der Tschernobyl-Folgen durch die Internationale Atomenergieagentur IAEA und die in Atomenergiefragen seit 1959 vertraglich an die Geheimhaltungsstrategien der IAEA gebundene Weltgesundheitsorganisation WHO. Wie der Physiker und Biologe Dr. Georg Löser, ECOtrinova-Vorsitzender, mitteilt, hat der Unfall in allen Ländern Europas Mensch und Natur mehr oder minder mit gesundheitsschädigender zusätzlicher Radioaktivität belastet, in Süddeutschland den Breisgau relativ wenig, aber Teile der Schwäbischen Alb und Oberschwabens sowie Teile Bayerns stärker. Krankheitsfolgen wurden von Ärzten und Behörden in dramatischer Zahl in den hauptbetroffenen Regionen der ehemaligen UdSSR beobachtet. Auch in anderen Ländern wie Deutschland wurden wissenschaftlich gesichert zahlreiche Gesundheitsschäden festgestellt. Über die Hälfte der Folgen sind in Gebieten außerhalb der ehemaligen UdSSR zu erwarten entsprechend Schätzungen der UN-Strahlenkommission UNSCEAR.

Löser : Es ist ein Unfall noch ohne Ende: Viele Arten von Strahlenkrebs und andere strahlenbedingte Krankheiten haben oft lange Latenzzeiten von 20 Jahren und länger bis zum Ausbruch, wie man von den Atombombenopfern von Hiroshima und Nagasaki weiß. Und die Radioaktivität des Tschernobyl-Unfalls strahlt unerbittlich weiter gemäß den Halbwertzeiten von z.B. Caesium-137 und Strontium-90 (jeweils rund 30 Jahre), Plutonium-239 (24 000 Jahre) und Jod-129 (16 Millionen Jahre).

Man weiß bisher ungefähr aus Daten der ex-UdSSR und Ergebnissen von Hiroshima sowie vor allem aus der Untersuchung der Ärztevereinigung IPPNW mit der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. folgendes: In Europa sind zusätzlich zu erwarten:
* über Jahrzehnte verteilt etwa über 1 Million vorzeitig durch Strahlenkrebs Gestorbene,
* weit über 100 000 Schilddrüsenkrebsfälle,
* über bisherigen und künftige 200 000 Erbschädigungen,
* über 1 Million andere Erkrankungen.

In Europa außerhalb der ex-UdSSR sind bisher außerdem zu vermelden
* rund 10 000 schwerwiegende Fehlbildungen bei Neugeborenen
* rund 5000 Todesfälle unter Säuglingen, davon über 300 in Deutschland,
* zusätzliche über 100 000 bis 200 000 Abtreibungen.

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