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Limonade

Bio-Limonaden bringen spritzigen Wind ins Regal

Erfrischungsgetränke von Hollerblüten-Limo bis Cola mit Guarana

Bio-Limonaden bringen spritzigen Wind ins Regal

Für die Bestückung der Regale mit Erfrischungsgetränken gilt es, drei Trends zu berücksichtigen: Angesagt sind Bio-Produkte, weniger süße und alkoholfreie Alternativen sowie Mehrwegflaschen. Originelle Designs, intensiver Geschmack und innovative Rezepturen zeichnen Bio-Limonaden-Hersteller besonders aus.

Frisch, modern, kultig und trotzdem mit Anspruch – so lassen sich Bio-Limonaden zusammenfassend beschreiben. Varianten mit Szene-Charakter gehen dabei mit klassisch geprägten einher. Dieses Bild zeigt sich bereits bei den Flaschen, bei denen viele Bio-Hersteller auf 0,33 Liter-Longneck mit Kronkorken setzen. Vereinzelt ergänzen mittlerweile wiederverschließbare größere Flaschen das Angebot. Typisch Bio: In der Regel handelt es sich um Mehrwegflaschen und -kisten.

Was den Inhalt betrifft, sind auch Bio-Limonaden gesüßte Mischungen aus Frucht und kohlensäurehaltigem Mineralwasser. Im Unterschied zu konventioneller Massenware stammt der Fruchtanteil aus hochwertigen Bio-Fruchtsäften und liegt oft über dem konventionellen Durchschnitt. Teilweise unterstützen echte Kräuter- oder Gewürzauszüge und nur gelegentlich natürliche Aromen den Geschmack.

Für den stabilen frischen Charakter sorgt natürliche Zitronensäure. Und die süße Note – gemäß den Leitsätzen für Erfrischungs-getränke müssten Limonaden immer noch mindestens sieben Prozent Zucker enthalten – bringen bei Bio-Produkten gern Rohrohrzucker und Agaven- oder Fruchtsirup in die Flaschen. Andere Hersteller sind mit Blick auf kurze Beschaffungswege auf Bio-Rübenzucker umgestiegen.

Generell geht der Trend dabei hin zu weniger Zucker. Statt Limonade wählen Bio-Anbieter mit entsprechenden Sorten demzufolge als Produktbezeichnung den Oberbegriff Erfrischungsgetränk.

Jede Menge Abwechslung

In puncto Sorten bietet die Bio-Auswahl für jeden Geschmack etwas. Mal basieren sie auf einer einzigen Fruchtsorte, wobei es sich primär um aromaintensivere Sorten wie Orange oder Zitrone handelt. Größeren Spielraum haben die Produktentwickler bei den Mischungen, zumal dabei zusätzlich die eventuell ergänzenden Gewürze und Kräuter zum Tragen kommen. Nochmals vergrößert wird die Auswahl dadurch, dass es sowohl klare als auch naturtrübe Bio-Erfrischungsgetränke gibt.

Besonders umfassend gestaltet sich das Angebot der Brauerei Neumarkter Lammsbräu, der Saftkeltereien Voelkel und Beutelsbacher sowie Bionade. Die now-Serie der Neumarkter Lammsbräu umfasst rund ein Dutzend Sorten, darunter ein jährlich neu entwickeltes Seasonal und die in diesem Jahr eingeführten drei neuen Light-Sorten mit 30 Prozent weniger Zucker als üblich.

Allesamt werden die now-Erfrischungsgetränke aus rein natürlichen Zutaten hergestellt, betont Johannes Ehrnsperger, Inhaber und Geschäftsführer der Bio-Brauerei. Bei Zitronen und anderen hier nicht wachsenden Sorten soll die Kooperation mit Naturland die nachhaltige und soziale Integrität garantieren. Bevorzugt werden aber wie beim gesamten Sortiment Zutaten aus regionalem Öko-Anbau. Für den Zucker hat die Neumarkter Lammsbräu extra eine regionale Liefergemeinschaft für Bio-Zuckerrüben gegründet.

Um das Mehrwegsystem weiter zu optimieren, gibt es die besonders beliebten Sorten wie unter anderem Fresh Lemon, Sunny Orange oder Hollerblüte nicht nur in den modernen Longneckflaschen (0,33 Liter). Vielmehr stehen diese jetzt zusätzlich in 0,5-Liter-Poolflaschen zur Verfügung. Damit werde die Rückgabe nun noch unkomplizierter und man komme Kundenwünschen entgegen, heißt es von Unternehmensseite.

Voelkel bietet neben den kleineren Flaschen seit einiger Zeit ebenfalls größere Gebinde an, in diesem Fall 0,7-Liter-VdF Glasmehrweg-Flaschen. Diese seien besonders im Naturkostfachhandel beliebt, stellt Ole Müggenburg vom Marketing fest.

Mit inzwischen schon 18 Sorten der Marke BioZisch will Voelkel den Durst wecken, von Klassikern bis zu Ausgefallenem wie Rosenblüte oder Mate. Bei der Basis der Limonaden sitzt die Bio-Kelterei an der Quelle: Frucht- und Gemüsesäfte in Bio- oder Demeter-Qualität. Dazu kommen Bio-Mineralwasser aus der eigenen Naturquelle im nahen Biosphärenreservat, Kräuter- und Gewürzauszüge sowie neben der fruchteigenen Süße Rohrohrzucker zur Abrundung des Geschmacks.

Voelkel nennt als Top 5 bei den BioZisch Rhabarber, Matcha, Mate, Himbeer Cassis und Zitrone Naturtrüb. So bunt wie die Auswahl scheinen also tatsächlich die Geschmacksvorlieben der Verbraucher zu sein.
Gefragt nach einer sinnvollen Regalgestaltung empfiehlt der Hersteller die Anordnung in Blocks sortiert nach Flaschengrößen. Stünden Geschmacksrichtungen mit ähnlichen Farben dabei nebeneinander, entstehe fast schon ein Regen- bogeneffekt. Unabhängig da-von könne der Handel die kleineren Flaschen gut in Kühlschränken präsentieren und so zum Mitnehmen einladen.

Aus der Reihe tanzen

Andere Anbieter fallen bei ihren Erfrischungsgetränken optisch aus der Reihe. Von der mystisch-anmutenden Cola bis zu den verspielt-farbenfrohen Frizzantes mit Fruchtabbildung stechen die isis bio-Etiketten der Fruchtsaftkelterei Beutelsbacher ins Auge. Die 0,33-Liter-Longneckflaschen sind per Schraubverschluss wiederverschließbar und gewährleisten den Kunden so Auslaufsicherheit auch nach dem ersten Öffnen.

Als Beispiel für den hohen Qualitätsanspruch verweist Beutelsbacher auf die Verwendung von frischen Direktsäften und den Verzicht auf Chinin oder ähnliche Zutaten. Außerdem gelinge es durch die Kombination von Abfüllung, Entgasung und gleichzeitiger Aromarückgewinnung, energiesparend und weitgehend ohne Verlust von Geschmacksstoffen zu produzieren.

Dass das Bewusstsein der Verbraucher für gesundheitlich wertvolle und nachhaltige Lebensmittel zunimmt, spiegelt sich im gewachsenen Gastronomieangebot an alkoholfreien Bio-Getränken wider. Als positiver Rückkopplungseffekt erhöht ein größeres Angebot an Bio im Außer-Haus-Markt ganz allgemein die Bekanntheit der verfügbaren Marken.

Kevin Witzorek, Gründer von Jamu, betont dagegen direkt, dass seine Erfrischungsgetränke als Wellness-Drinks konzipiert seien. Die Grundlage bilden Kräuter, Wurzeln und Gewürze aus der indonesischen Tradition. Je nach Rezeptur sollen sie in den höherpreisigen Jamu-Sorten einen bestimmten Wirkeffekt haben. Jüngste Kreation im kleinen Sortiment ist ein Cannabis Drink mit dem nach wie vor angesagten deutschen Hanf, Ingwer und Kurkuma. Natürlich süße Frucht- und Gemüsesäfte sowie kohlensäurehaltiges Mineralwasser sorgen aber auch hier für den frisch-fruchtigen Geschmackseindruck.

Mal grün, mal braun

Ebenso wie Lemon Aid, die ihre Limonaden in auffälligen grünen Flaschen anbieten und mit dem Verkauf soziale Projekte fördern, hebt sich das Sortiment von Ände gleich auf den ersten Blick durch ihre Angebotsform vom Gros ab. Das junge Unternehmen setzt auf kleine braune Dickbauchflaschen, die denen von Bier ähneln.

Sortenmäßig will Ände in verschiedenen Regionen der Welt Getränkeklassiker aufspüren und daraus erfrischende Kompositionen kreieren, beschreibt Geschäftsführerin Andrea Stenz den Ansatz. So kam in diesem Jahr die Sorte Maracuja & Vanille auf den Markt – auf Grundlage der hawaiianischen Maracuja-Art Lilikoi. Die Kohlensäure habe man wie gewohnt so eingestellt, dass sie sich am besten gut gekühlt direkt aus der Flasche genießen lasse, sagt Andrea Stenz.

Ebenso wie Neumarkter Lammsbräu hat Ände das neue Jahr daneben mit der Einführung einer neuen Linie begrüßt: alkoholfreie Bio-Biermix-Getränke. Mit diesen möchte das Unternehmen künftig auch denen entgegenkommen, die einen leicht herberen Geschmack suchen. Bei einer Familienbrauerei als Abfüllpartner habe diese Innovation nahegelegen. Zur leichten Un- terscheidbarkeit werden die neuen ‚Summer Brews‘, einmal mit Ingwer- und einmal mit Mandarinengeschmack, in braunen Mehrweg-Longneckflaschen verkauft.

Vom Pionier zum Klassiker

Bionade ist der Pionier für gebraute Bio-Limonaden – eingeführt im Jahr 1994 – und gilt heute unter dem Dach von Hassia Mineralwasser als Marktführer im Segment. Der Herstellungsprozess beruht wie beim Brauen von Bier auf einer Vergärung von Malz mit Hefe. Im Unterschied dazu bildet sich aber kein Alkohol. Vielmehr fermentieren Milchsäurebakterien den Sud teilweise weiter zu mildsaurer Gluconsäure, die zum typischen Charakter der Erfrischungen beiträgt.

Die Bionade-Range umfasst inzwischen zehn Sorten, vom roten Sortenliebling Holunder über Streuobst bis hin zu den neueren Produkten naturtrübe Zitrone und Orange. Mit drei kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken aus belebendem Matetee hat Bionade schon zuvor als ein weiterer Bio-Hersteller den Trend zu leicht herben Geschmacksnuancen aufgegriffen.

Mit maximal fünf Prozent Zucker sei das Sortiment auch weniger süß als herkömmliche Limonaden, ergänzt das Unternehmen. Für Mai kündigt Bio- nade zudem eine Sonderedition an, die Sorte Zitrone-Bergamotte. Von jeder verkauften Flasche, mit denen auf die Bedrohung von Schmetterlingen aufmerksam gemacht werden soll, fließt ein Teil an die Biodiversity Foundation.

Es liegt nahe, dass Brauereien den Ansatz der Fermentation ebenfalls aufgegriffen haben, zum Beispiel die Riedenburger Bio-Brauerei mit herb-fruchtigen Limonaden unter der Marke Pure. Hergestellt werden die vier Sorten auf Basis von fermentiertem Dinkelmalz mit Fruchtsäften und -auszügen, Agavensüße und reinem Brauwasser.

Trotz der Fülle Platz für Neues

Die Auswahl an hochwertigen Bio-Erfrischungsgetränken ist also groß. Trotzdem lässt sich mit spannenden neuen Ideen Aufmerksamkeit wecken. Die exotische Gua Limo aus dem Hause Widerker Beverages ist ein gutes Beispiel dafür. Ihre Konsistenz wirkt dicker und sämiger – das Mundgefühl unterscheidet sich damit deutlich von üblichen kohlensäurehaltigen Limonaden. Tatsächlich bildet Püree aus weißer Bio-Guave (bis zu 15 Prozent) die Grundlage für das noch überschaubare Sortiment. Nach der Kombination mit Holunder und Minze, Lemongras oder Ingwer und Kurkuma steht mit der intensiv-aromatischen Yuzu-Frucht eine weitere Variante in den Startlöchern. Zum Vertrieb hat sich Widerkehr bewusst für den Kistenpool-Weg mit Logipack-Mehrwegkisten entschieden, da dies durch die vier Sortierzentren einen nachhaltigen Service ohne unnötiges Herumfahren von Leerkisten garantiert. Auch hat man sich Gedanken gemacht, wie interessierte Abnehmer die Gua-Linie während des Lockdowns persönlich kennen könnten. Der Ansatz, Probierboxen zusammen mit Videos zur Marke, Geschichte und Markteinführung zu verschicken, dürfte weiterhin zum Service gehören.

Glas und Mehrweg ist für Bio erste Wahl, aber nicht nur. Wer seinen Kunden alternativ Limonaden in leichten PET Flaschen anbieten will, kann das Sortiment von IMS Höllinger aus Österreich aufnehmen. Seit kurzem bestehen die Flaschen aus recyceltem rePET. Neben Eistee auf Bio-Früchteteebasis gibt es Sprizz-Getränke von Holunderblüte bis Johannisbeere, mit reduziertem Zuckergehalt als Bonus.

Bettina Pabel

 

Bio-Cola für alle
Cola und Bio ist kein unüberwindlicher Widerspruch mehr. Um dem anregenden Original nahe zu kommen, schlagen Anbieter wie Fritz Kulturgüter, die Neumarkter Lammsbräu, Beutelsbacher, Voelkel oder IMS Höllinger unterschiedliche Wege ein. Tabu sind bei den Biovarianten dabei stets die aggressive Phosphorsäure, künstliche Süßstoffe und ebensolche Aromen. 
Die Fritz-Kola verdankt ihren Wachmacherkick 25 Milligramm Coffein aus Arabica Kaffee. Voelkel bietet dagegen neben einer Sorte mit natürlichem Coffein auch eine Cola mit belebendem Guarana-Extrakt aus ökologischem Anbau, ergänzt durch Kräuter und Gewürze. Auch Beutelsbacher und now verwenden die anregenden Guarana-Kirschen aus dem Amazonas, dazu eine ausgetüftelte Kombination verschiedener aromatischer Pflanzenauszüge und Karamellzuckersirup. IMS Höllingers schwarze Limo ist völlig frei von Coffein. 

 

Steigende Rohstoff- und Energiekosten
Hersteller unterschiedlichster Branchen sehen sich mit massiven Kostensteigerungen konfrontiert, beispielsweise für Energie, Logistik (Frachträume, Paletten etc.), Rohstoffe oder Verpackungsmaterialien. Diese lassen sich nicht mehr über interne Gegenmaßnahmen ausgleichen, zumal davon auszugehen ist, dass vieles Bestand haben wird – so zumindest die Einschätzung von Bionade. Andrea Stenz von Ände stimmt dem zu und sagt, man nehme die Preise der Partner an und wolle sie nicht drücken. „Wir versuchen, diese Preissteigerungen durch weitere eigene Prozessoptimierung und gesundes Wachstum abzufedern. Doch am Ende bleibt eine Steigerung, die letztlich beim Kunden ankommen wird“, so die Geschäftsführerin. Es seien schlichtweg die wahren Kosten, mit denen alle mehr und mehr umzugehen lernen werden müssen. 
Trotzdem und trotz Corona wurden laut dem Branchenverband für Erfrischungsgetränke wafg im vergangenen Jahr 2021 im Vergleich zum schwachen Niveau des Vorjahres in Deutschland wieder mehr Erfrischungsgetränke konsumiert. Vorläufige Berechnungen schätzen den Pro-Kopf-Verbrauch auf 118,6 Liter, ein Plus von 3,4 Prozent.

Bildstrecke: Anuga 2021_Sortimente_Kaltgetränke