Start / Business / Themen / Studien / Nicht-perfektes Obst und Gemüse im Bio-Handel

Studie

Nicht-perfektes Obst und Gemüse im Bio-Handel

Uni Kassel untersucht Akzeptanz und Vermarktungsstrategien

Nicht-perfektes Obst und Gemüse im Bio-Handel © BLE
Store Test Karotten: Ein Preisnachlass trug nicht wesentlich zum besseren Absatz der krummen Möhren bei.

Die Vermarktung von Obst und Gemüse mit Schönheitsmängeln ist ein wichtiger Schritt gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Forscher der Universität Kassel haben untersucht, wie die ‚suboptimalen‘ Frische-Produkte bei Bio-Kunden ankommen, und welche Rolle Preisnachlässe, Plakatwerbung und Kistenfüllstand spielen.

Verkaufstests im Öko-Handel zeigten, dass Produkte mit geringfügigen Beeinträchtigungen der Optik sehr gut und ohne Preisnachlass von den Kunden angenommen würden. Bei eindeutigen optischen Mängeln blieben die Produkte jedoch trotz Preisnachlass unverkäuflich.

Der anhand von vier Produkten errechnete geforderte Preisnachlass für ‚Suboptimal Food‘ liege im Durchschnitt bei ca. 22 Prozent. Im ‚Store Test Karotten‘ sei über einen Preisnachlass von fast 30 Prozent keine erkennbare Lenkungswirkung festgestellt worden, Äpfel mit kleinen sichtbaren Mängeln hätten dagegen auch ohne Rabatt guten Anklang gefunden.

Nach Befragungen der Bio-Konsumenten würden optische Auffälligkeiten eher als ein Zeichen von Natürlichkeit und einer biologischen Produktion denn als Produktmangel wahrgenommen. Zwei Marketingstrategien, einmal mit informativer, einmal mit verspielterer Darstellung trugen zu einer leichten Absatzsteigerung der Früchte bei.

Einen messbaren Einfluss hatte außerdem der Kistenfüllstand: War die Kiste mit suboptimalen Äpfeln und Möhren voller als die danebenstehende Kiste mit optisch einwandfreier Ware, griffen die Kunden tendenziell häufiger zur makelhaften Ware.

Für die Praxis empfehlen die Studienautoren:

  • Produkte mit geringfügigen optischen Mängeln gemeinsam mit makelloser Ware ohne Preisnachlass vermarkten
  • Produkte mit stärkeren optischen Beeinträchtigungen besser anderweitig verwerten (zum Beispiel zur Herstellung von Saft)
  • Bio-Kunden gezielt als Zielgruppe adressieren
  • Aufklärung mit emotionaler Kundenansprache kombinieren

Weitere Empfehlungen finden Sie im Praxismerkblatt zur Studie, die ausführlichen Studienergebnisse gibt es hier.

 

Hintergrund

Das Forschungsprojekt ‚Marketing von Suboptimal Food im Öko-Handel‘ wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) betreute das Vorhaben als Projektträger.


Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

Markenvielfalt statt Abgrenzung

Wie Bio-Marken mit authentischem Charakterden Bio-Markt beflügeln können

Das Interesse an Bio-Lebensmitteln steigt stetig an – gemessen sowohl an der Käufer-Zahl wie auch an der Produktanzahl im Warenkorb. Doch als Megatrend ist Bio gleichzeitig auch austauschbar bis willkürlich geworden. Laut einer PwC-Konsumentenbefragung zu Bio-Lebensmitteln und deren Kennzeichnung aus dem Jahr 2021 werden seitens der Konsumenten mehrheitlich kaum Unterschiede zwischen Bio-Handelsmarken und klassischen Bio-Herstellermarken wahrgenommen.

05.07.2022mehr...
Stichwörter: Marketing, Obst + Gemüse, Studie, Lebensmittelverschwendung, Vermarktung, Universität Kassel

Pennys Bio-Helden sind gefragt

Zweistelliger Umsatzsprung bei Obst und Gemüse mit optischen Mängeln

Pennys Bio-Helden sind gefragt © Penny

Seit 2016 verkauft der Discounter Penny unter seiner Bio-Eigenmarke Naturgut Obst und Gemüse mit Formfehlern: die ‚Bio-Helden‘. Bei den Konsumenten kommen die Produkte an, im vergangenen Jahr gab es laut Angaben des Discounters ein Umsatzwachstum von über 27 Prozent. Der Umsatzanteil der Bio-Helden am gesamten Obst- und Gemüse-Umsatz liege damit nun bei zwölf Prozent.

28.01.2022mehr...
Stichwörter: Marketing, Obst + Gemüse, Studie, Lebensmittelverschwendung, Vermarktung, Universität Kassel

Schluss mit optisch perfektem Obst und Gemüse

Umweltbundesamt und Verbraucherzentralen kritisieren Handelsvorgaben

Schluss mit optisch perfektem Obst und Gemüse

Die Vorgaben des Handels für Aussehen und Größe von Obst und Gemüse befeuern den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln und führen zu unnötigen Lebensmittelverlusten. Die Verbraucherzentralen und das Umweltbundesamt (UBA) haben die aktuelle Situation im Handel und die Konsequenzen für die Umwelt untersucht. Sie fordern den Verkauf von Obst und Gemüse in jeder Größe und Optik.

24.01.2022mehr...
Stichwörter: Marketing, Obst + Gemüse, Studie, Lebensmittelverschwendung, Vermarktung, Universität Kassel

Nachhaltigkeit als Mindestanforderung

Marken mit Haltung und Engagement werden von den Kunden honoriert

05.06.2020mehr...
Stichwörter: Marketing, Obst + Gemüse, Studie, Lebensmittelverschwendung, Vermarktung, Universität Kassel


Wie reagieren Zellen auf Mikro- und Nanoplastik?

Forscherteam des Bundesinstituts für Risikobewertung prüft ungesunde Wirkungen von Plastikpartikeln

18.07.2022mehr...
Stichwörter: Marketing, Obst + Gemüse, Studie, Lebensmittelverschwendung, Vermarktung, Universität Kassel