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Faire Bio-Rohstoffe im Direkthandel

Faire Bio-Rohstoffe im Direkthandel

Bessere Preise bei fairem Lohn für die Erzeuger, eine umfassende Produktdatenbank und die Rückverfolgung bis zum Ursprung landwirtschaftlicher Rohstoffe: Das verspricht das Startup betterEco mit seinem digitalen Beschaffungssystem. So soll Lebensmittelbetrug schon im Vorfeld unterbunden und eine nachhaltige und sozialverträgliche Landwirtschaft gefördert werden.

Ab 2023 gilt in Deutschland das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Auch EU-weit soll bald ein Lieferkettengesetz mit noch strengeren Regelungen in Kraft treten. Eine fälschungssichere Rückverfolgbarkeit bis zum Ursprung der verwendeten Rohstoffe ist da-mit für Lebensmittelverarbeiter wichtiger denn je.

Zwischenhandel vermeiden und Transparenz sichern

Milliardenverluste für die EU werden jährlich durch Lebensmittelbetrug verursacht. Und: „Lebensmittelbetrug beginnt auf dem Feld“, erklärt die betterEco GmbH in ihrem Imagefilm. Über eine Blockchain-basierte Technologie, die bereits zum Patent angemeldet wurde, will das Startup für Einkäufer zuverlässige Informationen über alle auf ihrer Plattform angebotenen Rohstoffe zur Verfügung stellen. Auch bei Produktmischungen oder Umverpackungen sollen Verunreini- gungen bis zum Verursacher zurückverfolgt werden können.

Zugleich kann die Plattform für Verarbeitungsunternehmen den Zugang zu vielen neuen Bio-Lebensmittelressourcen bedeuten, in der Regel abgesichert durch Zertifikate wie EU-Bio, Naturland, Demeter, NOP und Bio Suisse; Rainforest Alliance und Fairtrade; HACCP und IFS.

„Das globale B2B-Handelssystem mit seinen vielen Kosten-verursachenden Zwischenstellen und der fehlenden Transparenz ist heute nicht mehr zeitgemäß“, erklärt Gründer Stephan Andrae. BetterEco will daher die Chancen der Digitalisierung nutzen und den direkten Handel zwischen lokalen Anbaukooperativen und Verarbeitern ermöglichen.

„Better economy makes better ecology – eine bessere Wirtschaft schafft eine bessere Umwelt“, so Gründerin und Geschäftsführerin Simone Andrae über das Motto des Unternehmens. „Wir wollen beweisen, dass Fairtrade und Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit zusammengeht.“

Großabnehmer und Genossenschaften vernetzen

Zielgruppe sind Großabnehmer der Lebensmittel-, Kosmetik- und Phytopharmaindustrie und Erzeuger ab einer gewissen Größenordnung. Mindestens eine Containerladung voll sollen die Lieferanten stellen können, bei besonderen Produkten wie Safran und Vanille seien auch kleinere Mengen ausreichend. Genossenschaften mit mindestens 200 Landwirten oder große Einzelprojekte mit mindestens 200 Hektar Land, die seit zwei Jahren rechtsgültig registriert sind, können sich auf der Plattform ein Profil anlegen.

Sowohl Käufer als auch Verkäufer müssen für Transaktionen eine geringe Gebühr zahlen und einen niedrigen jährlichen Mitgliedsbeitrag ent- richten. Bis jetzt werden Zahlungen noch außerhalb der Plattform abgewickelt, man arbeite aber daran, in Kooperation mit verschiedenen Banken bald eine direkte Zahlungsfunktion zu ermöglichen. Über die Plattform geschlossene Verträge seien rechtlich bindend. Ein komplexer Kundenidentifikationsprozess stelle sicher, dass die Nutzer vertrauenswürdig und Risiken ausgeschlossen sind.

Laut den Gründern soll die Plattform zunächst in Deutschland und Europa getestet und ab 2023 schrittweise international ausgeweitet werden. Alle Nationalitäten seien willkommen. Bereits 80 Anfragen aus 40 Ländern seien eingegangen.  Die betterEco GmbH wurde als Finalist für den Innovationspreis Berlin Brandenburg und für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022 ausgewählt.

Lena Renner

 

Die Gründer
Vor fünf Jahren, im März 2017, haben Stephan und Simone Andrae die betterEco GmbH ins Leben gerufen. Simone Andrae hat 20 Jahre lang in der internationalen Investmentbanking-Branche gearbeitet und ist auf Projektfinanzierung, Investitionsschutz und Risikominimierung spezialisiert. Stephan Andrae ist Agrar- und Umweltingenieur und bringt viel Erfahrung aus der Ökolandbau-Branche mit. Nach der Ausbildung arbeitete er über zehn Jahre als Betriebsleiter großer Fincas auf Mallorca. Acht Jahre lang war er Vizepräsident der BCS Öko-Garantie GmbH, der ersten staatlich anerkannten Bio-Kontrollstelle in Deutschland.

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