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Pionier in der Bio-Kontrolle

Certisys ist belgischer Marktführer für Öko-Zertifizierungen

Pionier in der Bio-Kontrolle

Schon seit 30 Jahren ist der Zertifizierer Certisys im Geschäft und kontrolliert heute insgesamt 3.500 Kunden, über zwei Millionen Tiere und 66.600 Hektar Bio-Fläche. Zu seinen Schwerpunktländern Belgien und Luxemburg kommen 45 internationale Projekte in Afrika. Die Arbeit vor Ort wird von 26 Inspektoren bewerkstelligt, deren Analyse Grundlage für die Vergabe von Zertifikaten ist.

1991 wurde Certisys als ‚Ecocert Belgium‘ von Blaise Hommelen, Mitinitiator der belgischen Bio-Bewegung, gegründet, 2007 erfolgte die Namensänderung zu Certisys. Im April 2021 ist das Unternehmen nun wieder Teil der Ecocert-Gruppe mit Sitz in Isle-Jourdain in Frankreich geworden. „Wir haben von Anfang an zusammengearbeitet und die ganze Zeit engen Kontakt gehabt“, erklärt Jérôme Kirsch, der seit 15 Jahren als Auditor für Certisys tätig ist. Bisher war Certisys ein Familienunternehmen, der Gründer sei jetzt aber in Pension gegangen.

Insgesamt betreut der Zertifizierer heute um die 3.500 Kunden – hauptsächlich in Belgien, aber auch in Zentralafrika, Luxemburg und Deutschland, wo man mit lokalen Prüfern zusammenarbeitet. Erzeuger machen den größten Teil der kontrollierten Betriebe aus, aber auch Verarbeiter, Verkaufsstellen und Händler lassen sich von Certisys zertifizieren. Bei den kontrollierten Flächen überwiegt in Belgien bei weitem das Grünland (über 75 Prozent), gefolgt von Getreide. Andere Anbaukulturen machen zwar erst einen geringen Anteil aus, sind aber mit einem Wachstum von fast 40 Prozent stark im Kommen.

Die Hälfte der gut 50 Mitarbeiter von Certisys besteht aus Auditoren – „am liebsten Leute aus der Region“, also Flamen für Flandern oder ein Mitglied der Deutschsprachigen Gemeinschaft für das wallonische Ostbelgien. Das Zertifizierungsangebot umfasst neben EU-Bio auch Verbandssiegel wie Demeter und nationale Siegel wie Bio Suisse oder das amerikanische NOP (National Organic Program), außerdem Eco- und Biogarantie für Kosmetika und Reinigungsmittel.

Buchführungscheck nach Normwerten

„Wir kommen durchschnittlich zweimal im Jahr, müssen aber das ganze Jahr überprüfen“, so Kirsch. Dafür untersuchen die Kontrolleure etwa die Produktionsaufzeichnungen auf Plausibilität. Sind alle erforderlichen Dokumentationen vorhanden? Wurden ausreichend Rohstoffe eingekauft und kein Produkt gestreckt? Wie sieht der Warenbestand Anfang und Ende des Jahres aus? Diese Fragen müssen bei den Audits von Verarbeitern geklärt werden.

Auch bei der Kontrolle der Erzeuger werde die Buchführung genau überprüft. Welches Saatgut wurde verwendet und welcher Dünger in welchen Mengen ausgebracht? Passt die Legeleistung zur Anzahl der Hennen und die produzierte Milch zur Anzahl der Kühe? „Wir haben Normwerte und können dadurch Unstimmigkeiten entdecken.“ Auch zu wenig dokumentierter Futtereinsatz sei verdächtig, weil dann vielleicht konventionelles Futter zugekauft wurde.  

Bei Tierhaltern umfasst das Audit das Herdenbuch, in dem etwa die ärztliche Behandlung mit Medikamenten aufgeführt werden muss. Während der Behandlung dürfen keine Erzeugnisse der Tiere verkauft werden. Die offizielle Wartezeit danach werde im Bio-Bereich bei jeder Arznei verdoppelt und liege bei mindestens 48 Stunden.

Pauschaltarif nach Betriebsgröße

„Wir analysieren nur und notieren, wie gut ein Betrieb zur Bio-Gesetzgebung passt“, erklärt Kirsch. Die Entscheidung über Verwarnungen, Rückstufung oder Sperre sei aber keine persönliche, sondern werde später in der Zertifizierungsabteilung getroffen. Dort halte man sich an das sehr wichtige Sanktionsregister, das von den lokalen Behörden aufgestellt wird, mit denen Certisys in ständigem Kontakt steht. „Wir sind ein privates Unternehmen, handeln aber im Auftrag von Staat und Regionen.“

In der Wallonie haben die lokalen Behörden einen festen Pauschaltarif für die Kosten einer Zertifizierung festgelegt. Der ist nicht von den Arbeitsstunden der Auditeure abhängig, sondern bemisst sich nach der Größe der kontrollierten Betriebe. Zur Grundgebühr von 380 Euro zahlt ein Landwirt aktuell rund neun Euro pro Hektar Grünland und drei Euro pro Kuh. „So wird es für kleine Unternehmen günstiger.“ Mittels eines Simulationstools auf der Homepage von Certisys können Kunden ihre Tarifklasse selbst berechnen. Alle zertifizierten Betriebe können dort außerdem per Suchfunktion gefunden werden.

Lena Renner


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