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Ardenner Schinken in Bio-Qualität

Die Genossenschaft PQA steht für Qualitätsschweinefleisch aus den Ardennen

Ardenner Schinken in Bio-Qualität © PQA

Mehr Tierwohl, eine transparente Rückverfolgbarkeit bis zum Hof und einen gerechten Lohn für die Erzeuger: Das gewährleistet die Genossenschaft ‚Porc Qualité Ardenne‘ (Qualitätsschweinefleisch aus den Ardennen) mit ihren Wurst- und Fleischspezialitäten. Alle Produktionsschritte von Aufzucht bis Vermarktung sind unter dem Dach der PQA vereint. Mehr als ein Drittel der zugehörigen Landwirte sind inzwischen Bio-zertifiziert.

1989 wurde die Genossenschaft von 14 Landwirten und einem Metzger ins Leben gerufen, um den üblichen Zwischenhandel zu umgehen. Sie wollten eine artgerechtere Schweinehaltung etablieren und dafür einen angemessenen Lohn erhalten. Mit dem eigenen Siegel ‚Schwein vom Bauernhof‘ (Le Porc Fermier) definierten sie 1993 gemeinsame Kriterien, wie den Verzicht auf Gentechnik und Antibiotika, ein Verbot von Spaltenböden, die Fütterung mit Pflanzenfutter (75 Prozent Getreide) sowie eine stressfreie Schlachtung. Anfang der 2000er Jahre wurde das Siegel mit einer Bio- und einer Freiland-Variante ergänzt.

„Jede der drei Erzeuger-Gruppen hat einen Sitz im Rat“, erzählt Didier Poumay, der seit 25 Jahren als Handelsvertreter für die Firma arbeitet. Der Vorstand bestehe ebenfalls aus mehreren Züchtern und werde von allen Mitarbeitern gewählt. Heute gehören zur Genossenschaft insgesamt 130 Landwirte, davon 50 Bio-Landwirte. „Wir haben vor allem kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe und nur ein, zwei große“, so Poumay. Zusammen hält die PQA 10.000 Schweine und erwirtschaftet mit ihren Produkten einen Umsatz von rund 22 Millionen Euro, ein Drittel davon über die Bio-Linie.

Rückverfolgbar vom Laden bis zum Hof

Zu den Erzeugern kommen 65 Mitarbeiter, die für die Genossenschaft alles vom Transport über das Schlachten bis hin zur Verarbeitung, Verpackung und Vermarktung erledigen. „Eine so rückverfolgbare Wertschöpfungskette ist in Belgien bisher einzigartig“, meint Poumay. Ein eigener Schlachthof befindet sich heute in Malmedy, nahe an der Grenze zur deutschen Eifel. An zwei bis drei Tagen pro Woche werden hier insgesamt 1.000 Schweine, davon 300 Bio-Schweine geschlachtet.

Die Verarbeiter sorgen für eine große Produktvielfalt. Neben Frischfleisch von Kotelett bis Eisbein gibt es Bratwürste, Schnitzel und Filet, außerdem Kochschinken, Fleischwurst, Pasteten oder Frankfurter. Besondere Feinschmecker-Produkte sind die Räucherwaren: Ardenner Schinken, Nussschinken, Salami und Ardenner Kranz. Die Würste werden trocken gesalzen und in einer eigenen Räucherei mit Eichenholz geräuchert. Sie tragen das EU-Qualitätssiegel ‚Indication Géographique Protégée‘ (geschützte geographische Angabe).

Wachstum durch die Bio-Sparte

„Ausschließlich von Bio-Schweinen könnten wir aktuell nicht leben“, erklärt Poumay. „Die Bio-Produktion ist aber für einen Großteil des Wachstums verantwortlich“. Während Covid sei die Nachfrage nach lokalen Bio-Produkten in die Höhe geschnellt – und bisher nicht zurückgegangen. Zwei Mitarbeiter, die für die Betreuung der Landwirte zuständig sind, bieten auch eine Umstellungsberatung an. Besonders junge Landwirte der Genossenschaft könnten aktuell gut dafür gewonnen werden. Neue konventionelle Bauern werden heute von PQA nicht mehr aufgenommen.

Für weitere Bio-Landwirte sei man prinzipiell offen, wolle dabei aber die Regionalität nicht verlieren. „Wir haben gerade ein schönes Wachstum und möchten uns nur in der Region weiterentwickeln“, so Poumay.

Was den Verkauf anbelangt, ist die Genossenschaft allerdings schon über die Ländergrenzen hinweg tätig: Exportierte Waren kommen in die Nachbarländer Holland, Frankreich und Luxemburg. Auch Deutschland sei mit 10 bis 15 Prozent des Umsatzes ein wichtiger Exportmarkt. Seit 20 Jahren arbeitet PQA mit dem deutschen Distributor Jürgen Würth zusammen, für die Gastronomie besteht eine Kooperation mit Deli-Team. Außerdem werde eine große Metzgerei in Aachen beliefert.

Auch im Tierbestand gibt es eine Entwicklung: Schafe und Limousin-Rinder ergänzen seit kurzem die Schweine-Herden. Sechs Rinder und 80 Lämmer pro Woche werden aktuell geschlachtet und für den Bio-Markt verarbeitet.

Lena Renner


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