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Editorial

Editorial Ausgabe 108/Juli 2021, 3. Quartal

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Bio jubiläumt 2021 allerorten. Beginnen wir hinten: 10 Jahre EU, 20 Jahre Bio-Siegel, 40 Jahre VSBLO Bio-Suisse und 50 Jahre Bioland. Für das Frauenwahlrecht wurde weit mehr als doppelt so lange gekämpft, bis es auch die Schweizer im letzten Winkel eingeführt hatten. Die Jubiläen werden wir im Oktober im Anuga Organic Forum feiern.

Vielfalt, Nachhaltigkeit und aktuell auch Transformation werden in der Wirtschaft behandelt wie Moden oder Trends. Viele Argumente gleichen denen vor 30 Jahren, als die Grüne Revolution von Bayer und BASF verkündet wurde. Wir retten die Welt: Ohne Agrochemie würde die Menschheit verhungern, stand in deren Werbung. Die gleiche Drohung stoßen sie heute aus als Reaktion auf die Verordnung der Regierung Sri Lanka, mit der die Agrochemie aus dem Land verbannt wird.

Transformation sollte Änderung hin zu Notwendigem meinen und dabei zu Besserem! Oft entpuppt sich Transformation als profane Marktentwicklung wie beispielsweise beim Fleischersatz. Ersatz, weil die Konsumenten Tierwohl immer wichtiger finden und der Fleischkonsum daher zurückgeht. Und der Vegetarierverband an größerem Einfluss arbeitet. Statt Umdenken wird Ersatz gedacht und schnell was Neues erfunden.

Wachstum MUSS sein! Nachhaltigkeit geht dabei unter. Wie kann von Nachhaltigkeit gesprochen werden bei Produkten, die weit entfernt sind von gewachsener Natur und daher der Gesundheit unmöglich dienen können. Auch Veganer und Vegetarier wollen Bio-Qualitäten. Ihnen werden jedoch zu oft nur Pseudo-Lebensmitteln angeboten.

Immer mehr, immer besser hatten wir schon. Nur Heute stehen wir vor der Zerstörung des Planeten. Wirtschaftswissenschaftlich lebt Wachstum vom immer mehr. Die Zählheinis von gestern kommen davon auch nur schwer weg. Neues Wachstum in Qualität als Alternative ließe sich zwar (er)schaffen, aber dem verführten Wahlvolk verkauft es sich nicht so einfach wie die billige Wurst an der Angel.

Die Umrüstung auf Nachhaltigkeit hat es schon weit gebracht. Wasserstoffstahl statt Kohlenstoffstahl, super Laschet, das lässt sich gut verkaufen. Stahl formt –  schon immer! Und wenn Stahl mit Wasserstoff kooperiert, dann kommt die CO2-freie Wasserstoffwirtschaft. Da mach ich mir dann mit dem Solarstrom von meinem Dach und Wasser aus dem Bach die eigene Energie, ähnlich wie Erdbeeren aus dem eigenen Garten? Wäre da nur mal nicht Vater Staat und seine Gier nach Steuern.

Aber auch: Die US-Lebensmittelwirtschaft hat den Organic Zug gekapert. Und was machen die jetzt daraus? Lesen Sie auf Seite 44, wie eine Lobby in den USA Bio den Garaus macht. Schnell mal mit Glyphosat riesige Flächen platt spritzen, abgedeckt mit schwarzer Plastikfolie wächst da drunter nichts mehr. Und oben drauf stellen sie Hydrokultur und produzieren darin Bio! So jedenfalls wachsen die Pflanzen getrennt vom Glyphosat verseuchten Boden. Auf den Etiketten steht Nachhaltigkeit und Organic. Ganz ohne Boden geht jedoch NIX. Jedenfalls nicht in der EU. Adieu seriöse Bio-Importe. Mehr dazu auch regelmäßig auf den tagesaktuellen bioPress Webseiten.
Vielfalt und Transformation: Neben nachhaltiger Entwicklungspolitik ist diese bioPress-Ausgabe gespickt mit Ernährungs-Politik und Themen zu Gesundheit – die der Menschen und der Natur –, sie zeigt aber auch, wie es nicht geht!

Die Anuga im Herbst zeigt den Spagat zwischen Alt und Morgen. Dazwischen ist echtes Bio jetzt fest etabliert. Schon seit 20 Jahren inspirieren und transformieren Bio-Anbieter hier die Herzen der Lebensmittelbranche. Nun, auf dem Weg, gibt es kein Zurück mehr.

Die Bio-Themen im virtuellen Anuga Organic Forum werden live rund um den Erdball zu hören und zu sehen sein. Eine Vorschau dazu verzögert sich Corona-bedingt auf die nächste bioPress.

Erich Margrander
Herausgeber


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