Start / News / Bio-Tops / Wie die GAP Bio-Bauern benachteiligen wollen

BÖLW

Wie die GAP Bio-Bauern benachteiligen wollen

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft kritisiert die Eco-Schemes, die der Bundestag momentan verhandelt

Wie die GAP Bio-Bauern benachteiligen wollen
Peter Röhrig (Geschäftsführer BÖLW)

Am 9. und 10. Juni 2021 wird die EU-Agrarpolitik (GAP) in Deutschland weitgehend festgelegt. Dann beschließt der Bundestag die Gesetze, mit denen Milliarden von Euro in die Landwirtschaft fließen.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sieht Bio-Bauern in einigen Gesetzesentwürfen benachteiligt. Welche Hürden ihnen vorgesetzt werden, erläuterte ein Pressegespräch, das am 9. Juni unter dem Titel 'Geraten Bio-Höfe mit der Agrarpolitik unter die Räder?' stattfand.
Der Rahmen, den die GAP setzt, entscheidet darüber, ob Landwirte zukünftig nachhaltiger und ökologischer wirtschaften können. Wesentlich hierfür sind zwei Säulen: Die 1. Säule der GAP enthält Direktzahlungen an Landwirte, die 2. Säule fördert etwa die ländliche Entwicklung. Bestenfalls können Bio-Landwirte aus beiden Töpfen Gelder erhalten. Der BÖLW begrüßt, dass sie in der 2. Säule nach wie vor gut aufgestellt sind, kritisiert aber, dass sie in Verbindung mit der 1. Säule benachteiligt werden.

  • Das Ungleichgewicht beginnt schon damit, dass die bisherige GAP-Gesetzgebung Quantität vor Qualität bevorzugt. Prämien richten sich also pauschal nach der Flächengröße eines Betriebs und nicht nach Umweltleistungen, wie sie ein Bio-Bauer erbringt.  
  • Diese Benachteiligung von Bio-Bauern und -Bäuerinnen ließe sich durch stärkere Zahlungen aus der 1. Säule ausgleichen, die finanzielle Leistungen an die so genannten Eco-Schemes binden. Damit wären Bio-Landwirtschaften wieder wettbewerbsfähig gegenüber den konventionellen Landwirtschaften. Doch sind einige Eco-Schemes so gehalten, dass manche Bio-Bauern sie nicht erfüllen können. 
  • Dazu komme laut BÖLW, dass manche Fördergelder nicht mit der 2. Säule kombinierbar sind, Bio-Bauern also nur aus einer Quelle unterstützt werden. In einer ersten Schätzung rechnet der BÖLW – je nach Betriebsgröße – mit einem Verlust an Prämien von zirka 20 Prozent.

Ein konkretes Beispiel ist etwa Eco-Scheme 4, das die Extensivierung des gesamten Dauergrünlands des Betriebs betrifft. Grundsätzlich begrüßt der BÖLW den Gedanken. Denn mehr Weideland hilft Insekten, die den Dung benötigen und vermehrt die Humus-Bildung. Doch Gelder sollten nach Ansicht der BÖLW nicht pauschal aufgrund der Hektar-Zahl fließen. Vielmehr sollten Faktoren wie die Viehbestanddichte, Anzahl der Weidetage und ein Mindestweideanteil berücksichtigt werden, die den Umweltleistungen von Bio-Bauern entgegenkommen.

Voraussichtlich am 10. Juni 2021 werden die GAP-Gesetze den Bundestag passieren. Als Einspruchsgesetze muss ihnen zwar der Bundesrat noch zustimmen, doch geht die BÖLW davon aus, dass dies glatt vonstatten geht.  Doch ergeben sich erstens bei der Ausgestaltung durch die Bundesländer noch Möglichkeiten. Zweitens laufen die Trialog-Gespräche zur GAP innerhalb der EU noch bis  Herbst, aus denen noch Anstöße kommen könnten.

Dirk Hartmann


Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

Fokus Bio-Baustellen

bioPress/Anuga Organic Forum vom Oktober 2021 beleuchtet Stellschrauben von Bio in Deutschland und der Welt

Fokus Bio-Baustellen

Was ist los mit Bio in den USA? Warum hört man eigentlich nichts von Russland? Und was kann Deutschland tun, um den Vorbildern Dänemark und Österreich zu folgen und beim Ziel von 25 Prozent Bio-Fläche in der EU mitzuziehen? Hochkarätige Referenten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten beim 11. Anuga Organic Forum vom bioPress Verlag in sechs Sessions über die Bio-Entwicklung vor Ort und weltweit. Die Moderation organisierte Bernward Geier.

Die Video-Aufzeichnungen mit Desktop-Auflösungen befinden sich am Ende des Beitrags.

Und hier sind die Links zu den kleineren Auflösungen für Smart Phone und Tablet

1. Entwicklung der biologischen Landwirtschaft in Europa im Kontext des Green Deal
------------------

2. Biomarkenkern als Motor der Transformation
-----------------

3. 25 % Bio in der EU - Wie schaffen wir das bis 2030 ?
-----------------

4. Öffentliche Beschaffung und Verpflegung - Booster für Bio?
-----------------

5. Bio in den USA: Integrität bewahren / Organic in the USA: upholding integrity
-----------------

 

 

25.11.2021mehr...
Stichwörter: BÖLW, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Direktzahlungen, Eco-Schemes, Bio-Bauern, Ländliche Entwicklung, Fördergelder

Segel setzen für die ökologische Transformation

Demeter für entschiedene Umsetzung des Green Deals

Während die Koalitionsverhandlungen für die neue Regierung laufen, hängen die Verordnungsentwürfe für die nationale Umsetzung der EU-Agrarpolitik zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium unter den geschäftsführenden Ministern fest. Demeter ruft daher zum sofortigen Handeln für eine zukunftsfähige Agrarpolitik auf. Dafür müssten die Eco-Schemes auch für Bio-Betriebe voll wirksam sein.

05.11.2021mehr...
Stichwörter: BÖLW, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Direktzahlungen, Eco-Schemes, Bio-Bauern, Ländliche Entwicklung, Fördergelder

Eco-Schemes dürfen Öko-Bauern nicht benachteiligen

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fordert, Fördergelder der GAP sinnvoller zu verteilen

Eco-Schemes dürfen Öko-Bauern nicht benachteiligen

Momentan beraten die Abgeordneten im Deutschen Bundestag, wie die EU-Agrarpolitik (GAP) in Deutschland umgesetzt wird. Dabei entscheiden sie auch, wer einen Anspruch auf Direktzahlungen hat, was über die so genannten Eco-Schemes erfolgt. Der BÖLW sieht Bio-Bauern von einigen Punkten ausgeschlossen und fordert daher Nachbesserungen.

08.06.2021mehr...
Stichwörter: BÖLW, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Direktzahlungen, Eco-Schemes, Bio-Bauern, Ländliche Entwicklung, Fördergelder

Bundesregierung muss Bio-Bremse lösen

BÖLW zur Bio-Entwicklung in Deutschland

28.06.2021mehr...
Stichwörter: BÖLW, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Direktzahlungen, Eco-Schemes, Bio-Bauern, Ländliche Entwicklung, Fördergelder


AMK einigt sich auf Kompromiss

25 Prozent für Öko-Regelungen

26.03.2021mehr...
Stichwörter: BÖLW, GAP Gemeinsame EU-Agrarpolitik, Direktzahlungen, Eco-Schemes, Bio-Bauern, Ländliche Entwicklung, Fördergelder