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bioPress auf der Biofach eSPECIAL 2021

Kommentar von Erich Margrander, bioPress-Herausgeber

Das erste deutsche Biofachmagazin fördert seit 1994 die Marktbildung für ökologische Lebensmittel. bioPress versteht sich als Informationsdrehscheibe für den gesamten Biomarkt mit Blick über alle Tellerränder hinaus. Jeder auf ökologischen Anbau umstellungswillige Landwirt hilft dem Erdball zurück zur Natur und der Überwindung der umweltzerstörerischen Agrochemie. Bauern entscheiden sich für den Ökolandbau, wenn sie einen Abnehmermarkt vorfinden, der ihnen die ökologische Anbauweise erst ermöglicht. Etwa im Jahr 2000/2001 ist der Bio-Angebotsmarkt gekippt in einen Bio-Nachfragemarkt! Seither entwickelt sich die Verbrauchernachfrage stetig - in manchem Jahr zweistellig. Das hat zwischenzeitlich so gut wie alle Landwirtschaftsministerien in Deutschland und auch die EU auf den Plan gebracht. Ja, die ganze Welt entwickelt Strategien für den Ökologischen Landbau. 

Die Etappenziele von 20 bis 30 Prozent Bioanteil bis 2025/30 sind gesetzt.

Der Bio-Weltmarkt setzt heute über 100 Milliarden Dollar pro Jahr um. Bis zu den von der Politik bereits gesetzten Zielen stehen also mehr als 200 Milliarden zusätzliches Biomarktvolumen auf dem Plan. Das weckt Begierden. Nachhaltigkeitserklärungen auf allen Produktions- und Handelsbenen sind die Folge. Die Ursprünge des ökologischen Landbaus sind der Gefahr von Greenwashing ausgesetzt. Business steht im Vordergrund, nicht mehr die Transformation des Planeten hin zu einer enkeltauglichen Wirtschafts- und Produktionsweise für das Menschen(grund)recht auf gesunde Lebensmittel.

Die Biopioniere sehen mit Entsetzen, was Großkonzerne mit ihren massiven Aufkäufen von Biounternehmen - der ersten Stunde - anrichten können. Startups bevölkern die Bioszene und setzen ein Gegengewicht. Doch reicht das, die Strukturen wieder auf (Natur-)Linie zu bringen?

Was fehlt, was läuft richtig, was falsch?

Einigkeit, Zusammenhalt, Solidarität und soziales Gewissen der ersten Stunde sind verdrängt. Die Gefühle und Antriebe vom Beginn der Entwicklung sind vernebelt von der Masse, die heute Bio angeboten bekommt und Bio kauft. Aber war/ist Bio für Alle nur ein Slogan? Oder das Ziel?!

Wenn Bio für Alle das Ziel ist, muss sich die Branche jetzt in allererster Linie um Strukturen bemühen, die dieses Ziel nicht okkupieren und in Frage stellen, wie die aktuelle Entwicklung. Die Biobranche muss sich besinnen und die begleitenden Maßnahmen erkennen, nicht nur den Gewinn jeder einzelnen Biounternehmung. Auch die wissenschaftlichen Begleitungen in Hinblick auf Statistik und Meinungsforschungen sind zu kurz gegriffen.

So könnte man meinen, die Julia Klöckner unterstützt den Naturkostfachhandel, weil sie Bio dort in der Nische gut aufgehoben findet und der herkömmliche Handel sich ungestört weiter konzentrieren und seine Strukturen weiter festigen kann. Natürlich nicht ohne die Mehrwertschöpfung durch Biolebensmittel. Schließlich stehen die an oberster Stelle der Qualitätsstufe - das ist schon mal gesetzt - und bieten damit die größten Gewinne. Die Rewe hat schon vor etlichen Jahren in Ihrem Jahresbericht frohlockt, dass ihre Handelsmarke REWE BIO die bestverdienendste Eigenmarke im Hause sei.

Bio im Mainstream bedeutet, Bio in allen Regalen. Dort kauft die Mehrheit der Verbraucher ein. Dort müssen die Skeptiker und Unentschlossenen abgeholt werden. All jene, die noch nicht zu den Biokäufern zählen, erweitern den Bio-Käuferkreis und geben dem Markt Dynamik und die Zukunft, die Landwirte für Ihre Entscheidung zur ökologischen Umstellung und Bewirtschaftung brauchen.

Kümmern wir uns also um die Neuen.

Sorgt für viele weitere Biounternehmen, die nicht dem Kuratel des zentralen Handels und dessen Lebensmittelindustrie anhaften und unterstehen. Netzwerke sind gefragt mit neuen Ideen und Wegen in die Regale der Einkaufsstätten, aus denen sich die Verbraucher täglich ihre Lebensmittel beschaffen. Gibt es einen anderen Weg?

Ja. Überlassen wir Bio dem zentralen Handel und schauen wir zu, wie sie Bio marktgerecht machen, so, wie sie den Teig maschinengerecht gemacht haben, aus denen dann Brote wie in Amerika herauskommen - automatisiert und ohne teure Mitarbeiter. Amerika, wo sich aktuell Biobauern neu erfinden (müssen) und sich dem Trend des automatisierten hydrokulturellen Biolandbaus ohne Boden entgegen stellen!

Bio 21 hat nicht nur mit den Bauern zu tun. Die Konsumenten können nicht alle zu ihnen in den Hofladen fahren. Die Zukunft von Bio braucht auch die Transformation des Handels. Es müssen Brücken gebaut werden vom Feld auf den Teller. Die Brückenpfeiler schweben nicht in der Luft wie Drohnen. Es reicht auch nicht die Pyramide des zentralistischen Handels, um Bio in die Fläche zu den Verbrauchern zu tragen.

Was gebraucht wird, ist ein neuer Gesellschaftsvertrag, an dem sich zuallererst die Bioproduzenten beteiligen müssen. Sie halten den Schlüssel in den Händen. Ihre Bioprodukte müssen flächendeckend in alle Regale. Dort arbeiten sie - mehr als anderswo - mit an der Kaufbereitschaft der Verbraucher.

Der Weg in die Regale ist schwerfällig. Und es bläst ein kalter Wind. Es bleibt jedoch keine andere Wahl, wenn Bio auf der einen Seite nicht allein einer kleinen Bio-Fraktion und/oder auf der anderen Seite den herkömmlichen Handelsstrukturen mit Ihrer Neigung zur Unverantwortlichkeit gegenüber der (menschlichen) Natur überlassen werden soll.

Fragen wir uns, warum so viel Bio in diese Hände geraten ist. Jeden Weg begleiten Randunschärfen. Jede Veränderung hat Höhen und Tiefen. Und ohne Tiefen werden auch keine Höhen erkennbar. Allein ein gemeinsamer Wille kann aus der Katastrophe der Naturzerstörung heraus führen. Alle müssen ins Boot geholt und viele Faktoren berücksichtigt werden, um die Menschheit der Zukunft gesund zu ernähren. Jede kluge Eroberung muss an allen Seiten aktiv werden. Und die Erde soll doch zurück erobert werden! Das kann nur mit allen Kräften zusammen gelingen.

bioPress wurde im Jahr 1994 gegründet. Die Maxime war, alle im Verlag damals bekannten über 20 Vertriebswege für Lebensmittel in die gesetzte Aufgabe miteinzubeziehen. Heute sind der Redaktion mehr als 30 Vertriebswege bekannt. Da sind auch solche Ränder wie Bahnhofskioske und Eisdielen oder Gummibärchenläden mit Bioangeboten dazu gekommen. Sie alle berühren die Verbraucher und können Impulse geben, die zu mehr Bioverlangen führen. Dass manche Lebensmittelverkaufsstätten mehr und andere weniger Natur- und Sozialbewusstsein entfalten, war klar. Menschen sind so. Sie dort abzuholen, war und ist die einzige Chance.

In diesem Sinn beackert der bioPress-Verlag den Biomarkt und arbeitet mit an der Transformation des Ernährungsbewusstseins, das weit mehr umfasst als nur einen Bioladen. Helfen Sie dabei, weitflächig Informationen über die Entwicklung des Biomarktes zu verbreiten. Wir sind auf dem Weg mit Ihnen, Bio in die hintersten Winkel zu tragen, frei von Wertungen, jedoch mit dem festen Willen, Bio frei von Verfälschungen jeder Art zu halten.

Wir wollen Bio in den nächsten 25 Jahren auf allen Tellern. Wir wollen nicht warten, bis im Jahr 2137 alle Supermärkte in Biosupermärkte verwandelt worden sind. Der schleichende und unaufhaltsame Weg in alle Regale und Theken beginnt jetzt!

Unsere Devise ist seit 27 Jahren: Schauen Sie auf Vielfalt im Bio-Angebot anstatt der Einfalt mit immer mehr vom Gleichen.


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