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Editorial Ausgabe 106/Fokus I / Großverbraucher und AHV, Januar 2021, 1. Quartal

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Editorial Ausgabe 106/Fokus I / Großverbraucher und AHV, Januar 2021, 1. Quartal

Was sich zur Jahrtausendwende noch angehört hat wie eine ferne Vision, wird langsam Wirklichkeit: Bio fasst Fuß in der Außer-Haus-Verpflegung. Im Jahr 2000 veröffentlichte bioPress das erste Special zur Gemeinschaftsverpflegung. Mit dem Projekt ‚Mahlzeit‘ von Brot für die Welt wurden damals Tausende von Großküchen dazu motiviert, ökofaire Gerichte auf den Tisch zu bringen. Und Politik mit dem Kochtopf wurde angesagt.

Heute gibt es in vielen Städten Bio-Restaurants. Steht Bio in der Gemeinschaftsverpflegung auch immer noch am Anfang, so können kleine Veränderungen bei Millionen von ausgegebenen Essen viel bewirken.
Lieferanten der Großverpfleger werden in die Pflicht genommen. Sie müssen ihr Bioangebot vergrößern, wollen sie zukünftig die Bedingungen der Ausschreibungen einhalten und Bio liefern.

Auch in puncto Gesundheit und Nachhaltigkeit kann die Gemeinschaftsverpflegung einiges bewegen – was inzwischen auch in der Ausbildung zum Food Management thematisiert wird. Übergewicht und Treibhausgase können durch eine Änderung der gängigen Essgewohnheiten eingedämmt werden.

Gerade bei Kindern sind die Möglichkeiten, das Ernährungsverhalten durch die Gemeinschaftsverpflegung positiv zu beeinflussen, enorm. In Stuttgart hat sich der Gemeinderat seiner Verantwortung gestellt und für das Jugendamt genügend Mittel frei gegeben, um die städtischen Kitas bis 2022 auf einen Bio-Anteil von 50 Prozent hieven zu können.

Aber auch in anderen Städten und Bundesländern tut sich was. Die Landesministerien für Ernährung und Landwirtschaft haben Ernährungsstrategien, Aktionspläne und Leitfäden ausgearbeitet, Pilotprojekte gestartet und Online-Tools eingesetzt, um das Thema Bio in der Außer-Haus-Verpflegung voranzubringen.

Eine Vorbildfunktion nimmt unser Nachbarland Dänemark ein, wo schon vor zehn Jahren in staatlichen Einrichtungen Biogerichte serviert wurden. Mit einem nationalen Bio-Siegel und einer eigenen Kennzeichnung für die Gastronomie hat es Deutschland einiges voraus. Auch Frankreich verfolgt ehrgeizige Pläne: so soll der Bio-Anteil in der staatlichen Gemeinschaftsverpflegung bis 2022 auf 20 Prozent gesteigert werden.

In Deutschland dauert alles wegen der föderalen Strukturen ein wenig länger. Für nachhaltig gesunde Gemeinschaftsverpflegung haben sich zwischenzeitlich aber (fast) alle Länder verpflichtet. Mögen diese politischen Vorgaben im Alltag stärker sein als die Bedenken mancher Betriebsräte, die ihren Kolleginnen und Kollegen 20 Cent mehr für gesundes Essen nicht zumuten wollen und daher die Entwicklung blockieren.

Lena Renner
Redakteurin


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