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Unverpackt

Bio Unverpackt

Selbstbedienung in nachhaltiger Reinform

Bio Unverpackt © Bohlsener Mühle / Lars Wendlandt
Es sind unterschiedliche Designs für Unverpackt-Stationen im Angebot. Die Materialien sind Holz, Edelstahl, Glas und Plastik. Die Behälter sollen einfach zu befüllen und zu reinigen und die Entnahmesysteme per Hebel, Schieber oder Drehknopf praktisch sein. Sie eignen sich für Getreide, Pseudogertreide, Reis und Nudeln, Nüsse, Cerealien und Süßigkeiten.

Unverpackt-Stationen sind die willkommene Antwort des Handels, um zur Reduzierung des Verpackungsmülls beizutragen. Nachdem innovative Unverpackt-Läden in diesem Bereich viel Pionierarbeit hinsichtlich Lieferanten, hygienischer Abfüllsysteme und Abrechnungsmöglichkeiten geleistet haben, gibt es diesen Service nun auch vermehrt im klassischen Lebensmitteleinzelhandel. Fast immer handelt es sich um hochwertige Bio-Produkte.

Der Einzelhandel bietet lose Produktqualitäten als Alternative zu den fertig abgefüllten Pendants an. Nicht selten werden bestimmte Warengruppen auf diese Weise flexibel um weitere Sorten ergänzt. Ansprechen lassen sich an erster Stelle Verbraucher – oft jüngeren Alters –, die generell einen nachhaltigen und damit möglichst umweltfreundlichen Lebensstil anstreben. Bio-Qualität gehört für diese Zielgruppe dazu.

Genauso profitieren Kunden, die von einem Produkt nur kleine oder bestimmte Mengen benötigen. Mal für ein bestimmtes Rezept oder für eigene Nuss- und Müslimischungen und mal, um eine unbekannte Sorte versuchsweise auszuprobieren.

Nüsse, Getreide und Hülsenfrüchte besonders geeignet

Für den Lebensmittelhandel bieten sich dabei besonders Trockenprodukte an, die gut zu handhaben sind. Das gilt zum einen auf Handelsseite, wo unter anderem eine längere Haltbarkeit bei Raumtemperatur und problemlose, saubere Befüllung der Spendersysteme gewünscht werden. Zum anderem trifft das auf die Kunden zu, die bei der selbstständigen Entnahme und dem Abwiegen kein Problem haben sollen.

Prädestiniert sind insofern Getreide, Pseudogetreide und Reis, Nüsse und Cerealien. Eine passende Ergänzung bilden Trockenfrüchte, Ölsaaten und Süßigkeiten, gegebenenfalls auch Kekse. Dementsprechend kommen als Gefäße an erster Stelle aufrechte durchsichtige Röhrenspender (Bins) mit Deckel zum Einsatz, wie sie generell typisch für Unverpackt-Läden sind.

Kunden entnehmen die Ware durch einen unteren Trichter, wobei sie die Menge über einen Hebel oder einen Drehknopf bestimmen können. Für größere Stücke wie Kekse oder Trockenfrüchte eignen sich eher Boxen, aus denen der Kunde die Produkte mit einer Schaufel in die Gefäße füllt. Für den spontanen Kauf werden in der Regel neben der zugehörigen Waage passende Gefäße wie Kunststoffdosen, Gläser oder einfache Papiertüten angeboten. Die Tara-Gewichte für die Gefäße oder
Verpackungen werden vor dem bzw. beim Abwiegen ermittelt. Die Stationen – meist mit zwei, drei Reihen Bins – finden sich häufig bei oder in der Frische-Abteilung mit Obst und Gemüse. Andere Händler wählen einen Platz in der Nähe von Backzutaten, Cerealien und ähnlichen Trockenprodukten.

Immer mehr Lieferanten mit im Boot

Anders als in den Anfangsjahren der Unverpackt-Bewegung, ergänzen zunehmend mehr Großhändler, Mühlenbetriebe und Hersteller ihre Angebotsformate durch Großgebinde für Unverpackt-Stationen. Bode Naturkost, Eco Terra, Naturkost Übelhör  und Ziegler Organic gehören schon länger dazu und sehen die Marktsituation weiterhin positiv. Bei Pural und anderen ist das Angebot im Wachsen.

Das Megathema Umwelt und Nachhaltigkeit ist in der Gesellschaft angekommen, meint etwa Christof Goetz, Managing Director von Ziegler Organic. Unverpackt-Angebote werden seiner Einschätzung nach stark im Einzelhandel wachsen und der Ansatz Unverpackt damit einem wesentlich größeren Publikum zugänglich gemacht.

Wie es für den Bio-Großhandel typisch ist, arbeiten die beispielhaften Unternehmen beim Einkauf und Import der Bio-Produkte direkt und eng mit Partnerunternehmen in den Produktionsländern zusammen, um so eine durchgehende Qualität und Lieferfähigkeit zu erreichen. Bei der Auswahl an Getreide, Ölsaaten, Hülsenfrüchten und Cerealien setzen die jeweiligen Unternehmen unterschiedliche Gewichtungen. Und sie bieten verschiedene Ergänzungen und Serviceleistungen, wie Bode Naturkost unter anderem mit einer extra Ansprechpartnerin für den Unverpackt-Bereich.

Das Sortiment von Ziegler Organic umfasst zusätzlich zu Getreide und Pseudogetreide, Cerealien und Hülsenfrüchten auch Ölsaaten von Lein, Sonnenblumen- und Kürbiskernen bis zu Hanf, Chiasaat und Blaumohn sowie Kokoserzeugnisse. Trockenkeimlinge und die für Anfang des Jahres angekündigten ungesüßten Porridges und Müslis machen deutlich, dass zu einem gewissen Grad aufgearbeitete Produkte ebenfalls möglich sind.

Es kommt dem Ziel eines umfassenden Umweltschutzes beim Transport entgegen, dass das Netz an Lieferanten flächendeckender wird. Dazu tragen unter anderem Naturkost Übelhör aus Leutkirch im Allgäu und Horst Bode Import-Export Natur aus Hamburg bei.

  • © Bode Naturkost Import-Export GmbH

Der bei Naturkost Übelhör extra implementierte Online-Shop umfasst ein Starter-Sortiment aus den Bereichen Ölsaaten und Nüsse, Süßungsmittel, Getreide und Pseudogetreide, Hülsenfrüchte sowie Öle. Bei der Erweiterung des Angebots, was derzeit in Arbeit sei, prüfe man gern Produktvorschläge von Kunden, so Produktmanagerin Nicole Buzengeiger. Das dürfte ganz im Sinne der Verbraucher sein, die naheliegenderweise möglichst viele Produkte an ihrem Einkaufsort kaufen wollen.

Mit unterschiedlichen Gebindegrößen von einem, zwei, zweieinhalb und 20/25 Kilogramm reagiert Naturkost Übelhör auch auf die Tatsache, dass sich eine Lagerhaltung in den typischen kleinen Unverpackt-Läden oft schwierig gestaltet und eine passgenaue Liefermenge daher bevorzugt wird. Geliefert wird die Ware in der Regel via Paketdienst; eine regionale Abholung ist aber gleichfalls möglich.

Nüsse und Trockenfrüchte aus dem Spender

Bei Eco Terra umfasst das Spektrum für die Industrie und den Lebensmitteleinzelhandel schon jetzt rund 250 Bio-Produkte, die Abnehmer wiederum in verschiedenen Größen bekommen können. Eine ganze Reihe an Produkten stammt zusätzlich aus fair-zertifiziertem Handel. Hinsichtlich der Auswahl liegt bei dem südhessischen Unternehmen ein Fokus auf Edelnüssen.

Eco Terra führt bei den Kernen nicht nur alle möglichen naturbelassenen Sorten, sondern veredelt die Kerne auf Anfrage auch. Zur Wahl stehen ölfrei geröstete, gesalzene, gewürzte, karamellisierte und schokolierte Varianten. Dazu kommen die genannten Hauptwarengruppen mit den Basisprodukten, inklusive Quinoa, und als Ergänzung Trockenfrüchte, Süßigkeiten oder Nudeln. Neu aufgenommen wurden Kaffee und Tee.

Eco Terra habe es sich zum Ziel gesetzt, das Thema Unverpackt einer größeren Zielgruppe zugänglich zu machen, sagt Laurenz Utech, Manager Online-Marketing & E-Commerce. Die Kunden sollten eine echte Wahlmöglichkeit haben, wie sie ihre Lebensmittel kaufen. Ansprechen wolle man damit nicht nur Menschen, die stark an Nachhaltigkeit und Fairness interessiert sind, sondern alle Zielgruppen von Alleinlebenden bis Großfamilien. Dem Lebensmitteleinzelhandel bietet Eco Terra dazu ein professionalisiertes Unverpackt-Konzept mit einem eigens entwickelten Regalsystem aus intuitiv zu bedienenden Spendern.

Ebenfalls bekannt für ihre Auswahl an Nüssen und Trockenfrüchten ist Morgenland/ Egesun. Bei der Beschaffung kann Morgenland nicht selten auf Bio-Ware aus eigenen Bio-Anbauprojekten zurückgreifen. Zur ebenso praktischen wie sicheren Verpackung beziehungsweise Versandmöglichkeit hat die Firma schon vor ein paar Jahren ein flexibles Boxen-System entwickelt und inzwischen mit Blick auf die Recyclingfähigkeit optimiert.

Geeignet sind sie genauso für Unverpackt-Stationen mit dem gefragten Studentenfutter, Hülsenfrüchten, Saaten und Snacks. Das Volumen von sieben Litern entspricht genau der Füllmenge von handelsüblichen kleinen Bins, zwei Boxen der von den großen Formaten. So können die Produkte chargenrein und ohne Lagerreste abgefüllt werden, was eine einfache Chargenrückverfolgung ermöglicht.

Genauso gut können die Boxen selbst zum Verkauf ins Regal gestellt werden (1/2 Steco-Format). Dafür hält Morgenland eine wiederverwendbare, durchsichtige Kunststoffabdeckung mit Öffnungsklappe und auf Wunsch Zangen und Schaufeln vorrätig. Die jedem Produkt beiliegenden Papieretiketten mit den Pflichtangaben und einem Feld zum Eintragen des 100 Gramm-Preises wird einfach auf die Kunststoffabdeckung geklebt (Stichwort Produkthaftung).

Zero Waste von Anfang an

Vertraut mit den Abfüllsystemen sind in der Regel insbesondere jüngere Menschen, die das Prinzip aus reinen Unverpackt-Läden kennen, die oft von Menschen in den Zwanzigern geführt werden. Dass die gleiche Gruppe sogar als Lieferant für unverpackte Bio-Lebensmittel aktiv sein kann, zeigt fairfood Freiburg.

2014 gegründet, bietet das Start-up ein ausgewähltes Sortiment Nüsse wie Cashews, Mandeln, Para- und Erdnüsse sowie getrocknete Mangostreifen, Ananas und Datteln an. Für den Versand nutzt fairfood luftdicht verschlossene Pfandeimer à fünf oder zehn Kilogramm. Die ergänzend angebotenen Nussmuse sind im Mehrweg-Pfandglas abgefüllt.
Das Besondere: Alle Produkte sind Fairtrade-zertifiziert. Die Basisverarbeitung wie knacken und sortieren erfolgt bereits in den Anbauländern und keinesfalls in Billiglohnländern. In der Freiburger Manufaktur werden die direkt aus den unterschiedlichen Ländern bezogenen Nüsse dann gegebenenfalls schonend von Hand so geröstet und gewürzt, dass der eigene Geschmack erhalten bleibt.

  • © Fairfood

Informationen zu den Anbau-Kooperativen und Lieferketten bei Unverpackt-Modellen sind im Unterschied zu Fertigpackungen schlecht mög- lich. Fairfood spricht diese Punkte sowie die Preisbildung stattdessen auf der Firmen-Internetseite an, um auf diese Weise Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu schaffen.

Vertrauen durch Regionalität

Abgesehen von Bio-Qualität zählen Transparenz und Regionalität bei den Verbrauchern in Deutschland zu den wichtigsten Kaufgründen. Die Bohlsener Mühle aus Niedersachsen kommt dem entgegen. So stammt ein wachsender Teil des umfassenden Sortiments an Getreide und -produkten der Mühle mit ihrer über 40-jährigen Bio-Erfahrung aus der Region und, oder hat deutsche Bioland-Qualität. Weniger bekannt ist vielleicht, dass der Betrieb ein Unverpackt-Sortiment aufgebaut hat.

Getreideprodukte aus der hauseigenen Mühle, Pseudogetreide, Hülsenfrüchte, Ölsaaten, Crunchys und Müslis bilden einmal mehr das Gros. Neben Keksen im Großgebinde-Karton vertreibt die Bohlsener Mühle über das Portal zusätzlich einige Produkte wie Gewürze, Kräuter oder Nussprodukte von Partnerunternehmen mit. Seit letztem Herbst kann sie zudem praktischerweise Erfahrungen im eigenen Markenladen in Lüneburg sammeln, da dort auch zahlreiche lose Produkte angeboten werden. Beispielsweise wie sich Kekse in unterschiedlichen losen Formaten verkaufen lassen. Sicherlich auch, wie geplante Neuprodukte – etwa der innovative Bioland Blaumohn aus Thüringen – in loser Form angenommen wird.

Getreideprodukte gehörten zu den Produkten, die man gut in Unverpackt-Stationen handhaben könne und die regelmäßig nachgefragt würden, betont Kommunikationsreferentin Saskia Lackner. Für Vertriebspartner, die mit unverpackt anfangen wollen, lohne sich das Basissortiment sowie eine Auswahl an Frühstückscerealien. Seitens der Kunden könnte man auf der einen Seite diejenigen erreichen, die sich erstmal durch unterschiedliche Bio-Sorten durchprobieren möchten, und auf der anderen Seite diejenigen mit Vorliebe für Vielfalt, die von einer Sorte nicht immer gleich eine ganze Packung kaufen wollen.

Bettina Pabel
 


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