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Agrarökologie statt Gentechnik – Wie ernährt sich die Welt?

Klimakrise, Artensterben und Hungersnöte: Die Grundbedingungen, unter denen Lebensmittel produziert werden, verschlechtern sich zunehmend. Im Zuge der von den Grünen initiierten Online-Reihe ‚Zukunft der Landwirtschaft‘ sprachen am vergangenen Freitag Experten über eine zukunftsfähige Landwirtschaft angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung.

„Zig Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht“, so eröffnete Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik bei den Grünen, die Veranstaltung. Gleichzeitig wachse die globale Bevölkerung, während 690 Millionen Menschen hungerten und zwei Milliarden an Mangelernährung litten. Die industrielle Landwirtschaft sei an ihre Grenzen gekommen und verschärfe die bestehenden Krisen. Es brauche deshalb ganzheitlichere und stabilere Lösungen.

Lena Bassermann, Referentin für Welternährung und globale Landwirtschaft beim Inkota-Netzwerk, wies auf die Menschenrechtsverletzungen an Kleinbauern hin. Zwei Drittel der Hungernden weltweit lebte auf dem Land. Für viele sei es schon wirtschaftlich eine Herausforderung, sich Pestizide zu leisten – die im Endeffekt krank machten. Dabei sei ausreichend gesunde Ernährung ein Menschenrecht. Die Agrarökologie versuche deshalb einen alternativen Anbau im Einklang mit der Natur. Dazu gehöre es, Saatgut selbst zu vermehren und zu sichern, Mischkulturen anzubauen sowie Dünger selbst herzustellen.

Die Agrarökologie stehe nicht nur für eine Anbaumethode, sondern auch für eine politische Bewegung, die nach bäuerlicher Selbstbestimmung strebe. Leider fehle in der Politik der Wille zu einer wirklichen Transformation. So sei die UN-Kleinbauernerklärung zwar von der Generalversammlung angenommen, viele Staaten wehrten sich aber mit Händen und Füßen dagegen.

Die Subventionen gingen zudem großenteils an das agrarindustrielle Modell. Auch in afrikanischen Ländern landeten 80 Prozent der Subventionen beim Mais, der auf kleinen Flächen und als Monokultur intensiv angebaut werde. Harald Ebner erinnerte in diesem Kontext an die Große Hungersnot von 1848, bei der die Nahrungsgrundlage als Folge der Kartoffelfäule auf einen Schlag dahin war, weil alle von der Kartoffel abhängig waren.

„Wir reden schon ewig über agrarökologische Probleme“, stellte Christine von Weizsäcker, Präsidentin von Ecoropa, fest, „über das Klima, den Diversitätsverlust und die Ernährung.“ Die Gentechnik biete technische Lösungen für ein ‚Weiter so‘. Eine endlose Reihe von Technofixen sei aber kein nachhaltiger Weg. Statt technologiezentriert müssten wir problemorientiert denken und systematische Lösungen suchen. „Welche Landwirtschaft wollen wir?“, sei dabei die zentrale Frage. Beim Thema Gentechnik sei eine bessere Technikfolgenabschätzung und Regulierung essentiell.

Stig Tanzmann, Referent für Landwirtschaft bei Brot für die Welt, beleuchtete die große Problematik des Klimawandels. So hätte es etwa in Simbabwe und Mosambik in den letzten Jahren verstärkt Zyklone und Überschwemmungen gegeben – im Wechsel mit extremer Trockenheit. Gleichzeitig litten Landwirte weltweit massiv unter bewaffneten Konflikten, etwa in Burkina Faso. Wir bräuchten deshalb neue Ansätze, die auf die ökologischen und sozialen Probleme reagierten. Ein Schritt sei zum Beispiel der systematische Aufbau von Saatgutbanken, um nicht auf Importe aus dem Ausland angewiesen zu sein.

Gegenüber der Gentechnik gebe es risikoärmere Lösungen für unsere Probleme. Während der konventionelle Landbau daran aufgrund von Resistenzen und Monokulturen scheitere, könne ein vielfältiger Ökolandbau die Welt ernähren.

Lena Renner


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