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Nachhaltigkeit

Das Problem mit der Verpackung

Was können wir von Alternativen zu Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen erwarten?

Das Problem mit der Verpackung © Lorie Guilbert_GLOPACK-Projekt
Verpackungsprototyp der Zukunft: heimkompostierbar und aus Reststoffen aus dem GLOPACK Projekt

Verpackungen und ihre Nachhaltigkeit geraten immer stärker in den Fokus. Insbesondere Medium- und Intensivkäufer von Bio-Lebensmitteln hinterfragen die Materialherkunft und stehen Kunststoffen kritisch gegenüber. Alternativen zu Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen werden derzeit händeringend gesucht. Immer mehr Unternehmen suchen Antworten auf die Frage, welche Verpackung die umweltfreundlichste ist und gleichzeitig ausreichend Schutz für die verpackten Produkte gewährleistet. Die Suche führt aber eher dazu, dass die Komplexität des Themas sichtbar wird, und zur Erkenntnis, dass es nicht die eine passende Lösung für alles gibt.

Gesammelter Kunststoffmüll wird bisher vor allem energetisch genutzt, sprich verbrannt. 2018 betraf dies in Deutschland bis zu 60 Prozent des gesammelten Kunststoffs. Recycelte Kunststoffe werden meist nur ‚downgecycelt‘, das Produkt verliert also an Qualität und Anwendungsbreite.

Lebensmittelverpackungen dürfen nur aus Rezyklaten hergestellt werden, die lebensmittelgeeignet sind. Derzeitige Sortiermaschinen können Lebensmittelverpackungen von anderen Verpackungen jedoch nicht unterscheiden. Dementsprechend lag die Recyclingquote 2018 in Deutschland zwar bei etwa 40 Prozent, was jedoch nichts über die Zielanwendungen der Rezyclate aussagt.

Derzeitige Lösungsansätze zur Verhinderung von Kunststoffmüll

Um Kunststoffmüll zu verhindern, gibt es unterschiedliche Lösungsansätze. Optimiertes Recycling setzt an dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft an, eine Strategie, die auch die Europäische Kommission verfolgt. Ressourcen sollen möglichst lange in geschlossenen Stoffkreisläufen genutzt werden. Mit der Richtline EU 2018/852 gibt die EU vor, bis 2025 50 Prozent der Kunststoffe zu recyceln. Dieser Ansatz ist sehr aufwendig, bedarf hoher Investitionen und muss infrastrukturell durch die Zusammenarbeit vieler Akteure umgesetzt werden. Gleichzeitig erschwert das bisherige mechanische Recycling den Rezyklateinsatz bei Lebensmittelverpackungen. In der Praxis untersucht die Schwarz Gruppe beispielsweise in einem Pilotprojekt mit dem SABIC-Konzern Möglichkeiten des chemischen Recyclings.

Darüber hinaus sind wiederverwertbare Verpackungen in Deutschland zum Beispiel bei Getränke- und Molkereiverpackungen über das Mehrwegsystem etabliert. Alnatura setzt seit kurzem auch bei Bio-Ketchup, Bio-Linsen und Bio-Reis auf Pfandglas.

Eine weitere Vermeidungsstrategie ist der Verpackungsverzicht. Der verpackungsfreie Verkauf birgt derzeit noch viele Herausforderungen und ist insbesondere nur eingeschränkt geeignet, wenn die wichtige Schutzfunktion von Verpackungen wegfällt und dadurch gerade bei Frischware mehr Lebensmittelabfälle entstehen.

Viele Unternehmen testen und nutzen zum Beispiel Papier, Holz, Glas und marktverfügbare Biokunststoffe als Alternativen. Die ökologische Vorzüglichkeit von Papier oder Glas besteht nur bei bestimmten Anwendungen. Insbesondere Verbundmaterialien aus Papier und Kunststoffen erwecken teilweise äußerlich den Eindruck einer ökologischeren Verpackung, erschweren jedoch das Recycling oder machen es ganz unmöglich.

Beispiele für biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe, so genannte Biokunststoffe, sind biobasiertes Polyethylen aus Zuckerrohr, stärke- oder zuckerbasiertes Polyactid (PLA) oder cellulose-basierte Folien, Beutel oder Becher. Biokunststoffe haben den prinzipiellen Vorteil, dass Materialien nicht umweltschädlich sind, wenn sie auf nachwachsenden Rohstoffen beruhen und bioabbaubar sind.

Zahlreiche Herausforderungen bei marktverfügbaren Biokunststoffen

Um die Nutzungsstrategie von Biokunststoffen tiefergehend zu bewerten, führte Ecozept mit dem Marktforschungsunternehmen Symetris eine europaweite Fachleute-Befragung für das GLOPACK Projekt durch. Die Fachleute der Verpackungsbranche betonten zahlreiche Herausforderungen bei derzeitig verfügbaren Biokunststoffen.

Als größte Barriere wurden die höheren Kosten genannt. Auch waren sich die Fachleute einig, dass der Begriff Biokunststoff missverständlich ist und die Bioabbaubarkeit näher spezifiziert werden muss: heimkompostierbare Verpackungen, die sich im Kompost unterhalb von 30 Grad Celsius zersetzen, im Gegensatz zu industriell kompostierbaren Verpackungen, die höhere Temperaturen und bestimmte Bedingungen in den Kompostieranlagen benötigen. Der Begriff Biokunststoff ist zudem nicht eindeutig, er bezieht sich auf Verpackungen, die mindestens eine der Eigenschaften besitzen: basierend aus nachwachsenden Rohstoffen oder bioabbaubar.

Das Sammeln und Trennen insbesondere neuartiger Materialien ist noch nicht organisiert, einige biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe stören daher bestehende Abfallmanagement- und Recyclingkreisläufe. Bioabbaubare Kunststoffe können auch nur in einzelnen Ländern über die Biotonne entsorgt werden und ihrem passenden Lebensende zugeführt werden. So landen die Kunststoffe auf Deponien oder werden energetisch verwertet. Teilweise stuften die Fachleute die neuen Materialien als weniger funktional ein, was jedoch stark von den genannten Materialien abhing.

Insbesondere neuartige Materialien sind teilweise nicht kompatibel mit bestehenden Verpackungslinien, da neue Maschinen oder umfassende Anpassungen notwendig sind. Auch sei der ökologische Fußabdruck nicht zwangsläufig besser, insbesondere, wenn beispielsweise Zucker oder Mais Ausgangsmaterialien sind.

Insbesondere kritisch ist diese Materialherkunft für Verpackungen von Bio-Produkten, weil bei der Diskussion ‚Nahrungsmittel versus Werkstoff‘ auch ethische Fragen bei der Verwendung als Verpackung aufkommen können. Auch sollten biobasierte Materialen GMO-Freiheit gewährleisten, was bei den marktverfügbaren Lösungen nicht immer der Fall ist.

Biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe können daher nur eine Teillösung sein, jeweils abhängig von der individuellen Anwendung und bestehenden Abfallwirtschaftssystemen. Aus der Befragung ging hervor, dass eine Weiterentwicklung der Biokunststoffe notwendig ist. Neuartige biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe sind bereits weit in der Entwicklung, zum Beispiel Verpackungen basierend auf Reststoffen und Lebensmittelabfällen.

EU-Projekt GLOPACK

Im EU-Projekt GLOPACK werden Lösungen entwickelt, die aus Maiskolben oder Resten der Saftproduktion bestehen, die gentechnikfrei sind, keine Konkurrenz zu Lebensmitteln darstellen und da sie heimkompostierbar sind, mit keinem Risiko der Mikroplastik- akkumulierung einhergehen. Bis diese jedoch fertig entwickelt und zu konkurrenzfähigen Preisen auf dem Markt gelangen, sind deutliche Investitionen von Nöten sowie Kooperationen sämtlicher Akteure der Wertschöpfungskette. Außerdem müssen die Betrachtung des Nutzungsendes und neue Recycling- bzw. Abfallwirtschaftsprozesse etabliert werden. Das Projekt wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der EU im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 773375 gefördert.

Um adäquate Verpackungslösungen zu finden, müssen Unternehmen und Händler daher umfassende Verpackungsstrategien entwickeln. Die neuen Lösungen werden idealerweise in vertikaler Kooperation entwickelt. Der Prozess wird mit sehr hohen Investitionen verbunden sein, den innovativen Umbruchprozess werden die Unternehmen nicht im Alleingang stemmen können.

Dr. Denise Gider, Ecozept


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