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Direktvermarktung lohnt sich

Chancen durch Transparenz und Regionalität

Die Mehrheit der innerhalb eines gerade abgeschlossenen BÖLN-Projektes befragten Direktvermarkter wollen in den nächsten Jahren ihre Aktivitäten noch ausbauen. Durch die Direktvermarktung ergäbe sich schon heute ein ausbaufähiges Einkommensstandbein, vor allem bei Bio.

Auf der Biofach 2020 stellten Michael Böhm vom Beratungsunternehmen für Nachhaltigkeit in der Lebensmittelversorgung Ecozept und Christine Krämer vom Projektbüro Mareg (Markt+Region) ausgewählte Ergebnisse des BÖLN-Projektes ‚Neue und innovative Formen der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte‘ vor. Außer Fachleuten, Kunden und sogenannten Leuchtturmprojekten wurden 200 direktvermarktende Betriebe befragt, rund ein Viertel von ihnen ökologisch wirtschaftend.

Von 2010 bis 2016 stieg in Deutschland der Anteil der Bio-Betriebe bei den Direktvermarktern um über fünf Prozent auf 21,5 Prozent (Quelle: destatis). Von den rund 50 Öko-Betrieben, die in der Untersuchung befragt wurden, wollen 70 Prozent in den nächsten fünf Jahren die Direktvermarktung ausbauen. Vor allem an der Verbesserung der Kundenkommunikation (57 Prozent gegenüber 45 Prozent bei den konventionellen) und dem Vorantreiben der Vernetzung mit anderen Direktvermarktern (43 Prozent gegenüber 30 Prozent bei den konventionellen) wollen die Bio-Unternehmer arbeiten.

Von den fast 700 befragten Kunden waren 82 Prozent sehr zufrieden mit dem Angebot, weitere 14 Prozent immer noch zufrieden. Gründe dafür waren vor allem Ökologie, regionales Wirtschaften, Produktqualität und Soziales/Tierwohl. Damit entsprechen die Ergebnisse in der Tendenz genau den Ergebnissen des Ökobarometers 2019.

Während die konventionellen Direktvermarkter unter den Befragten ihre Waren vorwiegend über einen eigenen Hofladen vertreiben (über 70 Prozent), haben nur die Hälfte der Bio-Betriebe einen Hofladen; 62 Prozent betreiben aber einen eigenen Ab-Hof-Verkauf. Eigener Online Lieferservice (16 Prozent) und Abokiste (zehn Prozent) sind Bereiche, in denen die ökologischen Betriebe deutlich aktiver sind als die konventionellen.

Die Studie sieht in der Direktvermarktung ein ausbaufähiges Einkommensstandbein. Bei etwa einem Fünftel der befragten Ökobetriebe tragen die Einkünfte aus der Direktvermarktung die Hälfte oder mehr zum gesamten Familien- oder Betriebseinkommen bei. Dabei liegen die Bio-Betriebe noch weit hinter den konventionellen Betrieben, es kann also noch von Ausbaupotential ausgegangen werden.

Es gäbe eine hohe Nachfrage nach direktvermarkteten, regionalen Qualitätsprodukten, kombiniert mit hoher Kunden-Zufriedenheit und der Bereitschaft auch höhere Preise zu akzeptieren. Chancen liegen auch in der Transparenz durch den direkten Kontakt, der eine relativ einfach machbare Abgrenzung gegenüber den reinen Regional-Produkten in anderen Verkaufsstellen ermöglichte.

Hier bestehe allerdings ein Spannungsfeld zur Online-Vermarktung, bei der dieser Kontakt weg fällt. Als Handlungsempfehlung wird ein ‚Nimm 2!‘ propagiert, eine Kombination zwischen traditioneller Direktvermarktung mit direktem Kundenkontakt und den neuen Formen der digitalen Vermarktung und Kommunikation. Es wird auch empfohlen, Synergien gerade bei der Logistik zu nutzen.

Die Politik könne die Direktvermarktung durch die Förderung der ländlichen Infrastruktur stärken: Insbesondere kleinräumig verfügbare, dezentrale und handwerkliche Verarbeitungsstrukturen seien unabdingbar. Auch die Lockerung und Anpassung behördlicher Auflagen wird zur Förderung dringend empfohlen.

Elke Reinecke


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