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Ernährungsreport 2020 vorgestellt

BÖLW und WWF mit herber Kritik an der Ernährungspolitik

Ernährungsreport 2020 vorgestellt © BMEL/Photothek/Thomas Imo
Stellten den Ernährungsreport 2020 in Berlin vor: Bundesministerin Julia Klöckner und forsa-Geschäftsführer Prof. Manfred Güllner

Jedes Jahr beleuchtet die Bundesregierung in ihrem Ernährungsreport die aktuellen Ess- und Einkaufsgewohnheiten der Deutschen. In diesem Jahr wurde der Report durch die Zusatzbefragung ‚Ernährung in der Corona-Krise‘ ergänzt. Nach Bundesministerin Julia Klöckner sei ein neues wertschätzendes Bewusstsein für Lebensmittel entstanden. Für 40 Prozent der Befragten habe durch Corona die Bedeutung der Landwirtschaft nochmals zugenommen. Und in Corona-Zeiten werde mehr zuhause gekocht.

Kaum überraschend, ist immer noch fast allen der 1.000 telefonisch befragten Personen der gute Geschmack ihres Essens besonders wichtig. Auch beim Konsum von Obst und Gemüse hat sich wenig verändert: 70 Prozent essen es täglich. Das Bundesministerium stellte heraus, dass der Anteil derjenigen zurückgehe, die täglich Fleisch und Wurstwaren konsumieren. Diese Änderung ist aber mit dem Vorjahr verglichen sehr gering: Statt 28 Prozent in 2019 sind es nun 26 Prozent. Dies liegt noch innerhalb der vom Forsa-Institut angegebenen Fehlertoleranz von plus / minus drei Prozent.

Der Anteil der Veganer und Vegetarier habe sich nicht wesentlich verändert.
Allerdings bezeichnen sich über die Hälfte der Befragten (55 Prozent) als Flexitarier. Diese wurden hier als Menschen definiert, die gelegentlich Fleisch essen, manchmal aber auch bewusst darauf verzichten.

Sehr wichtig ist den Befragten die Gesundheit ihres Essens. 86 Prozent sind für weniger Zucker in Fertigprodukten. Genauso ist das Tierwohl weiter Thema. Wie bei der letzten Umfrage wäre einer großen Mehrheit von 81 Prozent der Befragten ein staatliches Tierwohl-Label wichtig oder sogar sehr wichtig; also ein offizielles Siegel, das sicherstellt, dass Nutztiere wie Schweine, Rinder oder Hühner besser gehalten werden, als es gesetzlich vorgeschrieben ist.

Bei der Wertschätzung für Lebensmittel und Ressourcenverschwendung seien die Konsumenten sensibler geworden: 91 Prozent der Befragten verlassen sich auf ihre Sinne. Sie prüfen ein Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums und werfen es nicht direkt weg. 2016 war das ungeprüfte Wegwerfen noch bei etwa drei Vierteln der Befragten das übliche Verhalten.

Das Fazit von Bundesministerin Klöckner: „Der Bericht zeigt, dass unsere politischen Schwerpunkte die Themen sind, die den Verbrauchern wichtig sind: vom Tierwohl über transparente Kennzeichnung und die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung bis hin zu ausgewogener Ernährung.“

Ihre Kritiker sehen das anders. Schon bei der Vorlage des Ernährungspolitischen Berichtes in der letzten Woche hatte der BÖLW (Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft) die fehlende Bündelung von ernährungspolitischen Aktivitäten beklagt und von einem „Klein-Klein zahlloser Einzelinitiativen“ gesprochen. Der WWF legte nach und sprach anlässlich der Veröffentlichung beider Berichte von einem „ernährungspolitischen Offenbarungseid“. Die Berichte zeigten, wie wenig sich Deutschland um den nachhaltigen Umbau des Ernährungssystems bemühe. Nach WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran müsse etwa aus dem auf Freiwilligkeit basierenden Tierwohlkennzeichen „schleunigst“ eine verpflichtende Haltungskennzeichnung werden.

Außerdem weist sie unter anderem auf die Defizite in der Steuerung der Gemeinschaftsverpflegung hin: „Dringend notwendig wären konkrete Ziel- und Umstellungsvorgaben und die Verankerung von Mindestkriterien in den Vergabeverfahren für die Gemeinschaftsverpflegung vom Kindergarten über die Schule bis hin zum Seniorenheim. Zu den Kriterien gehören sollten unter anderem ein Mindestanteil an Bio-Produkten und anderen zertifizierten Produkten, Angaben zum Fleischanteil und Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. Nach der Maßgabe ‚öffentliche Gelder für öffentliche Güter‘ sollten Anbie- ter von Gemeinschaftsverpflegungen auch für die höheren Leistungen entsprechend vergütet werden und nicht das Prinzip gelten, das billigste Angebot gewinnt. Eine gesunde und nachhaltige Verpflegung ist das wert.“

Elke Reinecke


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