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Natur, die man schmeckt

Bio-Bier entwickelt sich gegen den Trend: positiv

Natur, die man schmeckt

Es mag ein Nischenprodukt im Handel sein, aber anders als der konventionelle Markt entwickelt sich Bio-Bier weiter positiv. Es gibt sämtliche Standardsorten, Spezialitäten und dazu eine große Auswahl an alkoholfreien Bieren und Mischgetränken.

Überwiegend sind es kleinere Privatbrauereien, die den deutschen Markt mit Bio-Bieren versorgen und prägen. Beim Vertrieb konzentrieren sich viele auf die Heimatregion und den weiteren Umkreis, wo nicht selten auch der Ausschank in Gaststätten zum Bekanntheitsgrad beiträgt. Die Bio-Brauerei Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz, die Störtebeker Braumanufaktur aus Stralsund und das Riedenburger Brauhaus aus dem Altmühltal gehören zu denen, die ihre Biere mit Erfolg überregional anbieten.

Die umfangreiche Bio-Auswahl umfasst schon immer auch alkoholfreie Biere und Radler oder ähnliche Biermischgetränke. Damit kommen die Bio-Brauer der deutlich zu beobachtenden Entwicklung hin zu einem bewussten und verringertem Alkoholgenuss genau entgegen. Dazu passt, dass die erreichte Zielgruppe wächst. Denn längst greifen auch Frauen und Freizeitaktive gern zu einer guten Flasche Bier.

Die Bio-Auswahl gliedert sich in sechs größere Kategorien:

  • Standardbiere wie Pils, Export oder Kellerbier als Untergärige Biere, Alt oder Weisse bzw. Weißbier als Obergärige Biere
  • Spezialitäten und Edelbiere wie Ale, Porter, Schwarzbier
  • alkoholfreie Biere
  • Spezialbiere aus anderen Getreidesorten
  • Spezialbiere ohne Gluten
  • Radler und andere Biermischgetränke, auch alkoholfrei

Der natürliche und frisch-herbe Geschmack ist nicht selten regional oder individuell geprägt. Daneben sprechen mehrere Fakten für Bio-Bier. Das ist zum einen die regionale Herkunft der Rohstoffe, wie sie Bio-Brauer für Getreide und Hopfen bevorzugen. Zugleich wirkt der ökologische Anbau der Nitrat-, Pestizid- und Insektizidbelastung der Umwelt entgegen und auch die traditionelle Landwirtschaft wird unterstützt.

Echt und ehrlich

Bio-Bier wird weitgehend handwerklich gebraut. In den Sudkessel kommen zum Malz nur Naturhopfen oder -pellets und keine Extrakte, Trinkwasser und Hefe. Außerdem geben die Braumeister den Jungbieren ausreichend Zeit, um natürlich zu reifen und Aroma samt Farbe zu entwickeln.

Arbeiten die Brauereien nach den Regeln eines Bio-Verbandes, gelten für sie hinsichtlich der Verarbeitung noch rigidere Vorgaben als bei EU-Bio-Bier. Beispielsweise dürfen Malz und Hopfen nicht geschwefelt sein, und eine Haltbarkeitsverlängerung mit dem Kunststoff PVPP und anderes ist verboten. Bio-Biere werden oft unfiltriert in Flaschen abgefüllt und weisen dann ein MHD von rund einem halben Jahr auf. Es gibt aber auch solche mit gewohnt langer Haltbarkeit.

Biervielfalt für jeden Geschmack

Ein besonders umfangreiches Sortiment bieten Störtebeker, Neumarkter Lammsbräu so-wie Riedenburger Brauhaus an. Die beiden letzteren stellen als familiengeführte Betriebe seit einem Viertel-Jahrhundert ausschließlich Bio-Produkte her.

Störtebeker ergänzt die konventionelle Linie seit 12 Jahren mit Bio-Bieren, wobei der Fokus auf klaren Bieren liegt. Zur Auswahl gehören Keller-Bier 1402, Bernstein-Weizen oder Roggen-Weizen, außerdem ein neu interpretiertes Übersee-Pils oder Eisbock-Biere mit über 9 Prozent Vol. Alkohol. Mit alkoholfreien Bieren und Radlern reagiert die Braumanufaktur zugleich auf die wachsende Nachfrage und das mit Erfolg: Die alkoholfreie Range verzeichnete nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren teils ein Plus von über 40 Prozent, und die drei Bio-Radler konnten ihren Absatz in den letzten zwölf Monaten verdoppeln.

Die Braumanufaktur arbeitet bei den Bio-Bieren nicht nur mit sorgfältig ausgesuchten Rohstoffen, sondern unterstützt den Abverkauf auch durch ein kurzes Geschmacksprofil auf dem Etikett. Das dekorative Design mit dem Mehrmaster-Segelschiff sorgt für hohen Wiedererkennungswert im Regal, dazu kommen eine intensive Medienarbeit und die Teilnahme an Bierwettbewerben. Gerade erst zeichnete die DLG die Brauerei – ebenso wie Engel und Ketterer – für langjährige Produktqualität aus.

Bier soll konstant in Qualität und Geschmack sein und doch auch innovativ und kreativ, genussvoll und charakterstark. Diesem von Störtebeker benannten Balanceakt sieht sich die ganze Branche gegenübergestellt. Tatsächlich zeichnen sich die meisten Bio-Brauereien durch Individualität plus Qualität sowie ein Gespür für Trends aus.

So gibt es unter den über 20 Lammsbräu-Bieren von Edel Pils und dem hellen ‚Urstoff‘ bis zum Dunkel ebenfalls schon bei mehreren Sorten Alternativen mit und ohne Alkohol, die eine Reihe an Mischgetränken ergänzt. Frisch hinzugekommen ist das untergärige Dunkel & Pure Zitrone als sommerliche Erfrischung. Johannes Ehrnsperger führt dabei die Philosophie seines Vaters und Gründers der Bio-Brauerei fort. Insofern stammen die Rohstoffe aus regionalem und verbandszertifiziertem Bio-Landbau von der eigenen Erzeugergemeinschaft, das Wasser aus eigener Quelle.

Zusätzlich tragen die Biere wie bei mehreren Brauereien aus Bayern das bayerische Bio-Siegel. Im Bewusstsein, dass sich Bio-Bier trotzdem noch nicht von allein verkauft, unterstützt die Lammsbräu ihre Partner im Handel und der Gastronomie durch Außendienstler und Verkostungen, bei denen auch Bier-Sommeliers mitwirken. Die Mühe zahlt sich aus – der Ausstoß konnte im letzten Jahr um über fünf Prozent erhöht werden.  

Familienbrauereien sprechen an

Viele kleinere Privatbrauereien prägen den deutschsprachigen Markt für Bio-Bier, obwohl sie überwiegend kleinere Sortimente führen. Nennen lassen sich unter anderem Härle, Härtsfelder, Unertl, Engel und Ketterer.
Bei der Brauerei Clemens Härle, die Gottfried Härle in vierter Generation führt, sieht man Lager hell und einmal mehr alkoholfreie Sorten weiter im Kommen. Härle arbeitet schon seit einem Jahrzehnt komplett klimaneutral.

Das zur Biofach vorgestellte neue Lagerbier ‚BierForFuture‘ in der grünen Ale-Flasche und mit Bio aus Baden-Württemberg-Siegel vereint die beiden Aspekte. Die Anspielung auf die Fridays for Future-Demonstrationen liegt auf der Hand und soll bewusst auch jüngere, umweltbewusste Menschen als weitere potenzielle Zielgruppe auf Bio-Biere und -Mischgetränke aufmerksam machen.

Die Härtsfelder Familienbrauerei Hald betont besonders den bodenstämmigen Charakter ihrer Biere, die sie traditionell und mit Bioland-Braugerste aus der Region herstellen. Dazu gehören etwa Export klassik und alkoholfrei, Dunkel- beziehungsweise Schwarzbier, light Bier mit nur 2,6 Prozent Vol. und Weizenbier in Form von Hefe-Weizen alkoholfrei und dem originellen Weisse Mehrkorn mit Weizen, Gerste und Dinkel. Eine Farbmarkierung auf dem Etikett hilft, die Sorten auf den ersten Blick zu unterscheiden.

Unertl sorgt mit Dinkel Weisse für Abwechslung im Obergärigen Segment, dem man von Anfang an eine alkoholfreie Dinkel Weisse als isotonisches Erfrischungsgetränk an die Seite gestellt hat. Zum neuen sommerlich frischen Angebot gehören außerdem ein Russn Halbes, ein spritziges Weißbier mit Zitronenlimonade, sowie ein alkoholfreies Fitnessgetränk mit gekeimtem Getreide auf Frucht und Kräutern. Angefangen von Unertl Hell bis eben zu den Neuheiten, hebt die Brauerei den sorgfältigen Herstellungsprozess hervor – mit besonderem weichen Brauwasser und dem Verzicht auf eine Filtration oder Stabilisierung.

Ihr Bio-Bier-Angebot solle wachsen, bestätigt die Familienbrauerei Engel im Gespräch mit bioPress. Drei der bisher vier Bio-Produkte sind alkoholfrei: Keller-Bier, Keller dunkel und Naturradler ergänzen das zuerst aufgenommene Pils.

Engel hat dabei anders als üblich einen Schraubverschluss anstelle von einem Kronkorken oder Bügelverschluss gewählt. Ein solcher verschließt das saisonale Black Forest Summer Ale der Brauerei Ketterer aus dem Schwarzwald. Ganzjährig läuft hier das Ketterer Hell, wobei beide Bio-Biere mit Hornberger Lebensquell Mineralwasser gebraut werden.

Lust auf’s Besondere mit Aromahopfen und Urgetreide

Zu den weiteren Besonderheiten bei Bio-Bier zählt, dass einige Brauereien auch andere Getreidesorten vermälzen oder, und glutenfreie Biere produzieren. Bekannt einerseits für ihre umfassende Bierauswahl und andererseits für Spezialitäten ist vor allem die Bioland-Brauerei Riedenburger.

Unter den bald 30 Sorten finden sich nicht nur die Klassiker inklusive Weizen-Bieren, Saison- und schon fünf alkoholfreien Bieren, sondern außerdem eine Reihe an Craft- und Urgetreidebieren. Gebraute Limonaden kommen noch dazu. Produktionstechnisch finden sich sämtliche Bio-typischen Grundsätze vereint. Dabei setzen die Braumeister neben Naturhopfen nur ungekreuzte Getreidesorten und Hefe aus eigener Zucht ein.

Durch den generellen Verzicht auf eine anschließende Klärung soll die so erreichte Natürlichkeit erhalten bleiben. So steht dann speziell bei den Urgetreidebieren mit Emmer, Einkorn und Dinkel deren Nährstoffgehalt im Vordergrund. Ein Hindernis für die Produktion von Craftbeer stellt das nicht dar. Vielmehr hat Riedenburger bei den ‚Suden‘ vor allem jene Verbraucher im Blick, die offen für aromastarke und neu inspirierte Biere sind. Beispielsweise Dolden Sud IPA mit und ohne Alkohol (Null) oder Dark.

Während sich Biere mit Dinkelmalz auch bei anderen Bio-Anbietern finden, ist Hafer noch eine Rarität. Die Apostelbräu hat mit ihrer neuen Schwarzbierspezialität mit natürlich schwarzem Hafer nun gleich den Innovationspreis 2020 beim  Wettbewerb ‚Bayerns beste Bioprodukte‘ gewonnen.

Glutenfreie Biere sind noch eindeutiger ein Nischenprodukt. Auf dem Bio-Markt finden sich aber auch hierfür Beispiele. Seit vielen Jahren gibt es das Schnitzer Bräu mit Hirse im Pils-Stil und das passende Hirse-Lemon-Radler; bei der Salzburger Stieglbrauerei basiert das noch junge glutenfreie Bio-Bier auf Braunhirse. Die Neumarkter Lammsbräu setzt bei ihren drei Varianten dagegen auf eine Methode, bei der das Klebereiweiß nachträglich und vollständig aus dem mit Gerstenmalz gebrautem Bier entfernt wird.

Biofach 2020 – die diesjährige Bio-Weltmesse war von Produkten mit Hanf geprägt, inklusive von Biergetränken. Unertl präsentierte hier Bio-Hanf-Biermix und Bio-Hanf-Biermix Naturzitrone ‚Chill a’ bissl‘ mit regionalem Hanf. Und Härtsfelder überraschte mit einem Hanf-Beer Mix mit Hanfblüten und -blättern. Natürlich mit dem markanten Hanfblatt als Hingucker auf dem Etikett.

Bettina Pabel


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