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Bio-Mangos und Bio-Cashews aus Burkina Faso

Groupe Waka als erstes Unternehmen mit BRC-Zertifizierung

Bio-Mangos und Bio-Cashews aus Burkina Faso © Groupe Waka

Seit über einem Jahrzehnt werden durch die Groupe Waka Früchte und landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem westafrikanischen Burkina Faso angebaut, verarbeitet und vermarktet. Fast drei Millionen Euro setzt das Unternehmen im Jahr durch den Export von frischen und getrockneten Bio-Mangos und Cashew-Nüssen in die verschiedensten Länder der Welt um und sei führend in der Verarbeitung von Bioprodukten in Burkina Faso.

2006 wurde das Unternehmen in Ouagadougou gegründet, der Hauptstadt von Burkina Faso und mit über zwei Millionen Einwohnern der größten Stadt des Landes. Gründer, Eigentümer und Geschäftsführer ist der Burkise Fogué Kouduahou, der im Ausland einen Abschluss als technischer Lebensmittelingenieur erworben hat und zwölf Jahre Erfahrung als technischer Berater des in Burkina Faso beheimateten Albert-Schweizer-Ökologiezentrums mitbringt, einer Schweizer NGO (Nicht-Regierungs-Organisation).

Stetiges Unternehmenswachstum

Das Geschäft habe sich seit seinen Anfängen gut entwickelt, jedes Jahr steige der Umsatz um zehn bis 15 Prozent. Zurzeit liege er bei etwa 2,5 bis drei Millionen Euro im Jahr. Den größten Geschäftsbereich stelle bisher mit 80 Prozent der Anbau, die Verarbeitung und der Export von ökologisch produzierten Mangos dar. Der erste Verarbeitungsbetrieb für diese Früchte wurde 2011 in Betrieb genommen. Seit 2017 hat Groupe Waka den Betrieb um drei Trocknungsanlagen für die Mango-Früchte erweitert.

Bio-Cashews machten bisher einen Anteil von etwa einem Fünftel der Produktmenge aus, dieser soll jetzt erhöht werden. In 2018 wurde eine moderne Cashew-Fabrik speziell für die Verarbeitung dieser Nüsse in Betrieb genommen. Die Planung ist, den Anteil der Cashews auf zirka 50 Prozent zu steigern.

Auch im laufenden Jahr werde expandiert. Eine neue Halle für Mangos sei gebaut worden und die Anschaffung zusätzlicher Verarbeitungsmaschinen in die Wege geleitet.

Als einziges Unternehmen in Burkina Faso kann die Groupe Waka neuerdings eine BRC-Zertifizierung vorweisen. Es habe eineinhalb Jahre gedauert, bis das Bemühen um die Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Jetzt wurde Kouduahous Firma die entsprechende Kompetenz in den Bereichen Hygiene, Lebensmittelsicherheit und Qualitätssysteme bestätigt.

Ökologisches und soziales Engagement

Fogué Kouduahou sieht sein Ziel darin, immer mehr Bauern auf Bio umzustellen und in die Gruppe aufnehmen zu können.

Am Anfang erklären er und seine Mitarbeiter den Farmern die Prinzipien des Bio-Anbaus und unterstützen sie bei der Umstellung.
Die Kosten für die notwendige Bio-Zertifizierung und für das Saatgut werden von der Groupe Waka übernommen. Mit den Anbauern würden langfristige Lieferverträge geschlossen. „Ich verhandle auf Augenhöhe mit den Farmern“, betont Fogué Kouduahou. Bindende Regeln für beide Seiten, Vorauszahlungen, sofortige Cash-Zahlungen bei Abholung der Ware und Abnahmegarantien gehörten zu den Prinzipien.

Netzwerk von 130 Produzenten

Heute arbeite die Groupe Waka mit einem Netzwerk von 130 Produzenten zusammen. Die seien in Mango- und Cashew-Produzentengruppen im Westen und Südwesten Burkina Fasos organisiert und bewirtschafteten zusammen über 800 Hektar Land ökologisch. Es gebe zwei unternehmenseigene, lebensmittelgeeignete LKWs: Einen um die Rohware von den teilweise weit entfernten Plantagen zum Verarbeitungsbetrieb in Ouagadougou zu bringen, den zweiten für den Transport der verarbeiteten Ware.

Die 130 Produzenten der Gruppe repräsentieren auch 130 Familien: Da eine kleine burkinische Familie durchschnittlich zehn Personen zu ernähren hat, unterstützt die Groupe Waka durch ihre Tätigkeit mehr als 1.300 Menschen in den Dörfern.

Frauenförderung durch Arbeitsplätze

Außerdem hat sich das Unternehmen aus den Anfängen mit etwas über hundert Mitarbeitern zum Arbeitgeber für mehr als 312 feste und saisonale Mitarbeiter entwickelt. Fast dreihundert von ihnen und damit über 90 Prozent sind Frauen. Die Arbeiterinnen für die Cashew-Verarbeitung konnten erst vor drei Jahren fest angestellt werden, als die neue Fabrik erbaut wurde. Gerade die Situation der Frauen wird durch die Anstellung bei der Groupe Waka nachhaltig verbessert und so kann auch das Schulgeld für die Kinder gezahlt werden.

Die Groupe Waka bietet dazu rund einhundert indirekt beschäftigten Menschen die Möglichkeit, zu einem Auskommen - ob als Mango-Sammler und -Verlader in den Obstgärten, als Transporteure, Spediteure und in vielen anderen Tätigkeiten rund um den Mango- und Cashew-Sektor. Vornehmlich für den lokalen Markt produziert die Groupe Waka auch Mango-Essig aus den Verarbeitungsresten der Mangos, Säfte, Sirups und Marmeladen.

Das soziale Engagement der Groupe Waka wurde erst im Dezember des letzten Jahres von der Landesregierung mit einer Auszeichnung gewürdigt. Fogué Kouduahou ist stolz darauf, dass die Regierung damit ihr Vertrauen ausdrückt, auch darauf, dass erhaltene Kredite reinvestiert würden. Staatliche finanzielle Unterstützung erhalte die Groupe Waka allerdings nicht.

USA und Kanada als neue Märkte

In diesem Jahr würden etwa 400 Tonnen getrocknete Bio-Mango der Sorten Amelie, Leepens und Brooks von der Groupe Waka exportiert. Ernte und Export erfolgen von April bis September. Alle zu exportierende Ware wird direkt zum Hafen von Abidjan transportiert und in Kühlcontainern verschifft, da es in Burkina Faso keine Bio-zertifizierten Lagerhallen gibt. Die diesjährigen Cashews werden im Frühjahr geerntet und dann von September bis Februar verschifft.

Seit etwa zwei Jahren haben sich für die Groupe Waka mit den USA und Kanada neue Märkte aufgetan. Davor wurde schon nach Europa exportiert, namentlich Deutschland, die Niederlande, Frankreich und in die Schweiz. Als exklusives Verkaufsbüro agiert die Hamburger Firma Anabela Foods. Sie stand der Groupe Waka von Beginn an zur Seite und unterstützt sie in allen Bereichen der Geschäftsabwicklung.

Elke Reinecke

 

Burkina Faso – das Land der Aufrichtigen
Burkina Faso bedeutet übersetzt ‚das Land des aufrichtigen Menschen‘. Es gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, liegt im Inneren Westafrikas und besitzt eine Fläche von über 27,4 Millionen Hektar. Es herrscht tropisches Wechselklima mit Durchschnittstemperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius. Das Land zeichnet sich durch kulturelle Vielfalt und eine vergleichsweise gute politische Stabilität aus.
Auf etwa einem Fünftel der Landfläche von Burkina Faso wird Ackerbau betrieben (Weltbank 2017). 90 Prozent der beinahe 20 Millionen Einwohner leben von der Landwirtschaft, decken damit aber meist nur ihren Eigenbedarf. Fast 57.000 Hektar Ackerland werden ökologisch bewirtschaftet (FiBL, 2018). Dies sind nur 0,5 Prozent der gesamten Ackerfläche, sie entsprechen aber einem Wachstum von über 285 Prozent in den letzten zehn Jahren. 2017 gab es fast 27.000 Bio-Produzenten, 107 Bio-Verarbeiter und 71 Exporteure von Bio-Waren.
Von internationalem Interesse sind vor allem der Export von Erdnüssen und Baumwolle. Burkina Faso leidet an zunehmender Verwüstung, gefördert durch großflächige Monokulturen und agrarindustrielle Bodenbearbeitung. Das Land diente jahrelang als Vorzeigeland für Monsantos gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle, doch 2016 wurde der Anbau durch das dortige staatliche Monopolunternehmen aufgrund der minderwertigen Qualität der Baumwolle eingestellt.

 

BRC Global Standard
Jedes Unternehmen, das Lebensmittel verarbeitet oder verpackt, kann sich nach dem sogenannten BRC Global Standard zertifizieren lassen. Dieser ist von der Global Food Safety Initiative (GFSI) anerkannt und hat sich gerade auf den englischsprachigen Märkten als langjährig anerkannter, branchenspezifischer Standard etabliert.
Voraussetzung für die erfolgreiche Zertifizierung ist ein Hazard Analysis and Critical Control Points (HACCP) Konzept. Es handelt sich um eine Gefahrenanalyse, mit der ‚Kritische Kontrollpunkte‘ ermittelt und beherrscht werden sollen. Dies beinhaltet ein dokumentiertes Qualitätsmanagement sowie den Kontrollnachweis der Hygienebedingungen.

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