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Öko-Marketingtage

Öko-Marketing mit Verantwortung

Zum zweiten Mal engagierte Diskussionen auf Schloss Kirchberg

Unter dem Motto „Welcome to Mainstream – Gemeinsam Verantwortung übernehmen“ trafen sich rund 230 Vertreter der (Bio-)Landwirtschaft, des Handels und der Produktion sowie Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu den 2. Öko-Marketingtagen der Akademie Schloss Kirchberg. Sie stellten Beispiele nachhaltiger Projekte und Strategien vor und diskutierten über zukunftsfähige Markt-Konzepte.

Zur Verantwortung des Handels nahm etwa Horst Lang von der Globus SB-Warenhaus Holding Stellung und forderte einen Paradigmenwechsel: „Weg vom Marktanteil, hin zum Anteil am Leben.“ Ein globales Beispiel für die Förderung höherer Lebensstandards kam aus China, wo die Alibaba Group seit 2014 in 30.000 Dörfern Servicestationen aufgebaut hat, um der dörflichen Bevölkerung mehr Perspektiven zu bieten – umgekehrt gelangen so auch Waren aus den Dörfern in die Städte. Aus Frankreich wurde die Initiative ,C'est qui le patron?‘ (,Wer ist hier der Boss?‘) vorgestellt, die nach großem Erfolg im Nachbarland auch in Deutschland aktiv wird. Hier bestimmen Verbraucher selber, welche Eigenschaften Produkte haben sollen, und welchen Preis sie dafür bezahlen.

Auch in der Podiumsdiskussion „Verantwortungsbewusste Vermarktungswege – Show oder Substanz?“ ging es unter anderem darum, dass die Marktstrukturen geändert werden müssten. Julian Beer, Geschäftsführer Einkauf Lidl, gestand zu, der LEH habe nicht-nachhaltige Strukturen geschaffen: „Jetzt versuchen wir zu korrigieren.“ Lidl, das jüngst eine Partnerschaft mit Bioland eingegangen ist, versuche mit seiner „Marktmacht Akzente zu setzen“.

Starke Worte fand Thomas Jorberg, Vorstand der GLS Bank. Er sprach für die Bewegung Entrepreneurs for Future, zu der mehr als 4.000 Unternehmen gehören, über verantwortungsvolles Unternehmertum: „Jede wirtschaftliche Tätigkeit macht nur Sinn, wenn sie ganzheitlich dem Wohl aller Menschen gilt.“ Das jüngst in Berlin verabschiedete Klimapaket sei „weitestgehend wirkungslos“, „eine grobe Fahrlässigkeit“ und „eine verpasste Chance“.

Auch nach Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, müsse der Bund die Weichen stellen, Öko-Landwirtschaft stärker zu fördern. Sie habe die Lösungen für die Biodiversitätskrise wie die Klimakrise.

Hier sei die Landesregierung auf einem guten Weg, versicherte Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), Staatssekretärin für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: „Wir werden zusätzliches Landesgeld für Biodiversität, Beratung, Schulung und Stärkung der Wertschöpfungsketten bereitstellen.“ Und ganz konkret: „Wir haben jetzt 40 Prozent Außer-Haus-Verpflegung – das ist schon ein Hebel für Bio.“

Bioland-Präsident Jan Plagge bezog sich besonders auf die Verantwortung der Bioverbände. Verantwortlich im Sinne der eigenen Ideale? „Wir sind gut, aber davon sind wir noch weit entfernt“, konstatierte er. Es gelte, zu ‚Veränderungspartnerschaften‘ zu kommen: „Polarisierung ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können.“ Die Bio-Verbände müssten alle Branchen mitnehmen und Brücken schlagen: „Lassen Sie uns um die Sache streiten und uns einigen – nicht wie die Politik, die Streitpunkte verschiebt, weil sie wehtun, und damit viel mehr wehtut.“


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