Start / News / Editorial Ausgabe 102/Januar 2020, 1. Quartal

Editorial

Editorial Ausgabe 102/Januar 2020, 1. Quartal

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Bio wirkt! Das werden im Februar tausende Teilnehmer auf dem Kongress während der Biofach-Messe diskutieren. Bio wirkt nicht als Mode oder Trend sondern nachhaltig. Viele Menschen in allen Ländern richten aktuell ihre Aufmerksamkeit auf gesundes Essen.

Möglicherweise ist das Bewusstsein über den Missbrauch auch dieses Stücks der Natur so weit gewachsen, dass es kein Weiter so mehr geben kann. Ja, es hat schon vor Jahrzehnten nachdenkliche Geister gegeben. Das Wissen über Nahrung als erste Medizin ist gar Jahrtausende alt. Das hat Druck erzeugt.

Wie kam es zur heutigen desolaten Situation unserer industrialisierten Lebensmittelproduktion? Und somit zur Chance für Querdenker, die naturgerechtes Essen zu ihrem wichtigsten Anliegen machten. Die Schwarmverhaltens-Ursachen des immer billiger - immer besser sollen Historiker und Wissenschaftler untersuchen. Da ist vieles zu tun.

Wir müssen uns der Frage widmen, wie Bio heute mitten im Mainstream wirkt. Nur Geschichten verbreiten ist zu wenig. Auch wenn sie in noch so positive Inhalte gekleidet werden. Marketing bringt keine Veränderungen, wenn die Inhalte abgedroschen wirken, Transparenz ersetzen oder Egoismen verschleiern.

Was wirkt neben den Fakten wie Wasser schützen, Boden fruchtbar halten oder wieder machen, die Artenvielfalt fördern, den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen, alles für die Gesundheit tun und faire Einkommen schaffen für alle Beteiligten an der Lebensmittelproduktion und -Vermarktung?

Die Natur war mal hundertprozentig. Jetzt wollen wir wieder hin zu 100 Prozent Bio und wenige glauben daran? Ja wie, das Gedächtnis ins Nirvana geschickt? Oder die eigenen Glaubenssätze gelten nur für andere? Die Dummen mit der Angst im Gepäck, die Glaubensvorbeter brauchen?
Es gibt im Ernst Leute, die leugnen, was sich offensichtlich vor unseren Augen abspielt. Warum tun sie das? Sie leben davon! Und schlechte Gewohnheiten abschütteln geht nicht so einfach. Und warum etwas ändern, solange alles gut geht?

Lebensmittel sollen gesund sein? Es reicht doch, einfach satt zu werden. Das Schlimme ist, dass diejenigen, die ums reine Satt werden kämpfen müssen, möglicherweise in ihrem Mangel noch am gesündesten leben. Jedenfalls so lange, wie man Milliarden von Menschen nicht ihr Stück Land wegnimmt, das ihnen die Selbstversorgung ermöglicht.

Und wir, eine kleine Minderheit, machen uns einen Kopf für ökologische Lebensmittel? Und dabei sogar, wer macht es richtig, wer falsch. Oder wer darf und wer nicht dazugehören?

Die Richtung für den Weg zurück zu 100 Prozent Bio ist gesteckt. Da kann, darf es Änderungen oder Abweichungen geben. Wichtig bleibt das Ziel. Und, dass viele gemeinsam den Zug zum Rollen bringen.

Die Auseinandersetzung nur mit der Frage, wer kann Bio besser, wer ist am glaubwürdigsten, verhindert mehr als zu erreichen wäre, wenn Bio für alle mit allen zusammen bewegt, wenn nach vorne gedacht würde.

Der Naturkostfachhandel war Pionier im Biohandel. Zuvor gab es Biobauern mit Hofladen, die Angst beschlich vor einem Umsatzeinbruch, als die Bioläden kamen. Heute ist Bio bis in den Mainstream vorgedrungen und es gibt viele Diskussionen über den Umgang mit Bio. Hier Abgrenzungen bis hin zu manchmal Diffamierungen, dort der Wunsch nach den Marken, um der Kundschaft im Supermarkt zu liefern, was sie erwartet.

Auch der Lebensmitteleinzelhandel hängt an seiner Vorstufe wie der Fachhandel. Die bietet Sicherheit, allerdings mit fallender Tendenz. Die Welt verändert sich rasant. Wer nicht mithält, wird begraben. Es zählen Unabhängigkeit und individuelle Sortimente.

Verbände machen es sich zur Aufgabe, die Verbraucher über Bio aufzuklären. Dabei wird zusammen gearbeitet mit dem Handel als wichtigstem Brückenschlag zum Publikum. Der Handel hat viele Gesichter. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie brauchen eine Vorstufe für die Bio-Beschaffung und Experten zur Unterstützung in vielen Dingen. Bio ist anders als herkömmliche Lebensmittel vermarkten. Bio tut sich von alleine nur sehr schwer.

Bio-Bauern unterstützen ihre konventionellen Kollegen, weil sie deren Probleme kennen und wollen, dass überall um sie herum Bio angebaut wird. Der Kontamination wegen? Oder aus Überzeugungsgründen. Es soll mehr Bio, 100 Prozent Bio, produziert werden.

Ein Weg zu mehr Bio im Supermarktregal führt über die Zentralen und damit die herkömmlichen Strukturen, wie sie sich auch im Naturkostfachhandel entwickelt haben. Ein anderer Weg geht direkt zu den Kaufleuten. Lokal oder regional vom Bauern oder auf Strecke von Produzenten und Herstellern, die nicht auf Listungen großer Dimension warten wollen. Oder ihre Mengen reichen nur für Wenige, sind also uninteressant für Zentralen.

Messen bringen Interessenten zusammen. Auf diesen Marktplätzen lernt sich kennen, was zusammen gehört. Besuchen Sie also die Fachmessen und finden Sie Ihre Bio-Vielfalt.

Erich Margrander
Herausgeber


Angebots-Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren