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Bio aus Äthiopiens Kafa-Biosphärenreservat

Faire Partnerschaften gegen Armut und für Naturschutz

Bio aus Äthiopiens Kafa-Biosphärenreservat © Karin Heinze
Viele Kleinbauern in Kafa leben in einfachsten Verhältnissen.

Die Nebelwälder von Kafa im Südwesten Äthiopiens gelten als Geburtsort des Arabica-Kaffees. Gleichzeitig ist dieses Bergregenwaldgebiet eine Schatzkammer der Biodiversität und spielt eine wichtige Rolle als Klimaoase. Der Naturschutzbund Deutschland hilft beim Aufbau fairer Handelsbeziehungen, um den Erhalt des Ökosystems mit den Bedürfnissen der dort lebenden Kleinbauern in Einklang zu bringen, und die herrschende Armut zu reduzieren.

Auf der ganzen Welt gibt es insgesamt 36 sogenannte Biodiversitäts-Hotspots: Regionen, in denen nicht nur eine besonders hohe Anzahl an Tier- und Pflanzenarten existieren, sondern diese auch noch gleichzeitig stark gefährdet sind. Eine davon ist das Biosphärenreservat Kafa in Äthiopien, dessen Waldfläche in den letzten Jahrzehnten dramatisch geschrumpft ist.

Dramatischer Verlust fruchtbaren Bodens

Das Ausmaß der Entwaldung in Äthiopien ist erschreckend: Bis in die 1970er Jahre war das Land zu etwa 40 Prozent mit Wald bedeckt, heute sind es schätzungsweise weniger als drei Prozent, die Entwaldungsrate liegt bei 80.000 bis 200.000 Hektar pro Jahr. Vom Hubschrauber aus ist deutlich zu sehen wie sich landwirtschaftliche Flächen, Weiden, Äcker und Brachen in den Wald fressen.

Die Folgen sind Landdegradierung und Bodenerosion – jedes Jahr gehen 400 Tonnen fruchtbarer Boden pro Hektar verloren – sowie negative Effekte für Klima und Natur. Dabei leben 80 bis 90 Prozent der rund eine Million Einwohner in Kafa von der Landwirtschaft. Die Nutzung der Wälder war lange in Symbiose möglich, doch mit zunehmender Bevölkerung nahmen die Rodungen zu, immer mehr Holz wurde als Baumaterial und als Feuerholz genutzt.

NABU fördert nachhaltigen Anbau

Vor gut zehn Jahren begann der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) die Aufforstung und die nachhaltige Nutzung des Waldes zu unterstützen. Ziel des NABU und seiner Partner ist es, die Bevölkerung in Kafa, und hier vor allem die Kleinbauern, beim Schutz des Biosphärenreservats zu fördern und ihnen gleichzeitig zu etwas mehr Wohlstand zu verhelfen. Denn obwohl die Kleinbauern eine wichtige Rolle beim Schutz des Ökosystems übernehmen und äthiopischer Kaffee hohe Weltmarktpreise erzielt, kommt momentan viel zu wenig Geld bei den Bauernfamilien an.

Weitere Standbeine schaffen - vor allem für Frauen

Der NABU und seine lokalen und internationalen Partner setzen sich seit Jahren dafür ein, den Druck auf Waldressourcen zu minimieren und die Einkommensquellen der Kleinbauernfami- lien zu differenzieren. Der nachhaltige Anbau von Kräutern, Gewürzen und anderen Nicht-Holz Waldprodukten, wie etwa aus Bienenhaltung (Honig, Wachs), werden gefördert, ebenso die Nutzung hausnaher kleiner Flächen für den Kaffeeanbau im Agroforstsystem, dem sogenannten Garden Coffee.

Es werden insbesondere Frauen unterstützt, verschiedene Kräuter- und Gewürzpflanzen anzubauen und zu trocknen. Viele Frauen haben eifrig die Gelegenheit ergriffen, zusätzliches Ein- kommen zu generieren. Doch noch fehlt es an Infrastruktur, um die Qualität zu verbessern und an Absatzmöglichkeiten für die Kräuter. Der Leiter des lokalen NABU-Teams in Kafa, Mesfin Tekle, bedauert: „Wir haben bisher nur wenig Abnehmer und der Markt bezahlt nicht die Preise, die unsere Kräuter wert sind.“ Die Ernten bleiben liegen und die Frauen sind frustriert.

Um die Vermarktung der Produkte aus Kafa zu fördern, brachte der NABU Anfang November 2018 im Rahmen der ‚NABU’s Green Tour to the Origins, Kafa Biosphere Reserve‘ äthiopische Produzenten und nachhaltige Unternehmer aus aller Welt mit dem Ziel zusammen, langfristige Geschäftspartnerschaften anzubahnen. Vertreter von Firmen und Organisationen aus Äthiopien, Deutschland, Kanada und den USA besuchten die einheimischen Kleinbauern und konnten sich vom Potenzial Kafas überzeugen.

Vermarktung erfordert großes Engagement von Unternehmen

Das Interesse an den Produkten aus Kafa ist unzweifelhaft da. Franziska Geyer, Geschäftsführerin des Bio-Kaffee- und Teespezialisten Ökotopia aus Berlin war nicht nur begeistert von der vielfältigen Natur und den freundlichen Menschen, sondern auch vom runden Aroma des Kafa-Kaffees.

Doch sieht sie auch die noch zu überwindenden Hindernisse für eine erfolgreiche Handelsbeziehung: „Wenn wir uns als Bio- und Fairtrade Unternehmen hier engagieren sollen, ist der kontrollierte Bio-Anbau des Kaffees eine Grundvoraussetzung. Dazu muss den Kleinbauern entsprechendes Wissen vermittelt werden. Produktionsanlagen für die Weiterverarbeitung sind notwendig, genauso wie Lösungen für die mangelnde Infrastruktur“, sagt sie. Die zu bewältigen Herausforderungen lägen insbesondere im Bereich der Logistik und in der Vermarktung der Produkte zu für Produzenten fairen Preisen.

Erfolgreiche Kontaktvermittlung

Doch die Green Tour konnte erste Erfolge verbuchen. So ist ein vielversprechender Kontakt zur Firma Ariti Herbal Products hergestellt worden, die in der Hauptstadt Addis Abeba ätherische Öle herstellt und exportiert. Sie zeigte Interesse an verschiedenen frischen Kräutern aus Kafa.

Auch die äthiopische Erzeuger- und Exportgesellschaft GreenPath Food ist an dem Aufbau einer Zusammenarbeit mit Kafa interessiert. GreenPath konzentriert sich hauptsächlich auf den kleinbäuerlichen Bio-Anbau. Das Unternehmen exportiert unter anderem Avocados, Chilisorten, Kräuter und grüne Bohnen aus Äthiopien in die ganze Welt und stellte seine Waren bereits auf der Fruit Logistica 2017 vor. Es gebe jedoch einige Hürden zu überwinden, erklärt Andrew Weiler von Greenpath, etwa die Lagerung des frischen Ernteguts. Auch der Weitertransport von den abgelegenen Höfen zu einer Sammelstelle beziehungsweise zu GreenPath im 400 Kilometer entfernten Butajira stellt aus seiner Sicht derzeit eines der größten Probleme dar.

Vor derselben Schwierigkeit stehen Ethné und Philippe de Vienne von Epices de Cru aus Kanada. Die beiden ‚Spicehunter‘ aus Montreal sind in Kafa auf besondere Gewürze gestoßen, die sie gerne in ihre exquisite Kollektion von Gewürzmischungen aus aller Welt aufnehmen wollen. Doch zunächst müsse der Transport geklärt werden.

Karin Heinze
 

Kafas Nebelwald ist existentiell für das Klima
Die Nebelwälder von Kafa umfassen heute noch etwa 200.000 Hektar Baumbestand, schätzt der NABU. Diese Fläche kann jedes Jahr rund 600.000 Tonnen Kohlendioxid speichern und enthält etwa 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid in der Biomasse – nur zwei der triftigen Gründe, die Bergregenwälder zu erhalten, besser noch, die Flächen sukzessive wieder zu erweitern. Seit Beginn seiner Projektaktivitäten konnte der NABU durch Wiederaufforstungsprogramme mehr als 1.600 Hektar degradierte Fläche bepflanzen. Das Thema ist weiter aktuell und gewinnt mit fortschreitendem Klimawandel an Wichtigkeit.
Dazu geht es um die Erhaltung der einzigartigen Biodiversität der Nebelwälder. Sie bergen viele seltene Pflanzen- und Tierarten, die zum Teil nur dort vorkommen. Etliche davon sind jedoch bereits gefährdet. Ein großer Erfolg der NABU-Arbeit und eine gute Basis für die weitere Arbeit in Kafa ist die Tatsache, dass ein Gebiet von rund 760.000 Hektar Fläche seit 2010 UNESCO Biosphärenreservat ist.
 

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