Start / Business / Themen / Gesellschaft / GEPA ruft zu wirksamem Lieferkettengesetz auf

Lieferkettengesetz

GEPA ruft zu wirksamem Lieferkettengesetz auf

Zivilgesellschaftliche Kampagne jetzt gestartet

GEPA ruft zu wirksamem Lieferkettengesetz auf

Wuppertal, 11.09.2019 | Zusammen mit zahlreichen weiteren Akteuren wie MISEREOR und Brot für die Welt fordert der Fair Trade-Pionier GEPA die Bundesregierung auf, noch in dieser Legislaturperiode ein wirksames Lieferkettengesetz zu verabschieden. Die GEPA unterstützt damit eine breit angelegte zivilgesellschaftliche Kampagne für ein Lieferkettengesetz, die gerade gestartet ist.

Das neue Gesetz solle allen transnational agierenden Unternehmen ab 250 Mitarbeitern mit Sitz in Deutschland menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Wertschöpfungskette vorschreiben. Unternehmen müssten dann Risiken untersuchen, Maßnahmen ergreifen, berichten, Beschwerdestellen einrichten und bei Nichteinhaltung Bußgelder zahlen.

Für Risikosektoren wie beispielsweise den Tee-Anbau fordert die GEPA die Ausweitung eines solchen Gesetzes auch auf kleine und mittelständische Unternehmen. Erst kürzlich habe die Rosa-Luxemburg-Stiftung in ihrer Studie ‚Edle Tees für Hungerlöhne' über massive Ausbeutung im Anbaugebiet Darjeeling berichtet. Systematische Verstöße gegen Arbeitsrechte und das Recht auf Nahrung der Teearbeiter zeigten, dass bestehende Gesetze in Indien wie der Plantations Labour Act nicht ausreichen. Damit hier flächendeckend menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden könnten, seien die deutsche und die indische Regierung genau wie die Tee-Importeure in der Pflicht.

Tee-Importeure hätten die Marktmacht, existenzsichernde Löhne zu beeinflussen und ein Signal an die Regionalregierungen zu senden. Weltweit dominieren laut MISEREOR-Studie von 2014 (‚Hunger ernten: Plantagenarbeiter und das Recht auf Nahrung') drei Konzerne 80 Prozent des Teehandels. Diese Konzerne diktierten die Preise und Produktionsbedingungen. Auch mit Blick auf den deutschen Teemarkt sei die ungleiche Preisgestaltung entlang der Teelieferkette einer der zentralen Auslöser für die Missstände bei den Arbeitsbedingungen von Teepflückerinnen in Darjeeling.

GEPA-Geschäftsführer Peter Schaumberger dazu: „Deutsche Teehändler sollten Preise zahlen, die der hohen Tee-Qualität des Darjeeling-Tees tatsächlich entsprechen. Das ist auch die Basis für existenzsichernde Löhne. Im Dialog mit ihren indischen Partnerfirmen und Gewerkschaften sollten sie darauf hinwirken, dass die Löhne deutlich erhöht werden, beispielsweise auch durch Bonuszahlungen, wie sie bei unserem Partner TPI schon üblich sind.“

In rund 30-jähriger Kooperation mit dem Anbauverband Naturland und der GEPA sei die sozial engagierte Tee-Firma Tea Promoters India (TPI) zur Erfolgsgeschichte und zum Modell für Fairen Handel und Bio-Anbau in Darjeeling geworden. Eine Musterkalkulation für den GEPA Darjeeling-Grüntee zeige, dass der direkte Anteil der Pflücker und Arbeiter an den Einnahmen zweieinhalb bis fünfmal so hoch sei, wie bei den konventionellen Fallbeispielen, die die Rosa-Luxemburg-Studie ermittelt hat.

 

Weitere Informationen:

Zur Kampagne für ein neues Lieferkettengesetz

In dem Hintergrundpapier zu Menschenrechtsverletzungen im Teesektor: Fairer Handel und Lieferkettengesetz als wirksame Maßnahmen werden politische Forderungen und Vorschläge für konkrete Maßnahmen näher erläutert.



Das könnte Sie auch interessieren

LaSelva mit Label ‚Naturland fair‘

Zunächst 15 Feinkost-Spezialitäten und 13 Weine ausgezeichnet

LaSelva mit Label ‚Naturland fair‘

Gräfelfing & Albinia - Orbetello/Toskana, Juni 2019 | Die ersten Feinkost-Klassiker aus der Manufaktur des toskanischen Bio-Landgutes und Naturland Gründungspartners LaSelva tragen jetzt das ‚Naturland Fair‘-Label. Die Zertifizierung erlangte die unternehmenseigene, 829 Hektar große Landwirtschaft von LaSelva Bio-Feinkost im letzten Jahr.

12.06.2019mehr...
Stichwörter: Gepa, Fairer Handel, Lieferkettengesetz, Tee-Anbau

Fairtrade-Umsatz steigt weiter

Fairer Handel wächst um 22 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro

Fairtrade-Umsatz steigt weiter © TransFair e.V. / Sean Hawkey

2018 stieg der Umsatz mit Fairtrade-Produkten um 22 Prozent auf gut 1,6 Milliarden Euro. Produzenten im globalen Süden erwirtschafteten 29 Millionen Euro Prämiengelder durch Fairtrade-Verkäufe nach Deutschland: Vor allem immer mehr Kaffee, Kakao, Bananen und Rosen, aber auch Textilien aus fairem Handel finden den Weg in unser Land.

15.05.2019mehr...
Stichwörter: Gepa, Fairer Handel, Lieferkettengesetz, Tee-Anbau

Verbindlicher Schutz von Menschenrechten

Zum Internationalen Tag des Fairen Handels 2019 fordern Fair-Handels-Akteure konkretes Handeln

Berlin/ Köln/ Mainz  |  9. Mai 2019 – Am 11. Mai ist der Internationale Tag des Fairen Handels (World Fair Trade Day). An diesem Tag macht die Fair-Handels-Bewegung global auf ihre Vision einer gerechteren Welt sowie eines Handels zum Wohle von Menschen und Umwelt aufmerksam. Mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai fordern Forum Fairer Handel, Weltladen-Dachverband und TransFair die Kandidat*innen dazu auf, Europa in der kommenden Wahlperiode zum Vorreiter für faire und nachhaltige Produktions- und Konsumbedingungen zu machen. Unternehmen, die sich bereits für Fairen Handel einsetzen, dürfen wirtschaftlich nicht im Nachteil sein. Deshalb fordern die Akteure, dass alle Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, Menschenrechte in ihren Lieferketten einzuhalten. 

09.05.2019mehr...
Stichwörter: Gepa, Fairer Handel, Lieferkettengesetz, Tee-Anbau