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Regionalität

Handelshemmnisse für hofnahe Verarbeitung und Direktvermarktung beseitigen!

AgrarBündnis fordert Anpassung von Politik und Recht an Bedürfnisse von Lebensmittelhandwerk und Direktvermarktung

Trotz aller Verbrauchertrends zu Qualität und Regionalität: Die Situation des Lebensmittelhandwerks und der landwirtschaftlichen Direktvermarktung sei schwierig. Das liege zum Teil an hohen Stückkosten, vor allem aber an politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Erfordernissen von Lebensmittelhandwerk und Direktvermarktung nicht gerecht werden. Das AgrarBündnis hat die Problematik analysiert und fordert eine Anpassung der Agrar- und Verbraucherpolitik.

Das AgrarBündnis ist ein seit über 30 Jahren bestehender unabhängiger, überparteilicher und überkonfessioneller Zusammenschluss von derzeit 25 unabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Verbraucher- und Entwicklungspolitik. Es hat die derzeitige schwierige Lage für Lebensmittelhandwerk und Direktvermarktung mit finanzieller Unterstützung der landwirtschaftlichen Rentenbank aufgegriffen und legt nun als Ergebnis ein Diskussionspapier vor.

Nicht nur funktioniere die notwendige regionale Kooperation vom Acker bis zum Teller funktioniere oft nicht mehr, weil es aufgrund des Strukturwandels viele in dieser Kette notwendige Produktions- und Verarbeitungsbetriebe einfach nicht mehr gäbe. Zugleich seien die Anforderungen für Produzenten, Verarbeiter und Händler gestiegen:

Vor allem die Rechtsvorschriften hätten inzwischen eine extrem hohe und teilweise widersprüchliche Komplexität erreicht. Ihre flexible Auslegung, wie sie von der Europäischen Union vorgesehen sei, könne für das Lebensmittelhandwerk zwar ein Vorteil sein, doch in der Praxis variiere die Umsetzung der Lebensmittelkontrolle und Zulassungsvorschriften von Landkreis zu Landkreis. Die Vorschriften zur Lebensmittelhygiene und -kontrolle seien in der Regel nicht auf handwerkliche Verfahren ausgerichtet, sondern auf die speziellen Risiken einer industriell-arbeitsteiligen Produktion. Hinzu kämen zahlreiche und sich ständig ändernde standardisierende und normativ wirkende Beschlüsse, wie beispielsweise DIN-Vorschriften.

Künftig werde zusätzlich der Fachkräftemangel zu einem Problem, die derzeitige Berufsausbildung ziele am Bedarf von direkt vermarktender Landwirtschaft und Handwerk vorbei. Auch Forschung zu Fragen von Kleinbetrieben und Handwerk fehle.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein und um die vorhandenen Ermessensspielräume hilfreich im Sinne des Lebensmittelhandwerks und der direkten regionalen Vermarktung ausschöpfen zu können, seien nach Vorschlag des AgrarBündnis folgende Maßnahmen erforderlich:

  • eine veränderte, an die Produktionsverfahren von Handwerk und Direktvermarktern angepasste Risiko- und Technikfolgenabschätzung durch den Verordnungsgeber,
  • verstärkte Forschung und Entwicklung für Handwerk und Kleinbetriebe sowie ein entsprechender Aufbau von Beratungsstrukturen, die dieses Wissen weitervermitteln,
  • Verbesserung des Wissensaustauschs zwischen lokalen Kontrollbehörden und Produzenten sowie die Einrichtung von Clearingstellen zur Lösung von Konflikten,
  • Verstärkung der Lobbyarbeit von Handwerk und Direktvermarktern,
  • Wandel der Berufsausbildung und geeignete Fortbildungsangebote sowie Wissensaustausch unter Lebensmittelhandwerkern und Landwirten,
  • die Unterstützung partizipativer Organisationsformen von Produzenten und Konsumenten bzw. Bürgern.

In Abwägung aller Vor- und Nachteile bedürfe es auch bestimmter Ausnahmeregelungen für Handwerk und Kleinbetriebe.

 

Downlaod des Diskussionspapiers auf den Seiten von www.agrarbuendnis.de



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