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Regulierungslücke

Kritik an amerikanischer Bio-Regulierung

Wie Bio-Beerenobst und Glyphosateinsatz in den USA zusammen gehen

Eine amerikanische Bürgerinitiative kritisiert das National Organic Program, die Bio-Regulierungs-Organisation der USA. Anlass sind industrielle Produzenten von Bio-Beerenfrüchten, die Lücken der amerikanischen Bio-Verordnung ausnutzen würden, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen – ökologische und nachhaltige Produktion blieben auf der Strecke. Die NOP sieht keine rechtliche Handhabe gegen solche Praktiken. 

Immer mehr Beeren werden in den USA hydroponisch produziert, sie werden also in Hydrokultur angebaut, statt im Boden zu wachsen. In Amerika können auch solche Produkte Bio-zertifiziert werden. Nach Informationen einer Bürgerinitiative scheinen jetzt gerade in Florida und Kalifornien Unternehmen eine Regulierungslücke zu nutzen, um durch extreme Bodenbearbeitung und Herbizid-Einsatz im Vorfeld einer Bio-Zertifizierung besonders kostengünstig hydroponische Bio-Beeren zu produzieren. 

Die Initiative namens The Real Organic Project (ROP) beschreibt das Vorgehen: Erst werde der Acker nivelliert und extrem verdichtet und wenn dann nach einiger Zeit Unkraut durchbreche, werde dieses mit einem Herbizid, etwa auch Glyphosat, besprüht. Dann Folie drüber, Töpfe mit den hydroponischen Beerenkulturen drauf und diese direkt in der nächsten Woche als Bio zertifizieren lassen. So hätten diese Firmen einen großen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Bio-Beeren-Anbauern, die ihre Pflanzen vollkommen nachhaltig und ökologisch im Boden anbauen.

Nach der NOP (National Organic Program) sei ein solches Vorgehen rechtlich nicht zu beanstanden, da die Pflanzen nicht direkt mit dem Gift in Berührung kommen. NOP ist die Bio-Verordnung des USDA, des Landwirtschaftsministeriums der USA und zugleich Name der USDA-Abteilung, die für die Verwaltung und Durchsetzung der Regulierungen verantwortlich ist. 

Die The Real Organic Project-Initiative wirft der NOP vor, sich den Interessen von industriellen Anbauern von Bio-Produkten zu beugen. Die jetzt aufgezeigten Praktiken zeigten ihrer Meinung nach, wie anfällig die Bio-Gesetzgebung für ‚kreative‘ Rechtsinterpretationen von den Juristen finanzkräftiger Unternehmen ist. Echte Biobauern verlören dadurch ihre Marktanteile an industrielle Produzenten, deren Praktiken die Gesundheit von Boden, Wasser und Vieh sowie die Qualität der Lebensmittel gefährden. Zudem hätten die Verbraucher ein Recht darauf zu erfahren, wie ihre Lebensmittel hergestellt werden. Daher wolle das The Real Organic Project an der Entwicklung eines zusätzlichen Bio-Labels arbeiten, das Bio-Qualität strenger regelt.

Elke Reinecke
 


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