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Bauerngemeinschaft als Kern der Agrarwende

Der vierte Hohenloher Bauerntag präsentierte bäuerliche Regionalentwicklung als Erfolgskonzept

Bauerngemeinschaft als Kern der Agrarwende © BESH
Volles Haus: Rund 1200 Bürger und Bauern feiern gemeinsam in Wolpertshausen an Lichtmess den vierten Hohenloher Bauerntag.

„Unsere Bauern – Unser Land!“ – dies war das Motto des diesjährigen Vierten Hohenloher Bauerntags, zu dem die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) Bürger und Bauern der Region nach Wolpertshausen (Kreis Schwäbisch Hall) geladen hatte. Die inzwischen als politischer Aschermittwoch der Bauern etablierte Veranstaltung, initiiert vom BESH-Gründer Rudolf Bühler, lockte wieder mehr als 1200 Erzeuger und Verbraucher. Die hochkarätigen Redner aus Politik, Naturschutz und Bauerngemeinschaft nahmen teils kein Blatt vor den Mund und ernteten viel Beifall beim Publikum.

Von Rudolf Bühler, der Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, Professor Hubert Weiger, dem Vorsitzendenden des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), dem Politik-Urgestein Rezzo Schlauch bis zum Bundestagsabgeordneten Harald Ebner - einig waren sich alle, dass ökologisch und nachhaltig produzierte Lebensmittel angemessen bezahlt werden müssten und dass die Politik hier in der Verantwortung stehe. Zünftig mit Blasmusik und Vesper war die Stimmung gut im vollbesetzten Saal der Wolpertshäuser Gemeindehalle.

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Volles Haus: Rund 1200 Bürger und Bauern feiern gemeinsam in Wolpertshausen an
Lichtmess den vierten Hohenloher Bauerntag.

Traditionell wird der Hohenloher Bauerntag an Lichtmess, dem besonders für Bauern einst wichtigen Festtag, durch eine Andacht eingeläutet: Georg Eberhardt, der Referent des Landesbischofs, warb für Gemeinsamkeit und einen Brückenschlag, etwa zwischen BESH und Bauernverband. Rudolf Bühler betonte in seiner folgenden Eröffnungsrede noch einmal ausdrücklich die Stellung der BESH als einer Bauern- und Bürgerbewegung, einer Solidargemeinschaft, der es nicht um Gewinnmaximierung, sondern um „ländliche Regionalentwicklung für unsere Heimat“ gehe.

Die bisherigen beeindruckenden Erfolge der BESH konnte er stolz vorstellen; sowohl beim erfolgreichen genossenschaftlich betriebenen Schlachthof und der Dorfkäserei oder bei den hohen Auszahlungspreisen an die Erzeuger als auch auf politischer Ebene mit der Mitarbeit bei der Verabschiedung der Bauernrechte in der UN. Zudem sei wiederum ein Antrag bei der Landesregierung eingereicht worden, die Region als Bio-Musterregion Hohenlohe zu fördern.

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Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im baden-württembergischen
Landwirtschaftsministerium.

Unter anderem dieses Thema griff auch die Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch auf und deutete an, die Landesregierung stehe dem Antrag positiv gegenüber. Inzwischen ist dies offiziell bestätigt: Hohenlohe wird Bio-Musterregion. Die Staatssekretärin betonte, dass die Landesregierung die richtigen Weichen stellen wolle, um die heimische Landwirtschaft zu stärken. Bezogen auf Agrarpolitik und Subventionen stellte die CDU-Politikerin unter anderem heraus, dass die Verteilgerechtigkeit der öffentlichen Fördergelder erhöht werden solle: „Die Gesellschaft will eine Stärkung der kleinen und mittleren Betriebe“.

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Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz.

Weniger positiv sah Professor Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, den gesellschaftlichen Blick auf Bauern und Landwirtschaft. Die Gesellschaft „entfernt sich von ihren Lebensgrundlagen“, und die Leitpolitik unseres Staates erinnere an die 60er Jahre. Politik,  Wissenschaft und Gesellschaft förderten vor allem hochrationalisierte Großbetriebe und „Fleisch ist billiger als Gemüse, Milch ist billiger als Wasser“. Klatschen und Gelächter im Saal, als er eine Rote Liste für vom Aussterben bedrohte Bauern forderte. Für ihn ist die BESH ein Hoffnungsträger, und er sparte auch nicht mit Kritik am Deutschen Bauernverband, der sich jedem Gespräch mit dem BUND verweigere.

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Hohenloher Urgestein: Rezzo Schlauch.

Ähnlich formulierte dies der aus Hohenlohe stammende grüne Staatssekretär a.D. Rezzo Schlauch, der wie üblich kein Blatt vor den Mund nahm: „Mit dem Brücken bauen hab‘ ich’s nicht so“. Den Bauernverband sieht er als „größten Dagegen-Verband überhaupt“ und die Grüne Woche als „Wagenburg des industriellen Agrarkomplexes“. Am Ende schloss er aber doch mit einem Brücken bauenden Vorschlag an die landwirtschaftliche Standesvertretung: „Schlaft nicht länger den Schlaf der Selbstgerechten, nehmt das Heft des Handelns in die Hand und stellt zusammen mit uns die Weichen für eine Agrarwende!“ denn „Wer zu spät kommt, den bestraft der Verbraucher“. Bei Schlauchs ungeschminkter Rede wurde es laut im Saal – da gab es viel spontanen Beifall.

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Harald Ebner, Hohenloher Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner brachte zum Abschluss als Gentechnikexperte seiner Partei im Bundestag noch Themen wie die Gen-Schere CRISPR, Bio-Patentierung und die umstrittene Glyphosat-Risikobewertung aufs Tapet. Seine letzten Sätze galten aber wieder den regionalen Erzeugern. Er lobte und forderte die Qualitätsproduktion von Lebensmittel und sah die BESH auf dem richtigen Weg: „Machen Sie weiter, werden Sie mehr, nehmen Sie Ihren Nachbarn mit!“


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