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Agrarökologie

Biointensive Landwirtschaft, Marketgardening, Mikrofarming

Landwirtschaftliche Modelle mit revolutionärem Potenzial in Kiel vorgestellt

Biointensive Landwirtschaft, Marketgardening, Mikrofarming
Zum ersten Mal in Deutschland stellt Richard Perkins (Landwirt und Permakulturdesigner) die ökologischen und ökonomischen Potenziale regenerativer Landwirtschaft dar.

22.11.2018, Bad Dürkheim – „Neue Konzepte für eine agrarökologische und zukunftstaugliche Landwirtschaft“. Unter diesem Motto kamen Anfang der Woche 200 Interessierte aus ganz Deutschland sowie Dänemark, Luxemburg, Niederlande, Schweden und England zu einer Tagung über Biointensive Landwirtschaft und Marketgardening an die Universität Kiel. Organisiert wurde die mehrtägige Tagung von der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) gemeinsam mit dem Öko-Junglandwirte Netzwerk und dem Gustav-Radbruch-Netzwerk für Philosophie und Ethik der Umwelt (GRN) der Universität Kiel.

Vier International renommierte Experten berichteten von den Erfolgsrezepten ihrer Hofprojekte

Maude-Hélène und Jean-Martin Fortier (Ferme de la Grelinette, Kanada) bewirtschaften seit gut zehn Jahren ihren 0,75 Hektar großen Gemüsebetrieb biologisch und vermarkten ihre rund 30 verschiedenen Gemüsesorten über direkte Wege. Durch ihre biointensive Anbaumethode erzielen sie einen hohen Ertrag auf kleiner Fläche. Dank geringen Investitions- und Betriebskosten erreichen sie eine Rendite von 45 Prozent und ein gutes Einkommen für ihre Familie. „Der Schlüssel des Erfolges ist die Abkehr von einer traktororientierten Arbeitsweise hin zu einer menschenorientierten Arbeitsweise.“

Richard Perkins (Ridgedale Farm, Schweden) versteht seinen Hof als Experimentier- und Lernort. Durch Agroforstwirtschaft, holistisches Weidemanagement und Keyline-Design hat er eine vielfältige, produktive und bodenaufbauende Landwirtschaft entworfen. In seinem Vortrag präsentierte er Techniken und Herangehensweisen, die es ermöglichen, kleine Höfe ökologisch wertvoll und ökonomisch rentabel zu gestalten. „Es liegt in unserer Verantwortung unsere Landschaft zu regenerieren durch kleine profitable Betriebe, die Menschen wieder in die Landwirtschaft bringt.“

Maxime de Rostolan (Fermes d’avenir, Frankreich) gründete vor fünf Jahren die Organisation Fermes d’avenir. Diese unterstützt agrarökologisch-kleinbäuerliche Initiativen durch passende Ausbildungsformate, Beratungsangebote, Modellhöfe sowie Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit. 

In fünf verschiedenen Workshops stellten auch deutsche Teilnehmende ihre eigenen Projekte vor. Die Tagung ermöglichte zum ersten Mal einen Austausch und eine Vernetzung der Bewegung in Deutschland.

Mitorganisator Manuel Nagel von der Stiftung Ökologie & Landbau fasst die Ergebnisse der Tagung wie folgt zusammen: „Wir stehen global vor großen ökologischen Herausforderungen. Auf der Tagung wurde deutlich, dass es viele Konzepte und viele junge Menschen gibt, die das Potenzial und die Motivation haben, unsere Zukunft lebenswert zu gestalten. Daher soll es im kommenden Jahr die ersten Marketgarden-Feldtage geben.“

Hintergrund

Seit ein paar Jahren entstehen weltweit neue landwirtschaftliche Modelle, die durch ihren systemischen Ansatz beeindruckende Effekte aufweisen. Sie sind auf kleiner Fläche sehr produktiv und nennen sich Biointensive Landwirtschaft, Market Gardening oder Mikrofarms. Inspiriert von agrarökologischen und permakulturellen Denkweisen sind sie ökonomisch rentabel, ökologisch wertvoll und sozial wertschätzend. Ihre geringen Investitionskosten machen diese Konzepte besonders für junge Menschen interessant, die in die Landwirtschaft einsteigen möchten.

Kontakt
Manuel Nagel, Stiftung Ökologie & Landbau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
E- Mail: nagel@soel.de
 



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