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Urban Gardening am liebsten mit Bio-Gartenprodukten

Urban Gardening am liebsten mit Bio-Gartenprodukten

Vor allem im städtischen Bereich ist seit zwei, drei Jahren Freizeitgärtnern ‚in‘. Verbraucher werden zumindest im Kleinen zu Selbstversorgern. Durch das Kultivieren von Pflanzen auf dem Balkon oder Fensterbrett können sie nicht nur ihren Speiseplan bereichern. Vielmehr finden sie auf diese Weise eine sinnvolle und erfüllende Freizeitbeschäftigung. Gerade Kinder erfahren zugleich wieder, wie pflanzliche Lebensmittel gedeihen und dass es dazu auch Zeit und Pflege braucht.

Der Trend spiegelt sich in diversen Gemeinschaftsrojekten, bei denen gegebenenfalls von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Freiflächen bewirtschaftet und beerntet werden. Eine Folge ist die stark wachsende private Nachfrage nach ökologischen Erden, Düngemitteln und Saatgut — von Menschen, die in Bezug auf die eigene Ernährung und die Pflege ihrer Pflanzen bewusst entscheiden.

Gute Erde soll es sein, aber was heißt das?

Während im Innenbereich schon ab Februar die Topfpflanzen wieder gedüngt oder Saatgut vorgezogen werden und Sprossen auf die Fensterbank kommen, zieht es spätestens nach den Eisheiligen die Hobbygärtner mit Balkon und Garten wieder nach draußen. Die Nachfrage nach Pflanzsubstraten von der Universal- bis zur Spezial-Blumenerde steigt sprunghaft an.

Dabei wird der Trend zum Urban Gardening immer häufiger mit einem ökologischen Anspruch verbunden. Für die Substrate als Basis heißt das: Torffreie und unbelastete Bio-Erden. Dabei müssen diese eine an die jeweiligen Pflanzenfamilie angepasste Nährstoffzusammensetzung haben, genügend luftdurchlässig sein und Wasser speichern, damit sie gesunde Pflanzen und reichlich Ertrag bringen – kurz gesagt, sie müssen funktionieren.

Die Spannbreite an Anbietern ist groß, die dabei verschiedene Vertriebswege vom Gartenfachhandel und Baumärkten über den Lebensmitteleinzelhandel bis zu Webshops nutzen. Floragard, eine der bekanntesten Marken für Garten- und Blumenerden aller Art, baut zum Beispiel seit mehreren Jahren das Sortiment an Bio-Erden ohne Torf aus. Dazu gehören neben einer Allrounderde verschiedene Spezialerden und der sogenannte Grow Bag Bio Mini-Garten für das Pflanzen direkt im Sack.

Unabhängig ob Kräuter und Saaten, Tomaten und anderes Gemüse oder Beerenobst, Balkon- und Kübelpflanzen, sollen die Substrate zu deren optimaler Versorgung beitragen. Für die ökologisch orientierte Zielgruppe habe unter den ausgelobten Eigenschaften die natürliche Zusammensetzung der Erden Priorität, heißt es ergänzend bei der Floragard Vertriebs GmbH. Zwar hätten Bio-Produkte noch einen überschaubaren Anteil an den Gesamtumsätzen der Erdenbranche, doch verzeichne man jedes Jahr gutes Wachstum.

Auf der anderen Seite ist das Floragard-Sortiment durchaus von torfdominanten Produkten geprägt, was der fast 100-jährigen Geschichte als Partner für mehr als 20 produzierende Torfwerke geschuldet sei. Aber auch wenn es verschiedene Präferenzen zu bedienen gelte, sei man stolz auf das Know-How im Biobereich.

Dabei brachten die Oldenburger die ersten torffreien Substrate für Hobbygärtner wegen des enthaltenen mineralischen Düngers noch als konventionelle Erden auf den Markt. 2013 entschied man sich, diesen durch einen eigenen organisch-mineralischen Dünger zu ersetzen. Mittlerweile sind die torffreien Erden nicht nur als „Bio“ deklariert, sondern auch Ecocert zertifiziert. Zur Belüftung beziehungsweise Lockerung wird Kokosmark eingesetzt, das selbst nach starker Austrocknung wieder genug Wasser aufnehmen kann und gleichzeitig eine gute Strukturstabilität besitzen soll.

Zugleich forscht das Unternehmen nach heimischen Alternativen zu Torf und arbeitet über das Gesellschafterwerk Moorkultur Ramsloh an der Kultivierung von Torfmoosen. Mit zwölf Hektar besitzt das Werk sogar die größte zusammenhängende Sphagnum-Farming-Fläche weltweit. Nach eigenen Angaben haben Versuche  gezeigt, dass sich das Moos  als Ausgangsstoff für Substrate tatsächlich gut eignet. Alleine die Hürden durch die geltende gemeinsame Agrar-Förderpolitik GAP und die mangelnde Verfügbarkeit stellten eine große Herausforderung dar.

Verbraucher legten neben der absoluten gesundheitlichen Unbedenklichkeit  größten Wert darauf, dass Bio-Gartenprodukte zu 100 Prozent aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen bestehen. So betont es auch Ziegler Erdenwerke. Die hier erhältlichen gebrauchsfertigen und vorgedüngten Bio-Substrate, -Dünger und Holzfasern sind allerdings bisher nur torfreduziert.

Trotzdem kann Ziegler  beim Absatz ihrer Bodengold  Bio-Produkte für Hobbygärtner und Balkonbegrüner jährlich ein zweistelliges Wachstum bekanntgeben. Und man geht ebenfalls davon aus, dass der Trend im heimischen Garten sich weiter in Richtung Bio und Nachhaltigkeit entwickelt.

In diesen Zusammenhang passt die Terra Preta Schwarzerde - eine fruchtbare Erde aus dem Amazonas, die die Indios einst aus Pflanzenkohle hergestellt haben. Angelehnt an das historische Herstellungsprinzip produziert jetzt das rheinlandpfälzische Unternehmen Palaterra eine hochwertige Gartenerde, für die Pflanzenreste verbrannt und anschließend unter Sauerstoffausschluss zu einem Konzentrat fermentiert werden.

Für eine flächendeckende Verbreitung sorgt auch das Lizenz-System, das Kompostwerken angeboten wird um so eine regionale Verfügbarkeit zu ermöglichen. Je nach Anwendungszweck mit Zuschlagstoffen, Ton- und Gesteinsmehlen gemischt, stehen auf diese Weise torffreie Blumenerde für Haus & Balkon sowie Kultursubstrat für die Aussaat und Anzucht von Kräutern, sowie zusätzlich ein Feststoffdünger  zur Auswahl.  Obwohl die Palaterra Erde nicht gerade günstig ist, kann sich der Hersteller über eine gute Nachfrage freuen.

Die Produkte stehen inzwischen nicht nur über den Webshop, sondern unter anderem auch als ‚Gold der Erde‘ bei Alnatura zum Verkauf bereit. Palaterra-Gründer Joachim Böttcher kennt die Wünsche der Verbraucher und verweist darauf, dass die Substrate in Deutschland hergestellt werden, für den ökologischen Landbau zugelassen sind und eine Vielzahl an förderlichen Mikroorganismen enthalten.

Was die angesprochenen Zusätze betrifft, arbeiten einige Anbieter mit Kokosnussprodukten. Bei Aries Umweltprodukte finden die Kunden sogar eine Alternative zu Erde in Form eines reinen Kokosblocks. Hergestellt wird dieser, unterstützt vom Gepa Fair-Handelshaus, in Sri Lanka aus Reststoffen der Kokosnussverarbeitung. Dabei erweisen sich die 750 Gramm leichten  Blöcke als erstaunlich ergiebig − einfach mit Wasser angerührt, ergeben sie neun Liter Öko-Pflanzenerde.

Bio-Dünger können mehr als mineralischen Stickstoff, Phosphor und Kalium liefern

Zur vielseitigen Auswahl an Umweltprodukten, mit denen Aries schon seit 30 Jahren im Naturkosthandel präsent ist, gehören zudem Blumendünger mit einem veganen Ferment aus Zuckerrübenmelasse und Saatgut. Das Familienunternehmen achtet dabei generell auf eine einfache, praktische Anwendung und aktuelle Verbraucherwünsche. Abgefüllt in handlichen Flaschen à 250 Milliliter, gibt es Spezialdünger für Blumen, Kräuter und Tomaten. Ergänzt werden diese durch einen trockenen Universallangzeitdünger für Draußen und Drinnen sowie ein homöopathisches Pflanzenstärkungsmittel mit Wurmkompost.

Recht neu auf dem Markt ist dagegen KleePura des Dresd­ner Start-ups Grünerdüngen, das aus einem Uni-Forschungsprojekt heraus entstanden ist. Das engagierte Team hat Feststoffdünger aus Bio-Klee entwickelt, der auf Naturland-zertifzierten Feldern in der Region angebaut wird. Nicht von ungefähr, denn die mehrjährigen, im Ökolandbau beliebten Kleepflanzen fungieren als hervorragende Stickstofffixierer.

Bis zu elf Mal können die Felder geschnitten werden, wobei sie in der übrigen Zeit als Bienenweide dienen. Das Material wird getrocknet und zu kleinen, leicht nach Heu duftenden Pellets gepresst. Durch die mengenabhängige Abfüllung in stabile Papierbeutel oder Kartons mit Schütte lässt sich wieder die gute Handhabung hervorheben. Einfach von Hand ausgestreut, versorgt KleePura Gartendünger Gemüse, Kräuter, Blumen oder Obst.

Eine weitere nicht alltägliche Variante stellt Wurmhumus dar. Dabei macht man sich zu Nutze, dass sich die Ausscheidungen von Regenwürmern als hochwertiger Nährstoffkomplex zur Bodenverbesserung und Pflanzenstär­-
kung eignen. Die Firma Vermigrand aus Niederösterreich betreibt dazu eine eigene Regenwurmfarm, wo sie große Mengen Kompostwürmer mit organischem Material füttern.

Bei den verwendeten Rohstoffen verwende man nur ökologisch wertvolle Produkte und keine tierischen Abfälle, heißt es bei Vermigrand. Der angebotene Bio-Dünger weise eine stabile Krümelstruktur und hohe Wasserspeicherfähigkeit auf. Zum anderen enthalte der Regenwurmhumus auch Huminsäuren, Eiweiß- und Botenstoffe, die sich günstig auf das Wurzel- und Pflanzenwachstum auswirken sollen – ohne dass es zu einer Überdüngung kommt.

Dass sich sogar Schafwolle als Rohstoff für einen biologischen Dünger verwenden lässt, will BioGarten Steiner, auch aus Österreich, zeigen. Aus dem stickstoffhaltigen Rohstoff produziert der Betrieb Mini-Düngepellets für Obst oder Gemüse, Blumen- oder Kulturpflanzen, die über die  Vertriebsagentur Kaffl vermarktet werden.

Bio-Saatgut aus Ernährungs-, Umwelt- und gesellschaftspolitischen Gründen

Vergleichbar mit Pflanzenerde hat das Pflanzgut, sprich Samen, Zwiebeln und Jungpflanzen, ebenfalls nicht ganzjährig Saison. Jungpflanzen sind überwiegend im Frühjahr, Steckzwiebeln im Frühjahr und im Spätsommer oder  Herbst gefragt. Samen für die heimische Zucht von Sprossen und Keimen auf der Fensterbank bilden die Ausnahme und bieten sich ganzjährig an.

Einen hohen Bekanntheitsgrad und sehr guten Ruf in der Bio-Szene genießt hierzulande die Bingenheimer Saatgut AG. Die große Auswahl an biologisch produziertem Qualitätssaatgut für Gemüse, Kräuter, Blumen und Gründüngung umfasst mehr als 420 verschiedene Sorten. Dazu kommen Blumenzwiebeln, Steckzwiebeln und -knoblauch sowie Jungpflanzensets.
Überzeugt, dass Saatgut ein Kulturgut ist und für alle Menschen frei zugänglich sein muss, handelt es sich ausnahmslos um samenfeste Ware.

Von jeder verkauften Tüte führen die Bingenheimer einen Sortenentwicklungsbeitrag an den gemeinnützigen Kultursaat e.V. ab.
Dabei wird das Saatgut konsequent von Anfang an auf ökologischen Flächen vermehrt, wobei rund  80 Prozent aus Deutschland stammen. Vielfach handelt es sich zudem um bio-dynamisch gezüchtete Sorten, so dass an die 150 Sorten das demeter-Zeichen tragen dürfen. Neuerdings finden Kunden außerdem Beutel, die explizit als traditionelle Sorte gekennzeichnet sind.

Die Produktion von Saatgut erfordert viel Wissen und Erfahrung. „Kulturen wie beispielsweise Möhren, die bereits im ersten Jahr geerntet werden, müssen für die Saatgutproduktion bis zur Blüte im zweiten Jahr gepflegt werden“ erläutert Marketingfrau Lydia Eickhoff. Und weiter: Ernte, Reinigung und Lagerung des Saatguts stellten jeweils besondere Ansprüche. Jede angelieferte Partie werde auf Keimfähigkeit, Triebkraft, Pflanzengesundheit und Reinheit geprüft. Denn die Kunden erwarteten schließlich auch Keimfähigkeit und gesunde  Pflanzen.

Jedes Jahr bringt die Bingenheimer Saatgut AG neue Sorten in die Läden. So erweitern 2018 Tütchen mit Koriander, Kopfsalat, einem bunter Snacktomatenmix und die Mischung Kindergartenspaß die Palette. Davon unabhängig nennt das Unternehmen Kapuzinerkresse, Ringelblume, Basilikum und Radieschen als regelmäßige Renner.

Stichwort Tüten und Verpackung: Für unempfindlicheres Saatgut kommen gewöhnliche Papiertüten aus PEFC zertifiziertem Papier zum Einsatz, für empfindliche Sorten dagegen wärmeversiegelte Tüten aus Verbundfolien mit hoher Barrierefähigkeit. Eine Besonderheit stellt die Transparenz dar, indem die Herkunft des Saatguts bis zum Vermehrer  zurückverfolgt werden kann.

Das macht die Ware auch für den Handel etwas weniger erklärungsbedürftig. Für die Warenpräsentation stehen daneben unterschiedliche Warenständer, Tischdisplays, Haken-  leisten und Zwiebelkisten zur Verfügung – ergänzt durch kostenlose Probetütchen, Broschüren und Plakate, die Lust aufs Gärtnern machen.

Aries Umweltprodukte gelingt das nicht zuletzt mit originellen und praktischen Einsteiger-Varianten. „Besonders beliebt sind unsere Bio-Samenbomben“, sagt Anna Szczesny.  Aber auch die Samensticks und Saatenbänder kommen immer wieder gut an. Aries  setzt dabei gleichfalls konsequent auf samenfestes kba-Saatgut, das auf einer eigenen Bioland-Anbaufläche in Norddeutschland getestet wurde. Groß geschrieben werden ansonsten Bienen- und Insektenfreundlichkeit. Anna Szczesny verweist in diesem Zusammenhang auf ihre Erfahrung: „Themen wie Ackergift und Bienensterben als auch der ungebrochene Trend des Urban Gardenings halten die Nachfrage nach Bio-Gartenprodukten hoch.“

Abschließend sei als Beispiel für den Innenbereich und damit für die Vielgestaltigkeit des Sortiments noch das Microgreens-System von Heimgart erwähnt. Das Starter-Set besteht aus einer dekorativen Porzellanschale (Seltmann Weiden), einem Edelstahleinsatz und einem Set an biozertifizierten Saatpads mit Sprossenklassikern wie Rauke, Kresse oder Brokkoli.

Da es sich um Naturfaservlies handelt, können die Pads später einfach kompostiert werden, informiert Heimgart und hebt zugleich  die pflegeleichte, saubere Kultur ohne ständiges Gießen hervor. Alle Komponenten für den schnell gedeihenden Vitaminkick aus dem eigenen Küchengarten werden zudem in Deutschland gefertigt.

Bettina Pabel

 


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