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Schweizer Biomarkt

Kann der Biogroßhändler Biopartner mit der Somona-Integration Marktanteile gewinnen?

Der Schweizer Biomarkt wächst seit Jahren ungebrochen stark - aber nicht in erster Linie im Biofach-handel. Mit der Integration von  Somona GmbH in die Bio Partner AG soll eine Trendwende erreicht werden.

Dem Schweizer Biomarkt geht es gut (vgl. Infobox). Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden sich also immer mehr für Bio und übernehmen damit Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. Die Hälfte kauft täglich oder mehrmals wöchentlich biologische Produkte. Pro Kopf und Jahr waren das 299 Franken (2015: 280 CHF). Damit ist die Schweiz Weltmeisterin im Biokonsum.

Für den Biofachhandel ist dies nur bedingt eine gute Nachricht. Die ursprünglichen Initianten der Bio-Bewegung, die Bioläden und mit ihnen die Bio-Großhändler, konnten in der letzten  Zeit nicht am Wachstum des Bio-Marktes teilhaben. Denn ein Großteil der Bio-Umsätze findet im Detailhandel (LEH) der Großgenossenschaften Coop und Migros statt. Zudem zeigt die seit über fünf Jahren aufgebaute Kooperation Migros-Alnatura mittlerweile Wirkung. Eigentliche Alnatura-Abteilungen sind in immer mehr Migros-Filialen zu finden. Bio-Sortimente in unterschiedlicher Ausprägung führen heute zudem beinahe alle Schweizer Detailhändler - nicht zuletzt die mittlerweile angebotsmässig stark eingeschweizerten Ableger von Lidl und Aldi.

Bio Partner und Somona vereinen ihre Kräfte

Der Ende Januar 2018 kommunizierte Zusammenschluss der Bio-Großhändler Bio Partner Schweiz AG, Seon und Somona GmbH, Dulliken ist nicht zuletzt vor diesem Hintergrund zu sehen. Formal erfolgt die Integration mittels Erwerb der Monona-Anteile von Felix Hug durch die Bio Partner Schweiz AG.

Felix Hug wird bei der Integration mitwirken, die Stärkung des unabhängigen Fachhandels an vorderster Front mit vorantreiben und an der Generalversammlung in den Verwaltungsrat der Bio Partner Schweiz AG eintreten.  „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Zusammenschluss Kräfte für einen starken Bio-Fachhandel frei setzen können. Das Ziel muss sein, dass wir alle am von uns gemeinsam aufgebauten Bio-Markt partizipieren und eine Zukunftsperspektive entwickeln können“, so Felix Hug, Inhaber und Geschäftsführer der Somona GmbH.

Bio Partner will sich für die gesamte Bio-Wertschöpfungskette stark machen. Verena Rohrer, neue Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Bio Partner zeigt auf, welche Massnahmen damit konkret gemeint sind: „Angefangen beim Ursprung auf dem Feld durch das Mitwirken beim neu gegründeten Verein Svizra Agricultura – für eine ganzheitliche Landwirtschaft.“ Der Fokus aller Aktivitäten ist, ein authentischer und aktiv mitwirkender Bio-Partner zu sein. „Biologische und bio-dynamische Lebensmittel zeichnen sich nicht nur durch ihr Label aus. Sie sind angewiesen auf eine authentische Grundhaltung und eine Wertschätzung von allen Akteuren in der Wertschöpfungskette: Produzenten, Verarbeitern, Großhändlern, Gastronomen, Fachhändlern und Konsumenten.“

Marktanteil stabilisieren - und ausbauen?

„Die genannten Maßnahmen stehen im Kontext der Ausrichtung der Hauptaktionärin Bio Development AG; es geht darum, starke Partnerschaften durch die ganze Wertschöpfungskette im Segment bio und bio-dynamischer Lebensmittel zu etablieren – als Alternative zu konzernmässig organisierten Mitanbietern“, meint Markus Lüthi als Präsident des Verwaltungsrates Bio Partner Schweiz AG  und Bio Development AG.

Markus Lüthi betont, dass der Zusammenschluss nicht durch Synergien betreffend Kosten, Umsatz oder Margensynergie motiviert sei: „Im Fokus unseres Entscheides liegt es, die gemein- samen Kräfte zu bündeln um so wirksamer den unabhängigen Schweizer Bio-Fachhandel zu stärken.“ Die Kooperation verfolgt konkrete Ziele im  Schweizer Biomarkt, wie Lüthi betont: „Wir wollen den Verlust an Marktanteilen des unabhängigen Bio-Fachhändlers stoppen und wieder neu entwickeln. Innerhalb von fünf Jahren wollen wir eine Erhöhung des Marktanteiles im zweistelligen Prozent-Bereich erreichen.“ Zu den möglichen Auswirkungen auf bestehende und neue Handelspartnerschaften in Deutschland und weiteren Ländern ergänzt Lüthi: „Das ist schwierig einzuschätzen. Grundsätzlich stärkt der Zusammenschluss die Positionierung innerhalb der Schweiz.“

Die Somona-Integration wird in der Schweizer Biobranche mehrheitlich als logischer und natürlicher Schritt gewertet. Dies vor dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte der Bio Partner AG, die durch eine fortlaufende Kooperation und Integration ursprünglich eigenständiger Bioniere wie Vanadis, Eicherg und Viaverde gekennzeichnet ist. Angesichts des starken Bio-Marktwachstums der großen Detailhändler sind die gesetzten Ziele ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Denn für viele Biofachhandels-Geschäfte und spezialisierte Bioverarbeitungs-Unternehmen ist Bio Partner nach wie vor die wichtigste Bezugsquelle.

Biogroßhandel jenseits von Bio Partner

Dennoch ist die Bio Partner AG keineswegs alternativlos. Als ebenso traditioneller wie innovativer Großhandels-Partner bietet sich die zur Claus-Gruppe gehörenden Handelsfirma PHAG an. Das heutige Stammhaus der PHAG (Produits Hygiéniques Alimentaires Gland)  ist das im Jahre 1964 gegründete Familienunternehmen Claus Reformwaren Service Team GmbH mit Sitz im sonnigen Baden-Baden am Rande des Schwarzwaldes. Durch die Zusammenarbeit mit den europäischen Töchtern Pur Aliment (F), PHAG (CH) und Pural (D) bietet die Claus-Gruppe ein reichhaltiges Sortiment an Reform-, Bio- und Naturwaren.

Heinz Claus, der vor über 50 Jahren das Unternehmen gründete, hat einen entsprechend eigenständigen Blick auf die neueste Bio Partner-Integration: „Mit Blick auf die Chancen für unsere Schweizer Firma PHAG beurteilen wir diese Entwicklung eher positiv. 1895 in Basel gegründet, gehört die PHAG seit nahezu 120 Jahren zu den Pionieren der Reformbewegung in der Schweiz.“

Auf die aktuelle Entwicklung will Heinz Claus mit einer noch stärkeren Kundenorientierung antworten: „Als vertrauter Partner der Einzelhändler der Schweizer Bio-Branche wollen wir die Zusammenarbeit mit dem Biofachhandel noch näher und auf die Erwartungen unserer Kundschaft ausrichten. Unsere Schweizer Team kennt die Bedürfnisse und Erwartungen des Biofachhandel sehr genau und wir können sehr spezifisch auf die Wünsche und Anliegen eingehen.“ Eine wichtige Stärke der PHAG liegt in der starken Verankerung in der Romandie, der französisch sprechenden Westschweiz sowie im Tessin.

Claus betont, dass der Schweizer Bio-Markt gemessen an der Bevölkerungsanzahl durchaus eine vergleichsweise große Bedeutung habe und die aktuelle Entwicklung daher auch für deutsche Bio-Hersteller von Interesse sei. „Im Somona-Sortiment macht der Anteil an deutschen Artikeln und Markenprodukten etwa die Hälfte aus. Dies wird wohl nach der Übernahme ähnlich groß bleiben. Abzuwarten bleiben die Auswirkungen auf die Sortimente, zum Beispiel ob es zu Streichungen gewisser Nischenprodukte kommt“, so die Einschätzung von Heinz Claus.  

PHAG und RegioFair - mehr Bio aus der Region

Im Rahmen der PHAG-Vermarktung setzt Heinz Claus vermehrt auf die regionalen Angebote, ausgehend von den Erwartungen der Schweizer Einzelhändler. Regionale Bioprodukte sind vor allem in der vielfältigen Schweiz sehr beliebt und den Biofachgeschäften bietet sich eine willkommene Chance zu einem eigenständigen Angebotsprofil. Seit Januar 2017 bietet sich dem Schweizer Fachhandel eine neue Möglichkeit, sein Sortiment mit hochwertigen Bio-Produkten weiterzuentwickeln und zu stärken. Durch den Schulterschluss von PHAG und der Zentralschweizer Vermarktungsinitiative RegioFair (http://www.regiofair.ch) steht dem Schweizer Fachhandel ein neuer, starker Partner zu Verfügung. Die von Phag und RegioFair zusammengestellte Produktpalette konzentriert sich auf Qualitätsmarken, die ausschliesslich an den Fachhandel abgegeben werden.

Peter Jossi

Bio-Markt Schweiz - Großverteiler sind die Wachstumstreiber
Das Marktwachstum des Schweizer Biomarkts lag 2016 bei 7,8 Prozent (2015: 5,2  Prozent), der Umsatz steht mit 2,505 Milliarden Franken bei einer neuen Bestmarke (2015: 2,323 Milliarden CHF) und der Anteil am Lebensmittelmarkt macht einen Satz auf 8,4 Prozent. (2015: 7,7 Prozent). In der Westschweiz sind Umsatz und Marktanteil überdurchschnittlich gewachsen.
Wachstumstreiber wa- ren auch 2016 die Grossverteiler. Marktführer Coop hat wieder Fahrt aufgenommen und legte gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent zu. Der Umsatz stieg auf 1,118 Milliarden Franken (2015: 1,044 Milliarden CHF). Mit 44,6 Prozent (2015: 44,9 Prozent) konnte Coop seinen Marktanteil praktisch halten und ist nach wie vor unangefochtener Leader im Biomarkt.
Migros legte mit plus 18,7 Prozent auf 808 Millionen Franken (2015: 681 Millionen CHF) zu. Das ist erneut die stärkste Zunahme aller Marktplayer und entspricht einem Marktanteil von 32,3 Prozent (2015: 29,3 Prozent). Hier schlagen vor allem die Alnatura-Produkte zu Buche.
Der Bio-Fachhandel hingegen hat weiterhin Probleme, sein Potenzial auszuschöpfen. Er lag mit einem Umsatz von 272 Millionen Franken (-2,6 Prozent) sogar leicht unter dem Vorjahr.
Stark ist das Wachstum vor allem in der französischsprachigen Westschweiz, wo der Biomarkt derzeit sogar etwas stärker wächst als der Durchschnitt der Schweiz. Der Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt machte in der Romandie einen Satz von 7 Prozent im Jahr 2015 auf 8 Prozent im letzten Jahr. Auch beim Umsatzwachstum lag die Westschweiz 2016 deutlich vorne.
https://www.bio-suisse.ch/de/bioinzahlen.php

 

Mehr Informationen

https://www.biopartner.ch/de/aktuell/detail/news/detail/News/bio-partner-und-somona-vereinen-ihre-kraefte/
https://www.claus-gmbh.de/
http://www.phag.eu/die-claus-gruppe/



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