Start / Business / Bio-Handel / Einzelhandel / Naturkostfachhandel / Der Megatrend Bio lässt sich nicht kapern

Bio-Fachhandel

Der Megatrend Bio lässt sich nicht kapern

Umsatz im Naturkost-Fachhandel wächst auf 3,29 Milliarden Euro

BNN, Berlin, 08.02.2018  |  Der Naturkostfachhandel hat 2017 einen Umsatz von 3,29 Milliarden Euro erzielt, was einer Steigerung von circa 2,5 Prozent entspricht. Trotz eines Rückganges der Umsatzsteigerung im Vergleich zu 2016 (5,6 Prozent) sieht die Branche optimistisch in die Zukunft. Grund hierfür sind zum einen die steigenden Umsatzzahlen im letzten Quartal sowie die immer größer werdenden Ansprüche in der Bevölkerung an den Einzelhandel und seine Produkte.

„Im vergangenen Jahr haben wir eine bemerkenswerte Entwicklung im konventionellen Lebensmittel-Einzelhandel beobachten können. Auf der einen Seite haben viele Discounter und Supermärkte ihr Bio-Sortiment ausgebaut. Auf der anderen Seite wurde massiv auf Werbung und Marketing gesetzt, um diese Bio-Anteile im Sortiment verstärkt zu kommunizieren“, stellt Elke Röder fest. Sie ist Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V., der den Fachhandel mit Bio-Lebensmitteln vertritt. 

„Das drückt das Dilemma aus, auf das sich die Konventionellen zubewegen. Denn Bio ist trotz allem nur ein geringer Teil des Sortiments bei REWE, Lidl und Co. Wenn die gesellschaftliche Entwicklung anhält – und das wird sie – werden diese Bio-Anteile im Sortiment langfristig die Ansprüche der Kunden nicht mehr befriedigen können. Die Konventionellen können zwar auf den Megatrend Bio aufspringen, aber sie können ihn nicht kapern. Und die Bio-Originale wachsen weiter stabil,“ so Röder.

Für die Stabilität des Fachhandels spricht zudem, dass man mit circa 2.500 Verkaufsstellen in ganz Deutschland der Marktmacht des konventionellen Lebensmitteil-Einzelhandels und Drogerien (circa 40.000 Filialen) bereits seit Jahrzehnten erfolgreich widersteht. Gleichzeitig wächst die Zahl der Kunden, die diese Alternative nutzen und im Bioladen einkaufen. Im Jahr 2017 gab es in der deutschen Bevölkerung rund 12,73 Millionen Personen, für deren Haushalt Lebensmittel in Bioläden eingekauft wurden. 2016 waren es noch 12,11 Millionen.[1] 

Für diese Entwicklung sprechen auch die aktuellen Zahlen[2] des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: zwei Drittel der Befragten (66 %) erwarten, dass in der Landwirtschaft die Tiere artgerecht gehalten werden. 62 Prozent ist die Qualität der Produkte sehr wichtig. Jeder Zweite (48 %) wiederum misst umweltschonenden Produktionsmethoden sehr hohe Bedeutung zu.

„Mit der gesellschaftlichen Entwicklung muss aber auch die Politik Schritt halten“, so Röder. Im vergangenen Jahr forderte der BNN bereits eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Bio. Brüssel plant nun, den Mitgliedsstaaten in puncto Mehrwertsteuer mehr Flexibilität einzuräumen[3]. Diesen Ball muss die kommende Bundesregierung dringend aufnehmen, will sie nachhaltige Leistungen auch steuerlich fördern.“

[1] Statista
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/264537/umfrage/biolaeden--einkauf-von-lebensmitteln-in-deutschland/

[2] Der BMEL-Ernährungsreport 2018

[3] https://ec.europa.eu/germany/news/mehrwertsteuer-reform-flexiblere-mehrwertsteuers%C3%A4tze-weniger-aufwand-f%C3%BCr-kleinunternehmen_de
 


Ticker Anzeigen

Das könnte Sie auch interessieren

Biomarken oder Eigenmarken des Handels

Da stellt sich die Frage: Vielfalt oder Einfalt?

Biomarken oder Eigenmarken des Handels

Der erste Donnerstagstalk im September diskutiert über die Frage: Wie ist ein Bio-Staat machbar? Mit der Vermarktung von Bio als Marke der Hersteller, mit Dachmarken oder mit Handelseigenmarken. Bioland kooperiert mit Lidl, Naturland seit langer Zeit mit der Rewe-Bio-Eigenmarke. Zwischen Herstellermarken und den Eigenmarken tummeln sich einige Bio-Dachmarken. Alle haben sie ihre ureigenste Daseinsberechtigung. Demeter geht einen etwas anderen Weg. Sie vergeben nicht ihr Logo. Sie machen den Weg frei für die Bio-Marken ihrer Demeter-Hersteller und auch einige Dachmarken. Der Handel darf mit dem demeter-Logo dann nur in den Märkten werben. Das Logo wird nicht vergeben für Handelseigenmarken.

30.08.2021mehr...
Stichwörter: Bio-Umsatzstatistik 2018, Bio-Fachhandel, Elke Röder, Bio-Wachstum

Wie entwickelt sich der Bio-Markt der Zukunft?

Achter Donnerstag-Talk im bioPress Square & Fair Table, jede Woche ab 15 Uhr

Die Bio-Sortimente in den Supermärkten haben ihre Nische verlassen. Die gewohnten Bio-Blöcke werden immer mehr aufgelöst und Bio steht jetzt in den Sortimenten. Diese Dynamik findet sich nicht überall auf dem Markt: Manche Vollsortiment-Anbieter beschränken sich ausschließlich auf den Bio-Fachhandel. Über die Hürden, wie man sie überwindet und das Entwicklungspotenzial des Bio-Markts wurde im Donnerstag-Talk diskutiert.

11.06.2021mehr...
Stichwörter: Bio-Umsatzstatistik 2018, Bio-Fachhandel, Elke Röder, Bio-Wachstum

Bio-Fachhandel 2020 stark gewachsen

Gesundheit und Nachhaltigkeit für Kunden laut BNN am wichtigsten

Die Umsätze im Fachhandel für Biolebensmittel und Naturwaren sind 2020 stark gewachsen. Nach Hochrechnung des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren e.V. (BNN) lag der Gesamtumsatz des Facheinzelhandels bei 4,37 Milliarden Euro und damit 16,4 Prozent über dem Vorjahr (2019: 3,76 Milliarden Euro). Die positive Marktentwicklung sei geprägt durch ein gesteigertes Bewusstsein der Verbraucher für nachhaltige und gesunde Lebensmittel.

15.02.2021mehr...
Stichwörter: Bio-Umsatzstatistik 2018, Bio-Fachhandel, Elke Röder, Bio-Wachstum

Coop auch 2019 Bio-Weltmeister

Die Schweizer Coop bleibt bei der Bio-Vermarktung weiterhin Nummer Eins!

18.02.2020mehr...
Stichwörter: Bio-Umsatzstatistik 2018, Bio-Fachhandel, Elke Röder, Bio-Wachstum

Bio Partner schluckt Somona

Mehr Konzentration im Schweizer Bio-Großhandel soll Unabhängigkeit der Bio-Branche garantieren

31.01.2018mehr...
Stichwörter: Bio-Umsatzstatistik 2018, Bio-Fachhandel, Elke Röder, Bio-Wachstum