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Mutiger Vorreiter – mit Bio und Trends

Hieber’s Frische Center erwirtschaftet drei Millionen Euro mit Bio

Mutiger Vorreiter – mit Bio und Trends © bioPress, EM
Eine üppige Bio-Auswahl von bis zu 100 Bio Obst- und Gemüseartikeln präsentiert Hieber in Mengen, die zum Zugreifen animieren.

Seit 17 Jahren versorgt Hieber‘s Frische Center seine Lörracher Kunden mit 48.000 Produkten. Von den insgesamt zwölf Märkten in Südwestdeutschland verzeichnet der Lörracher Markt den stärksten Bio-Absatz. 2017 wurden dort 41 Millionen Euro umgesetzt, mit einem Bio-Anteil von sieben Prozent. In der ‚Akademie‘ über dem vielseitigen Gastrobereich finden Schulungen und Kochevents statt.

Karsten Pabst, der als geschäftsführender Gesellschafter für die Hieber-Märkte verantwortlich ist, sieht den Grund für die hohen Bio-Verkäufe in der veganen Abteilung, die vor drei Jahren eröffnet wurde. Denn viele vegane Produkte tragen auch das Bio-Siegel. „Zunächst haben wir den neuen Bereich neben der Metzger-, dann neben der Käsetheke platziert – beides ohne Erfolg. Die Obst- und Gemüseabteilung hat sich schließlich als der richtige Ort herausgestellt. Dort ist der vegane Absatz um 40 Prozent gestiegen“, sagt er.

Dieser Erfolg liege nach Einschätzung von Pabst aber nicht allein an den rund 800 veganen Produkten, die eine höhere Präsenz bekommen, sondern auch an der Kompetenz der geschulten Fachkräfte, die selbst Veganer oder Vegetarier sind. Ilona Kohler betreut die vegane Abteilung samt Veggiebar. Es gibt Lupinen-Filet und -Schnitzel sowie selbstgemachte Linsen- und Kichererbsen-Salate. Als Nachtisch bietet sie zum Beispiel Chia-Joghurt mit Kokosmilch an.

In den Regalen und Kühltheken liegen unter anderem Produkte von Like Meat sowie Low Carb Pizza von Lizza. In den letzten fünf Jahren sei der vegane Trend stark gewachsen. Das Alter ihrer Kunden liege zwischen elf und 80 Jahren. „Die Jüngeren ernähren sich hauptsächlich aus Tierwohl-Gründen vegan. Bei den über 30-Jährigen spielt die Gesundheit eine entscheidende Rolle“, sagt Kohler. Es seien vor allem Frauen, die sich für eine rein pflanzliche Ernährung entscheiden. Im Grenzacher Hieber-Markt gebe es ebenfalls eine erfolgreiche vegane Abteilung, sagt Pabst. Künftig sollten sie auch in den anderen sieben Hieber-Märkten, die eine Fläche von über 500 Quadratmetern aufweisen, eingeführt werden.

„Wir hören unseren Kunden zu und versuchen aus ihren Inputs Trends zu erkennen. Lieber probieren wir mehr aus und scheitern dann, als es gar nicht erst zu versuchen. Wir sind mutiger als andere, das ist sicher ein Grund unseres Erfolgs. Außerdem sind wir regelmäßig unterwegs, um von guten Märkten, Gastronomien und Produzenten im In- und Ausland zu lernen“, erklärt Pabst. „Unsere Mitarbeiter sollen etwas erleben, die Hersteller der Produkte kennenlernen und sich austauschen. Unser Weinfachberater wird zum Beispiel in diesem Jahr auf verschiedenen Weingütern mitarbeiten.“

55 Prozent des Umsatzes durch Frische

Nebenan in der großen Obst- und Gemüseabteilung sind bis zu 100 Bio-Produkte im Block zusammengestellt. Darunter Demeter-Landgurken, verschiedene Sorten Möhren, Spinat, Chinakohl, Roter Mangold, Zuckerhutsalat, Salate von der Bioland-Gärtnerei Hoch-Reinhard, Hokkaidos, Radicchio und Eichblattsalat, der mit 99 Cent genau so teuer ist wie der konventionelle. Im Holzregal befinden sich verschiedene Kräuter in Bio-Qualität wie Thymian, Petersilie und Minze. Ein paar Schritte weiter stehen Bioland-Shiitake.

Das Obstangebot umfasst unter anderem Mangos, Avocados, Kiwis, Kakis und Demeter-Äpfel vom Schwarzwaldhof. Dazwischen stehen Holzkisten mit Bio-Kokosnüssen für 3,99 Euro, Bio-Datteln, -Walnüssen und -Erdnüssen. „Unsere Kunden greifen lieber zu loser Ware. Das meiste unseres Bio-Obstes und -Gemüses ist mit Aufklebern etikettiert. Unsere Kassierer können aber durchaus unterscheiden zwischen konventioneller und Bio-Ware“, sagt Marktleiter Simon Strokol. „Mittlerweile haben wir viele Demeter- und Bioland-Produkte.“ 55 Prozent des Umsatzes werde bei Hieber mit Frischeprodukten gemacht.

Regionaler Trend wird zu local

„Bio ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil, mittlerweile aber bei vielen zur Selbstverständlichkeit geworden – und zur Voraussetzung“, betont Pabst. Viele Hersteller seien deshalb dazu übergegangen, den Inhalt des Produkts in den Vordergrund zu stellen. Das Bio-Siegel werde von einigen bereits kleiner auf der Rückseite abgebildet – ähnlich wie die Hinweise ‚glutenfrei‘ oder ‚zuckerreduziert‘, ergänzt Strokol.

Pabst und Strokol stellen fest, dass aus dem regionalen Trend ein lokaler werde. Das beobachteten sie nicht nur im Wurst- und Fleischbereich, sondern auch beim Obst und Gemüse sowie bei Weinen. Pabst: „Das größte Interesse an lokalen Erzeugnissen besteht bei Molkereiprodukten. Die Kunden wissen, dass den Landwirten mehr Gewinn bleibt, wenn sie zum Beispiel zur Schwarzwaldmilch greifen. Die Freiburger Molkerei bietet ihren Milchbauern die höchsten Auszahlungspreise. Wir haben 198 lokale Lieferanten, die mit Herzblut hinter ihren Produkten stehen. 35 von ihnen haben ein Bio-Siegel. Jeder Erzeuger ist eingeladen, seine Produkte bei uns vorzustellen. Er braucht kein ISO-Zertifikat. Wir verlassen uns auf den persönlichen Kontakt“. Insgesamt seien 15.590 Bio-Artikel bei Hieber gelistet und 6.000 das ganze Jahr über verfügbar. Neben der Edeka-Zentrale gebe es 602 Streckenlieferanten. Einer der wichtigsten sei Rhein-Main-Reformwaren.

„Übrigens haben wir 2002 die erste Bio-Abteilung auf 300 Quadratmetern im Lörracher Markt eingerichtet. Nach fünf Jahren wurden die Produkte dann den Warengruppen zugeordnet, um mehr Vielfalt zu zeigen. Daraufhin sind die Bio-Absätze gestiegen“, erinnert sich Pabst.

Sehr beliebt seien Alnatura-Produkte, wegen ihrer geringeren Preisschwelle. Im Lörracher Markt gibt es 600 Artikel. „Für diese Bereicherung haben wir keine anderen Bio-Produkte ausgelistet, sondern sie lediglich ergänzt. Bio-Zentrale und Bio Gourmet stehen nach wie vor in den Regalen. Der Umschlag ist niedriger als bei Alnatura, aber es lohnt sich, die anderen weiterzuführen“, so Pabst.

300 Käsesorten, 20 in Bio-Qualität

Auf dem Weg zur Mopro-Abteilung bleibt Pabst am Eier-Regal stehen. „Wir sind stolz darauf, Eier der Initiative ‚Gemeinsam für Henne & Hahn‘ im Sortiment zu haben.“ Mit dem Projekt ermöglichen Landwirte aus Baden Württemberg die Aufzucht männlicher Küken in der Legehennen-Haltung. „Vor vier Jahren waren wir einer der ersten Märkte, der die Produkte angeboten hat. Die Eier kosten vier Cent mehr und sind beliebt bei unseren Kunden.“

In der Mopro-Theke ist Andechser stark mit Joghurts und Milch vertreten. Auffallend ist ein Holzregal, das besondere Produkte hervorheben soll: Aktuell stehen dort verschiedene Joghurts und Weidemilch von Schwarzwaldmilch. In der ‚Käsestraße‘ befinden sich unter anderem Ziegen-Butterkäse, Bioländer und Bio-Bergkäse von Andechser, Bio-Bergkäse von Schwarzwaldmilch sowie Artikel der Edeka-Bio-Marke.

Hinter der Käse-Bedientheke steht Elke Leimgruber mit ihrem Team. Die gelernte Fleischereifachverkäuferin hat sich bei Hieber zur Käsesommelier weitergebildet und gehört seit einiger Zeit zur internationalen Käsegilde Europas. „Wir bieten 300 Käsesorten an, inklusive 20 in Bio-Qualität“, sagt sie. Aus der Schweiz wird Bio-Appenzeller geliefert, aus dem Allgäu Käse der Erzeuger Baldauf, Wiggensbach und Isny. Aber auch Produkte von der Dorfkäserei Geifertshofen, Söbbeke, Kloster Schlierbach und Andechser sind vertreten.

„Seit zwei Jahren präsentieren wir Bio-Käse zentral in der Bedientheke. Dadurch wird er mittlerweile auch häufiger gekauft. Unser Fokus liegt auf handwerklich hergestellten Produkten“, sagt Leimgruber. Durch die Weiterbildungsmöglichkeiten von Hieber habe ihr Team bereits einige Käseerzeuger vor Ort besucht und mehr über ihre Produkte erfahren.

300 Bio-Weine

Neben dem Käsebereich befindet sich die Weinabteilung mit insgesamt 2.000 Produkten, davon bis zu 300 Bio-Sorten. Sie werden unter anderem von den Weingütern Röschard, Huck-Wagner, Kaufmann, Walz, Rieger und Hofgut Sonnenschein produziert. Letzteres bietet mit Regent, Johanniter, Souvignier gris und Monarch pilzresistente Sorten und erhielt 2014 den internationalen Bioweinpreis. 

Pabst: „Vor allem deutsche Weine sind sehr beliebt. Wir verzeichnen 70 Prozent Umsatz mit den heimischen Produkten. Das ist ein Anteil von 3,5 Prozent am Gesamtumsatz.“ Die teuersten Bio-Weine sind der Cabernet Cortis für 66 Euro und der Cabernet Carol für 44 Euro. Hieber bietet seinen Kunden auch Fahrten zu Winzern und Bio-Bauern an. Dort erfahren sie mehr über die Herstellung und die Unterschiede zu konventionellen Produzenten.

Wurst, Fleisch und Fisch

Metzgereibereichsleiter Hans Friedlin verkauft mit seinem Team hinter der Fleisch- und Wursttheke folgende Bio-Produkte: Demeter-Dammwild aus Schopfheim, Geflügel von Bruno Siebert aus dem Elsass und Edeka, Rind von den Gersbachbetrieben sowie Weiderind von Edeka. Ebenfalls gelistet ist Bioland-Schweinefleisch. Bio-Wurst gibt es von Rack & Rüther und Edeka, SB-Bio-Wurst von Altdorfer, Wiltmann und Edeka.

Darüber hinaus bietet Hieber Fleisch -und Wurstprodukte von Tieren aus artgerechter Tierhaltung an, die jedoch nicht Bio-zertifiziert sind. Darunter befinden sich zum Beispiel Schweinefleisch vom Hofgut Silva, Rind von ALMO und Vulcano aus Österreich, Gänse und Puten vom Lohof in Schopfheim, Rindfleisch aus Schottland, Irland und Australien sowie Lamm von weiteren deutschen Erzeugern. „Im Moment ist es noch schwierig, Lieferanten zu finden, die große Mengen Bio-Fleisch anbieten. Aber ich glaube, dass sich das in Zukunft ändern wird“, so Pabst.

Nebenan befindet sich die Fischtheke mit Wolfsbarsch (39,90/kg), Dorade (39,90/kg) und norwegischem Lachs (49,90/kg) in Bio-Qualität. Laut Abteilungsleiter Hermann Maurer ist die Nachfrage nach Bio-Fisch nicht so stark ausgeprägt wie beim anderen Bio-Sortiment.

In der Wellness-Abteilung finden sich Produkte von Lavera, Weleda und Alivana Naturkosmetik als Preisein- stiegsmarke. Von Speick gibt es ökologische Seife. Waschmittel gibt es von Ecover, Klar, AlmaWin und Frosch.
In der Babyecke können die Verbraucher zu Glasnahrung von Hipp, Holle und Alnatura greifen. Zusätzlich gibt es Quetschbeutel von Freche Freunde.
Im TK-Bereich finden sie Mais, Erbsen, Bohnen und Spinat der Bio-Marke Natural Cool von Demeter-Felderzeugnisse. Bio-Eis gibt es von Helador in den Sorten Schokolade und Vanille.

Bio-Schokolade wird von Maestrani, Vivani, Alnatura und Gepa angeboten. In der Nähe befinden sich Vanille-Pasten, -schoten und -extrakte im Glas von Taylor & Colledge.

„Heute wollen die meisten wissen, was sie zu sich nehmen. Daher schwenken auch immer mehr Konzerne um zu mehr Bio und Nachhaltigkeit“, sagt Strokol. „Die Kunden sind dazu bereit, für mehr Qualität zu bezahlen. Das Bewusstsein nimmt zu und die Leute können es sich leisten. Diese Rahmenbedingungen helfen uns, mit Bio so erfolgreich zu sein.“ Der Durchschnitts- bon im Lörracher Markt liege bei 34,65 Euro.

Gastronomie und Akademie

40 der insgesamt 195 Mitarbeiter sind im Gastrobereich vor der Marktfläche beschäftigt. Er wurde vor zwei Jahren von Hieber übernommen und ist nach dem Streetfood-Konzept angelegt. Angeboten wird italienische, amerikanische und gutbürgerliche Küche, mit Grill- und Burgerstation sowie einer Kaffee-, Suhi- und Smoothie-Bar. „Wenn möglich, verwenden wir bei den Säften Bio-Obst“, sagt der Gastronomieleiter Timo Lais. Als Tagesessen gibt es drei bis vier saisonale Gerichte. In diesem Jahr sollen ein Bio-Gericht und ein Bio-Brötchen mit Belag angeboten werden. Die Backtheke ist gegenüber und bietet verschiedene Demeter-Brote an.

Über dem Gastrobereich befindet sich seit über einem Jahr die ‚Akademie‘, in der regelmäßig Schulungen für Auszubildende, Kochkurse und -shows stattfinden. „Vor einigen Wochen haben die Küchenbrüder bei uns gekocht. Durch die Events wollen wir den Teilnehmern Lebensmittel näherbringen“, erklärt Pabst.

Teilen statt Entsorgen

Bisher stelle Hieber Verbrauchern Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) in zwei Märkten kostenfrei zur Verfügung. Auch diese recht mutige Aktion kommt gut an. „Wir übernehmen die volle Haftung. Viele Lebensmittel könnten länger verkauft werden, weil sie länger als das MHD genießbar sind. Ich sehe den Gesetzgeber in der Pflicht, seine Vorgaben zu ändern“, sagt Pabst. Seine Kunden dürfen gespannt sein, welche Ideen in diesem Jahr umgesetzt werden.

Sina Hindersmann



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